SICH DEN WISSENDEN UNTERWERFEN

28-08-2023

At-Taslimu li Ahli’l Ma’rifa (Sich den Wissenden unterwerfen)

Der einfache Bürger muss daran glauben, dass die wahre Be- deutung und die Geheimnisse dieser Mutaschabih-Begriffe, die ihm verborgen sind, dem Gesandten Allahs (saws), Abu Bakr as- Siddiq, den großen unter den Sahaba, den Awliya und den Ge- lehrten, die sich im Wissen vertieft haben, nicht verborgen sind. Der Grund dafür, dass dieses Wissen ihm verborgen ist, ist seine Unfähigkeit und sein nicht ausreichendes Wissen. Deshalb darf er sich nicht mit anderen vergleichen, genauso wie Engel nicht mit Eisenschmieden verglichen werden können. Nur weil in der Tru- he einer bedürftigen alten Frau nichts zu finden ist, gilt das nicht auch für die Schatzkammern von Königen.

Allah (swt) hat die Menschen unterschiedlich erschaffen, ge- nauso wie Er Gold, Silber und andere Edelmetalle unterschied- lich erschaffen hat. Siehst du denn nicht, dass sie sich in Form, Farbe, Eigenschaft und Wert unterscheiden, obwohl sie alle Edel-metalle sind? Das Herz ist ebenfalls vergleichbar mit Metallen, die kostbar und edel oder wertlos und unedel sein können. So un- terscheiden sich die edlen Herzen, die sich mit Prophetenschaft, Walaya, dem Wissen und der Kenntnis über Allah (swt) beschäf- tigen hinsichtlich ihrer Eigenschaften und ihres Werts von ande- ren, die von tierischen Gelüsten und teuflischem Charakter durchzogen sind.

Du siehst auch, wie unterschiedlich die Menschen hinsichtlich ihrer Fähigkeit in ihrem Beruf und ihrer Kunst sind. Jemand stellt mit Geschicklichkeit und Meisterhaftigkeit etwas her, das ein an- derer ihm niemals gleichtun könnte, selbst wenn er sein Leben damit verbringen würde, es zu erlernen. Er könnte nicht einmal das umsetzen, was jener zu Beginn seiner Ausbildung hergestellt hat, geschweige denn als Meister. So verhält es sich auch mit der Kenntnis über Allah (swt).

Auch unterscheiden sich die Menschen was Ängstlichkeit und Unfähigkeit betrifft. Manche können sich nicht einmal die auftür- menden und ans Ufer schlagenden Wellen anschauen, obwohl sie selbst nur am Strand stehen. Manche haben keine Angst, sich das anzusehen und haben den Mut, sich soweit ins Wasser zu bege- ben, solange sie noch einen festen Stand haben, sind dann aber aufgrund ihrer Unfähigkeit nicht in der Lage, zu schwimmen. Manche sind zu all dem fähig, verlieren jedoch aus Angst das Ver- trauen in ihre Schwimmfähigkeit und können deshalb ihre Füße nicht vom Boden heben. Manche sind dazu fähig, in der Nähe des Ufers zu schwimmen, aber nicht in den Bereichen, wo das Wasser unruhig und gefährlich ist. Manche besitzen die Fähigkeit, in die- sen Bereichen zu schwimmen, jedoch nicht die Fähigkeit, in die Tiefe des Meeres einzutauchen, in der sich Edelsteine befinden. So verhält es sich auch mit dem Meer des Ma‘rifatullah und dem unterschiedlichen Zustand der Menschen in diesem Meer und das gleiche gilt auch für andere Themengebiete.

