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09.06.2026 228

FAJR UND ISHA NACH DER MUSLIM WORLD LEAGUE – FURKAN BIN ABDULLAH

FAJR UND ISHA NACH DER MUSLIM WORLD LEAGUE – FURKAN BIN ABDULLAH

FAJR UND ISHA NACH DER MUSLIM WORLD LEAGUE – FURKAN BIN ABDULLAH

Die Muslim World League (MWL) ist eine der weltweit am häufigsten verwendeten Methoden zur Berechnung der Gebetszeiten, insbesondere in Europa, vielen Moscheen in Deutschland, Teilen Asiens und Nordamerikas. Der Hauptsitz der Muslim World League (MWL) befindet sich in Mekka, in Saudi-Arabien, wo sie 1962 gegründet wurde. 

Für die meisten Gebete werden astronomisch eindeutig bestimmbare Ereignisse verwendet:

  • Fajr (Morgengebet): Beginn der Morgendämmerung 
  • Sonnenaufgang (Schurūq): Sichtbarer Sonnenaufgang 
  • Dhuhr: Wenn die Sonne ihren höchsten Stand überschritten hat 
  • Asr: Basierend auf der Schattenlänge 
  • Maghrib: Sonnenuntergang 
  • Isha: Ende der Abenddämmerung 

Der entscheidende Unterschied zwischen den verschiedenen Berechnungsmethoden liegt fast immer bei Fajr und Isha, da diese von der Helligkeit des Himmels abhängen. 

Die MWL verwendet dabei folgende astronomische Winkel:

Gebet

Sonnenstand

Fajr

18° unter dem Horizont

Isha

17° unter dem Horizont

Das bedeutet:

  • Fajr beginnt, wenn die Sonne 18° unter dem Horizont steht. 
  • Isha beginnt, wenn die Sonne 17° unter dem Horizont steht. 

Verschiedene Organisationen verwenden dabei unterschiedliche Winkel:

Methode

Fajr

Isha

MWL

18°

17°

ISNA

15°

15°

Karachi

18°

18°

Ägyptische Behörde

19,5°

17,5°

Umm al-Qura (Mekka)

18°

feste Minuten nach Maghrib

Dadurch können sich die Gebetszeiten – besonders für Fajr und Isha – um 10 bis 30 Minuten oder sogar mehr unterscheiden. 

Für Deutschland wird die MWL-Methode häufig verwendet, weil sie als ausgewogener Ansatz für mittlere und höhere Breitengrade gilt. Viele Gebetszeit-Apps bieten MWL als Standardoption an. 

Beispiel

Wenn du in Hessen wohnst, wird die MWL-Methode:

  • Fajr etwas früher anzeigen als ISNA (15°), 
  • Isha etwas später anzeigen als Methoden mit kleineren Winkeln. 

Dadurch entsteht ein größerer Zeitraum zwischen Fajr und Sonnenaufgang bzw. zwischen Maghrib und Isha.

Die Muslim World League (MWL) begründet ihre Berechnung von Fajr und Isha mit den klassischen islamischen Beschreibungen der Dämmerung und deren astronomischer Annäherung.

Der edle Koran und die Hadithe beschreiben den Beginn von Fajr als das Erscheinen des „wahren Morgengrauens“ (al-fajr aṣ-ṣādiq). Dabei wird zwischen zwei Arten von Morgendämmerung unterschieden:

  1. Falsche Morgendämmerung (al-fajr al-kādhib): Ein vertikaler Lichtschein am Himmel, der wieder verschwindet. 
  2. Wahre Morgendämmerung (al-fajr aṣ-ṣādiq): Ein horizontales Lichtband, das sich entlang des Osthorizonts ausbreitet. Ab diesem Zeitpunkt beginnt Fajr und das Fasten. 

Klassische Gelehrte konnten natürlich keine Sonnenwinkel messen. Moderne Gebetszeitberechnungen versuchen daher, den Zeitpunkt astronomisch zu bestimmen, an dem dieses horizontale Licht normalerweise sichtbar wird.

Die MWL kam nach Auswertung astronomischer Beobachtungen und älterer Berechnungstraditionen zu dem Schluss, dass der wahre Fajr im Durchschnitt etwa dann eintritt, wenn die Sonne 18 Grad unter dem Horizont steht.

Für Isha nennen die Hadithe als Zeichen das Verschwinden der Abenddämmerung (ash-shafaq).

