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24.08.2026 8

ISLAMISCHE GEBÄUDE IM KÖNIGREICH PREUSSEN – FURKAN BIN ABDULLAH

ISLAMISCHE GEBÄUDE IM KÖNIGREICH PREUSSEN – FURKAN BIN ABDULLAH

ISLAMISCHE GEBÄUDE IM KÖNIGREICH PREUSSEN – FURKAN BIN ABDULLAH

Friedrich Wilhelm I. und die ersten muslimischen Soldaten

Unter Friedrichs Sohn, dem sogenannten „Soldatenkönig“ Friedrich Wilhelm I. (Regierungszeit 1713–1740), wird die Geschichte der Muslime in Preußen interessant.

Bereits im frühen 18. Jahrhundert befanden sich Menschen muslimischer Herkunft in preußischen Diensten. Besonders das Militär des Soldatenkönigs zog Menschen unterschiedlicher Herkunft an. Unter den berühmten „Langen Kerls“ dienten auch muslimische Soldaten.

Dabei ist bemerkenswert, dass diese Soldaten offenbar nicht gezwungen wurden, zum Christentum überzutreten. Eine historische Untersuchung zur muslimischen Lebenswelt in Brandenburg-Preußen weist ausdrücklich darauf hin, dass muslimische Angehörige der Garde ihren Glauben ausüben konnten. Sie bestimmten sogar einen Imam aus ihren eigenen Reihen.

 

Die Öffnung eines muslimischen Gebetsraumes im Jahr 1739 in Potsdam

In diesem Jahr kamen muslimische beziehungsweise tatarische Soldaten über den Herzog von Kurland nach Potsdam. Für diese Soldaten wurde unter Friedrich Wilhelm I. ein eigener Raum zur Ausübung ihres Glaubens zur Verfügung gestellt.

In einer historischen Formulierung ist von „freyer mahomedanischer Gottesdienst, auf einem Saale Sonntags nach der Kirchenparade“ die Rede.

Es handelte sich also nicht lediglich darum, dass einzelne muslimische Soldaten privat irgendwo beteten. Ihnen wurde vielmehr ein bestimmter Raum zur gemeinschaftlichen Religionsausübung zugestanden.

Das ist für die Geschichte des Islams in Deutschland von erheblicher Bedeutung.

Allerdings sollte man diesen Gebetsraum nicht mit einer heutigen repräsentativen Moschee verwechseln. Es gab dort nach heutigem Kenntnisstand keine Kuppel, kein Minarett und keinen freistehenden Moscheebau. Es handelte sich vielmehr um einen vorhandenen Saal, der den Muslimen als Gebetsstätte zur Verfügung gestellt wurde.

Aus islamischer Sicht kann ein solcher Raum selbstverständlich als Masjid beziehungsweise Gebetsstätte dienen. Architektur mit Kuppel und Minarett ist keine Voraussetzung dafür, dass ein Ort für das gemeinschaftliche islamische Gebet genutzt werden kann.

 

Ein Imam im Preußen des 18. Jahrhunderts

Die muslimischen Soldaten verfügten nicht nur über einen Ort zum Gebet. Die Forschung berichtet auch davon, dass sie aus ihren eigenen Reihen einen Imam bestimmten.

Damit finden wir bereits in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts innerhalb des preußischen Militärwesens wesentliche Bestandteile muslimischen Gemeinschaftslebens:

  • muslimische Soldaten,
  • die Möglichkeit zur islamischen Religionsausübung,
  • einen Imam,
  • und einen eigenen gemeinschaftlichen Gebetsraum.

Das macht Potsdam zu einem wichtigen Ort der frühen muslimischen Geschichte in Deutschland.

Dabei sollte jedoch die damalige Religionspolitik nicht romantisiert werden. Die preußische Toleranz des 18. Jahrhunderts entsprach nicht dem modernen Verständnis von Religionsfreiheit als individuellem Grundrecht. Sie war vielfach pragmatisch und von Staatsinteressen geprägt. Menschen unterschiedlicher Herkunft und Religion wurden geduldet, wenn sie dem Staat wirtschaftlich oder militärisch nützlich waren.

 

Friedrich der Große und die muslimischen Soldaten

Nach dem Tod Friedrich Wilhelms I. im Jahr 1740 bestieg sein Sohn Friedrich II., Friedrich der Große, den preußischen Thron.

Unter ihm wurde die pragmatische religiöse Toleranz weitergeführt. Bekannt ist seine Haltung, dass die verschiedenen Religionen im Staat geduldet werden sollten, solange sie den Staat und das friedliche Zusammenleben nicht beeinträchtigten. Gleichzeitig nahm unter seiner Führung die Bedeutung muslimischer Reiter in der preußischen Armee zu.