Wird folgendes gesagt:

»Die ‘Arifun (jene, die Allah sehr gut kennen) haben die Voll- kommenheit der Kenntnis über Allah (swt) erreicht, sodass ih- nen nichts davon verborgen bleibt.« antwortet man darauf wie folgt:

Welch törichtes Verständnis! Dies zu erreichen ist unmöglich. Denn wie wir in dem Buch »Al-Maqsadil asna fii ma‘ani Asma’il- lahi‘l Husna« mit eindeutigen Beweisen darlegten, gibt es kein Wesen, das Allah (swt) vollkommen kennt, außer Allah (swt) selbst. Wie umfangreich die Kenntnis der Geschöpfe über Allah (swt) auch sein mag und wie sehr ihr Wissen auch zunimmt, wenn es mit dem Wissen Allahs verglichen wird, steht eindeutig fest, dass ihnen davon nur sehr wenig gegeben wurde.

Es ist notwendig zu wissen, dass Hadratu‘l Ilahiyya alles um- fasst, was existiert, denn es existieren nur Allah (swt) und Seine Taten (was Er erschafft). Alles gehört zum Hadratu‘l Ilahiyya. Stellen wir uns folgendes vor: Die Kommandanten, Soldaten und selbst die Wächter aller Provinzen einer Militärzone folgen dem Hadratu‘s Sultaniyya. Du kannst Hadratu‘l Ilahiyya nur anhand des Beispiels der Hadratu‘s Sultaniyya verstehen. Wisse, dass al- les, was existiert, zum Hadratu‘l Ilahiyya gehört.

Ein Sultan besitzt in seinem Land eigens für sich einen Palast mit einem großen Saal für den Empfang von Gästen. Außerhalb dieses großen Saals gibt es einen Bereich, an dem sich das Volk des Sultans versammelt. Ihnen wird nicht gestattet, den für sie be- stimmten Bereich zu verlassen und sich dem Saal zu nähern, ge- schweige denn diesen zu betreten. Dann wird einigen ausgewähten Leuten erlaubt, diesen Bereich zu verlassen, den Saal zu betre- ten und entsprechend ihrer Nähe zum Sultan im Saal Platz zu nehmen. In diesem Palast, der eigens dem Sultan gehört und in den dortigen Saal, der nicht von jedem betreten werden darf, mö- gen vielleicht nur Wesire eintreten können. Der Sultan erzählt dem Wesir dann ausgewählte Geheimnisse, die seinen Herr- schaftsbereich betreffen, behält hierbei jedoch auch Geheimnisse für sich, die er niemandem erzählt. Mit diesem Beispiel sollst du den Grad der Nähe und der Ferne eines Menschen zum Hadra- tu‘l Ilahiyya verstehen.

Der einfache Bürger hat sich in dem Bereich vor der Tür des Saals aufzuhalten und darf den Saal selbst nicht betreten. Ver- sucht er dies dennoch, so verdient er Tadel und Bestrafung. Die ‘Arifun dürfen diesen Bereich passieren und sich entsprechend ihrer Nähe oder ihrer Ferne zum Hadratu‘l Ilahiyya frei im Saal bewegen. Doch obwohl sie diesen Bereich verlassen und den Saal betreten dürfen, der dem einfachen Bürger untersagt ist, gibt es auch zwischen ihnen Niveauunterschiede. Dann gibt es noch in- mitten dieses Saals den »Haziratu‘l Quds«. Dieser ist so erhaben, dass selbst die ‘Arifun ihn nicht betreten und so hoch, dass die Blicke ihn nicht erreichen können. Wer auch immer versucht, diese erhabene Stufe anzuschauen, schließt sofort erschrocken und verwundert seine Augen und wendet seinen Blick enttäuscht woanders hin.

Dies sind die sieben Aufgaben, die der einfache Bürger im Zu- sammenhang mit den Mutaschabih-Nachrichten, über die du fragtest, erfüllen muss. Auch wenn er keine detaillierte Kenntnis über sie besitzt, muss er dennoch allgemein an sie glauben. Diese sieben Aufgaben sind der Weg der Salafi Salihin und nun erkläre ich dir die Beweise dafür, dass dieser Weg der richtige ist.

 

(Der Glaube der Salafi Salihin)


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