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31.08.2026 3

DER OSMANISCHE BOTSCHAFTER IN BERLIN – FURKAN BIN ABDULLAH

DER OSMANISCHE BOTSCHAFTER IN BERLIN – FURKAN BIN ABDULLAH

DER OSMANISCHE BOTSCHAFTER IN BERLIN – FURKAN BIN ABDULLAH
 

Sultan Selim III. änderte die osmanische Diplomatie grundlegend

Der Kalif Sultan Selim III regierte von 1789 bis 1807. Seine Reformpolitik, häufig mit dem Begirff Nizâm-ı Cedîd („Die Neue Ordnung“) verbunden, betraf nicht nur das Militär, sondern auch die Verwaltung und Außenpolitik.

Bis dahin entsandte das Osmanische Reich zwar seit Jahrhunderten Botschafter und Gesandtschaften nach Europa, diese waren aber im Allgemeinen zeitlich begrenzte Missionen. Ein Gesandter reiste beispielsweise für Friedensverhandlungen, eine Thronbesteigung oder einen bestimmten diplomatischen Auftrag an einen europäischen Hof und kehrte anschließend zurück.

Unter Selim III. begann 1793 das Experiment mit dauerhaft residierenden osmanischen Botschaften. Die erste wurde in London eingerichtet; Yusuf Agah Efendi wurde dorthin entsandt. Danach folgten weitere europäische Hauptstädte, darunter Wien, Paris und Berlin. Die Forschung bezeichnet dies ausdrücklich als Einführung regulärer bzw. permanenter diplomatischer Vertretungen unter Sultan Selim III. 

Die Botschafter sollten dabei Informationen über europäische Politik, Militärwesen, Verwaltung, Wirtschaft und Gesellschaft sammeln und nach Istanbul berichten. Sultan Selim III. las beispielsweise die Berichte seiner Diplomaten persönlich. 

 

Berlin hatte vorher schon osmanische Gesandte, jedoch keine dauerhafte Vertretung

Bereits 1763 war Ahmed Resmî Efendi nach Berlin gekommen. Auch Ahmed Azmi Efendi hielt sich 1791 dort auf. Jedoch waren diese Missionen vorübergehend.

Resmî Ahmed Efendi 1763 und Ahmed Said Azmi Efendi 1791 kehrten nach Erledigung ihrer Aufgaben zurück. Ali Aziz dagegen wurde zum „ständigen außerordentlichen und bevollmächtigten Botschafter“ am preußischen Königshof ernannt. 

 

Giritli Ali Aziz Efendi: Ernennung 1796, Berlin 1797

Giritli Ali Aziz Efendi, auch Aziz Ali Efendi genannt, stammte aus Kreta (Girit) und wurde wahrscheinlich um 1749/1750 in Kandiye, dem heutigen Heraklion, geboren.

1796 wurde er als erster permanenter osmanischer Gesandter für Preußen bestimmt. Am 4. Juni 1797 kam er in Berlin an und vertrat dort Sultan Selim III. bis zu seinem Tod. 

 

Die Audienz bei Friedrich Wilhelm II.

Nur wenige Tage später, am 15. Juni 1797, erhielt Ali Aziz Efendi eine Audienz bei Friedrich Wilhelm II.. Damit begegneten sich gewissermaßen zwei diplomatische Welten: die traditionelle osmanische Diplomatie und das europäische System permanenter Gesandtschaften, in das Sultan Selim III. sein Reich nun stärker integrieren wollte.

Es ist Interessant, dass Ali Aziz Efendis diplomatischer Rang von den preußischen Behörden zunächst falsch eingeschätzt wurde, weshalb der eigentlich angemessene große Empfang bei seiner Ankunft ausblieb. 

 

Ali Aziz Efendi war nicht nur Diplomat

Ali Aziz Efendi war gleichzeitig Staatsmann, Dichter, Schriftsteller und ein Sufi. Besonders bekannt wurde sein Werk „Muhayyelât“. Eine Berliner Gedenktafel bezeichnet es sogar als ein frühes bzw. wegweisendes Werk türkischer Literatur im westlichen Stil und Ali Aziz als einen Wegbereiter der türkischen Moderne. 

 

Ali Aziz Efendi starb schon nach etwa 16 Monaten in Berlin

Ali Aziz Efendis Berliner Tätigkeit war erstaunlich kurz:

4. Juni 1797: Ankunft in Berlin
29. Oktober 1798: Tod in Berlin.

Er starb im Alter von ungefähr 49 Jahren im Ephraimschen Palais in Berlin.

 

Sein Tod führte zur Entstehung eines muslimischen Begräbnisplatzes

Nach Ali Aziz Efendis Tod stellte König Friedrich Wilhelm III. ein Grundstück auf der Tempelhofer Feldmark als islamischen Begräbnisplatz zur Verfügung. Ali Aziz Efendi wurde dort als Erster bestattet.

Der Ort lag ungefähr im Bereich der heutigen Urbanstraße. Die Berliner Gedenktafel nennt ausdrücklich die heutige Urbanstraße 15 beziehungsweise die unmittelbare Umgebung als Standort des Begräbnisplatzes von 1798 bis 1866. 

Damit beginnt 1798 eine institutionalisierte muslimische Begräbnistradition in Berlin, die unmittelbar mit der osmanischen Diplomatie verbunden war.

 

Sein Grab lag ursprünglich nicht am heutigen Columbiadamm

Ali Aziz Efendi wurde 1798 nicht auf dem heutigen Türkischen Friedhof am Columbiadamm bestattet. Sein erstes Grab befand sich auf dem Begräbnisplatz in der Tempelhofer Feldmark, im Bereich der heutigen Urbanstraße.

Später wurde dieses Gelände benötigt. Deshalb entstand 1866 der neue islamische beziehungsweise türkische Friedhof am heutigen Columbiadamm.

Die sterblichen Überreste Ali Aziz Efendis wurden zusammen mit anderen Bestatteten dorthin umgebettet. 

 

Wilhelm I. und Sultan Abdülaziz setzten dort ein sichtbares Zeichen

Auf dem neuen Friedhof wurde 1867 ein monumentaler Obelisk errichtet. Er entstand im Zusammenhang mit König Wilhelm I. und dem osmanischen Sultan Abdulaziz. Auf seiner Spitze befindet sich eine Mondsichel. 

Damit bekam die ursprünglich durch den Tod eines osmanischen Diplomaten ausgelöste Begräbnisstätte später den Charakter eines sichtbaren preußisch-osmanischen Erinnerungsortes.

Dies alles ist keine bloße symbolische Verbindung, sondern gibt eine konkrete personelle und räumliche Kontinuität über mehr als zwei Jahrhunderte, welche sich vom Königreich Preußen, bis ins Kaiserreich ziehen.


Furkan bin Abdullah
Potsdam den 13.03.1448 / 26.08.2026

 

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