Hier gibt es unter den klassischen Gelehrten bereits unterschiedliche Auffassungen:

  • Viele Gelehrte verstehen darunter das Verschwinden der roten Dämmerung. 
  • Andere verstehen darunter erst das Verschwinden der weißen Dämmerung, die danach noch am Himmel bleibt. 

Die MWL wählte 17 Grad als praktikable astronomische Annäherung für das Ende der relevanten Dämmerung und damit den Beginn von Isha.

Historisch wurden viele Tabellen mit 18°/18° erstellt. Spätere Beobachtungen zeigten jedoch, dass das Ende der Abenddämmerung oft etwas früher erreicht wird als der symmetrische Wert von 18° vermuten lässt.

Daher entschied sich die MWL für:

  • Fajr = 18° 
  • Isha = 17° 

um die beobachteten Lichtverhältnisse besser abzubilden.

In den letzten Jahrzehnten haben verschiedene Forscher und islamische Institutionen, nach ihren Auffassungen, Feldbeobachtungen durchgeführt. Dabei wurde argumentiert, dass:

  • In vielen Regionen Europas der wahre Fajr näher bei 15°–16° liegt. 
  • 18° den Fajr teilweise deutlich zu früh ansetzt. 
  • Isha bei 17° teilweise später liegt als das tatsächliche Verschwinden der Dämmerung. 

Deshalb verwenden andere Organisationen andere Werte:

  • Islamic Society of North America: 15° / 15° 
  • European Council for Fatwa and Research: häufig näher an 12°–15° in Europa 
  • Presidency of Religious Affairs (DITIB): traditionell 18° / 17° 

Die MWL behauptet nicht, dass der Prophet ﷺ „18 Grad“ genannt hätte. Die Winkel sind moderne astronomische Schätzungen, um die in den Quellen beschriebenen sichtbaren Zeichen (wahre Morgendämmerung und Ende der Dämmerung) möglichst genau nachzubilden.

Deshalb ist die eigentliche religiöse Grundlage immer:

  • Fajr beginnt mit dem fajr aṣ-ṣādiq
  • Isha beginnt mit dem Verschwinden des shafaq

Die Winkel (18°, 17°, 15° usw.) sind lediglich Versuche, diese Zeichen rechnerisch abzubilden. Genau deshalb gibt es zwischen den verschiedenen islamischen Institutionen unterschiedliche Berechnungsmethoden.

Wir als Plattform von „Im Auftrag des Islam“ haben uns nach bestem Wissen und Gewissen, für die Berechnungsmethode der Muslim World League (MWL) entschieden. Diese Entscheidung erfolgte nicht aufgrund von Fanatismus gegenüber einer bestimmten Institution, sondern nach jahrelanger Beobachtung, Prüfung der vorhandenen Auffassungen und dem Bemühen, eine praktikable und nachvollziehbare Grundlage für unser gemeinsames Handeln zu finden.

Uns ist bewusst, dass es unter verschiedenen islamischen Institutionen unterschiedliche Berechnungsmethoden gibt und dass jede Seite ihre Argumente vorbringt. Dennoch ist es für eine Gemeinschaft der Muwahhidūn nicht möglich, dauerhaft Einheit zu bewahren, wenn jede Person oder jede kleine Gruppe einer anderen Berechnung folgt. Die fortwährende Beschäftigung mit immer neuen Meinungen und Gegenmeinungen führt häufig zu endlosen Diskussionen, welche die Muslime von wichtigeren Angelegenheiten ihrer Religion abhalten.

Aus diesem Grund halten wir an der MWL-Methode fest und betrachten sie nach unseren langjährigen Beobachtungen als die passendste Grundlage für unsere gemeinsame Praxis. Dies bedeutet nicht, dass wir andere Muslime verurteilen, die einer anderen anerkannten Berechnungsmethode folgen. Vielmehr geht es darum, innerhalb unserer Gemeinschaft eine einheitliche Vorgehensweise zu bewahren.

Die Einheit in praktischen Angelegenheiten gehört zu den wichtigen Zielen im Islam. Wenn jede neue Meinung oder jede neue Berechnung unmittelbar übernommen wird, entstehen fortlaufend Uneinigkeiten, Streit und Verwirrungen. Dadurch erhalten die dämonischen und menschlichen Satane Gelegenheit, Zwietracht zu säen und die Gläubigen von den wesentlichen Themen des Islams abzulenken. Daher empfehlen wir, an dieser bewussten Entscheidung festzuhalten. Auf diese Weise bleiben Einheit, Ordnung und Konzentration auf die wichtigen Angelegenheiten der Religion gewahrt.

Furkan bin Abdullah

 

 

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