Während der Schlesischen Kriege gelangten muslimische beziehungsweise aus ost- und südosteuropäischen Zusammenhängen stammende Reiter in preußische Dienste. Unter ihnen befanden sich Tataren und sogenannte „Bosniaken“.

Diese leichten Reitereinheiten waren für Aufklärung, schnelle Angriffe und andere bewegliche militärische Aufgaben geeignet.

1762 – das Bosniakenkorps

Während des Siebenjährigen Krieges entstand ein sogenanntes Bosniakenkorps, dass zeitweise eine beträchtliche Zahl von Soldaten umfasste. Die Bezeichnung „Bosniaken“ darf dabei nicht ohne Weiteres im heutigen nationalen Sinne verstanden werden. Die damaligen militärischen Einheiten waren ethnisch und religiös wesentlich gemischter.

Unter diesen Soldaten befanden sich jedoch zahlreiche Muslime. Besonders interessant ist die Überlieferung eines muslimischen Militärgeistlichen: Leutnant, bzw. Emir Osman, der als „Prediger der preußischen Mohammedaner“ bezeichnet wird.

Damit begegnet uns erneut etwas, das häufig ausschließlich mit der jüngeren deutschen Geschichte verbunden wird: organisierte muslimische Religionsbetreuung innerhalb einer deutschen beziehungsweise preußischen staatlichen Institution.

Die Geschichte muslimischer Soldaten in Preußen war damit kein einzelnes Ereignis des Jahres 1739. Sie setzte sich unter Friedrich dem Großen fort.

 

Vom Gebetsraum zur sogenannten „Moschee“ von Potsdam

Etwa ein Jahrhundert nach dem Gebetsraum Friedrich Wilhelms I. entstand in Potsdam ein Gebäude, das bis heute häufig für eine historische Moschee gehalten wird. Dabei handelt es sich um das berühmte Dampfmaschinenhaus an der Neustädter Havelbucht.

Hier müssen zwei völlig unterschiedliche Entwicklungen auseinandergehalten werden.

1739 - Ein echter muslimischer Gebetsraum und kein Gebäude in Moscheearchitektur.

1843 - Ein Gebäude in Moscheearchitektur – aber kein muslimischer Gebetsraum.

Gerade dieser Gegensatz macht die Potsdamer Geschichte so außergewöhnlich.

 

1843 – die „Moschee“ von Potsdam

Unter König Friedrich Wilhelm IV. wurde zwischen 1841 und 1843 an der Neustädter Havelbucht ein außergewöhnliches technisches Gebäude errichtet.

Das Gebäude wurde äußerlich im Stil einer Moschee gestaltet. Besonders auffällig ist der hohe Turm, der wie ein Minarett erscheint. Doch dieser Turm hatte eine vollkommen andere Funktion. Das vermeintliche Minarett war der Schornstein der Dampfmaschine. Das gesamte Gebäude war keine Moschee, sondern ein Dampfmaschinenhaus. Die dort installierte Dampfmaschine der Firma Borsig diente dazu, Wasser für die berühmten Fontänenanlagen des Parks Sanssouci zu fördern.

Damit verband sich im Potsdam des 19. Jahrhunderts modernste Technik mit einer damals als orientalisch wahrgenommenen Architektur.

 

Orientalische Architektur als Teil der preußischen Landschaft

Das Dampfmaschinenhaus steht zugleich für eine größere kulturelle Entwicklung des 18. und 19. Jahrhunderts. Orientalische, osmanische und sogenannte „maurische“ Formen wurden in Europa zunehmend in Schlossanlagen, Gärten, Pavillons und repräsentativen Gebäuden verwendet. Kuppeln, Minarette, Hufeisenbögen, farbige Ornamente und andere als „orientalisch“ verstandene Elemente wurden Bestandteil europäischer Architektur.

Das bedeutete jedoch nicht automatisch eine religiöse Hinwendung zum Islam. Der Orient war in der europäischen Vorstellung jener Zeit mit Exotik, Ferne, Luxus und Romantik verbunden. Orientalische Architektur wurde deshalb häufig als ästhetisches Stilmittel eingesetzt.

Damit gehört Potsdam zu den wichtigen Orten, an denen sich die frühe Geschichte der Begegnung zwischen Preußen, Muslimen und der islamisch-orientalischen Welt bis heute nachvollziehen lässt.


Furkan bin Abdullah
Potsdam den 11.03.1448 / 24.08.2026

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