LEBT BEREITS DER DAJJAL ? IST IBN SAYYAD DER DAJJAL ?

16-08-2020

Lebt Dajjal? 

Ist der Dajjal schon am Leben? Oder lebte er zur Zeit des Propheten (صلى الله عليه و سلم)? Um diese Fragen beantworten zu können, muss der Zustand bzw. das Leben von Ibn Sayyad betrachtet werden und die Frage gestellt werden, ob er Dajjal ist oder nicht.

Angenommen er war Dajjal, dann lebte er noch bevor seine Fitna erschien?! Um diese Frage auch genauer zu analysieren, schauen wir uns zunächst einmal das Leben von Ibn Sayyd an;

 

Wer war Ibn Sayyad?

Sein eigentlicher Name lautet Safi, jedoch wurde er auch als „Abdullah, Ibn Sayyad oder Said“ gerufen.[1] Er gehörte zu den Juden Medinas. Berichten zufolge, gehörte er zu den Ansar und war jung, als der Prophet (صلى الله عليه و سلم) nach Medina auswanderte. 

Ibn Kathir erwähnt, dass Ibn Sayyad Muslim wurde und sein Sohn, namens Umara zu den großen Tabi’in gehörte, von dem Imam Malik und andere überlieferten.[2]

Thahabi schreibt über ihn: „Abdullah Ibn Sayyad erwähnte ihn als Ibn Schahin und sagte: „Er ist Ibn Sa’id. Sein Vater war ein Jude und Abdullah wurde einäugig, beschnitten geboren. Über ihn wurde gesagt, er sei der Dajjal. Er nahm den Islam an und ist ein Tabi’in, der den Propheten (صلى الله عليه و سلم) gesehen hatte.“[3]

Hafith Ibn Hadschar erwähnt was Thababi über ihn verfasste, und fügt hinzu: „Und zu seinen Kindern zählt Umara Ibn Abdullah Ibn Sayyad, der zu den besten Muslimen gehörte, zu den Gefährten von Sa’id Ibn al-Musayyib. Malik und andere haben von ihm überliefert.“

Dann erwähnte er einige Überlieferungen die von Ibn Sayyad handeln und sagt: „Es macht im Allgemeinen keinen Sinn, Ibn Sayyad zu den Gefährten des Propheten zu zählen. Denn wäre er der Dajjal, dann ist er gewiss kein Gefährte, weil er ungläubig stirbt. Und wenn er es nicht ist, so war er es, als er den Propheten als ein Nichtmuslim traf.“[4]

Wenn er danach Muslim wurde, ist er ein Tabi’in, der den Propheten (صلى الله عليه و سلم) gesehen hat, gemäß Thabai.

Ibn Hadschar schreibt über Umara Ibn Sayyad und sagte: „Umara Ibn Abdullah Ibn Sayyad al-Ansari Abu Ayyub al-Madani berichtete von Dschabir Ibn Abdullah, Sa’id Ibn al-Musayyib und Ata’ Ibn Yasar. Von ihm berichtet haben adh-Dhahhak Ibn Uthman al-Chuzami, Malik Ibn Anas und weitere. Ibn Ma’in und an-Nasa’i sagten über ihn, dass er zuverlässig ist. Abu Hatim sagte, dass er ein authentischer und zuverlässiger Hadith-Überlieferer sei. Ibn Sa’d sagte: „Er war zuverlässig und hatte wenige Hadise.“ Malik pflegte ihm keinen Vorzug einzuräumen und so pflegte er zu sagen: „Wir sind Benu Aschihab Ibn an-Nadschar.“ Jedoch schwor der Stamm von Benu an-Nadschar, dass sie nicht zu ihnen gehören. Und heute sind sie Verbündete des Stamms von Benu Malik Ibn Nadschar, jedoch weiß niemand, wer sie wirklich sind.“[5]

 

Der Prophet (صلى الله عليه و سلم) begutachtet Ibn Sayyad 

Ibn Sayyad war ein Wahrsager und sagte Dinge voraus, die manchmal stimmten und manchmal nicht. Es verbreitete sich die Nachricht, dass er Dajjal sei. Daraufhin wollte sich der Gesandte Allahs (صلى الله عليه و سلم)Gewissheit verschaffen und mehr über ihn erfahren. Er schlich sich unbemerkt an ihn heran, um zu hören, was er sagt und richtete einige Fragen an ihn, um die Wahrheit über ihn zu erfahren.

Ibn Umar (Rh.a) berichtet in einem Hadis, wie er mit dem Propheten (صلى الله عليه و سلم) in einer Gruppe zu Ibn Sayyad gingen:

„Sie fanden ihn mit den Kindern bei Utulm Ibn Maghala spielen. Ibn Sayyad war zu der Zeit im Pubertätsalter. Er spürte sie erst kommen, als der Prophet (صلى الله عليه و سلم) mit seiner Hand schlug. Dann sagte er zu Ibn Sayyad: „Bezeugst du, dass ich der Gesandte Allahs bin?“ Ibn Sayyad schaute ihn an und sagte: „Ich bezeuge, dass du der Gesandte der Analphabeten bist.“ Der Prophet fragte: „Bezeugst du, dass ich der Gesandte Allahs bin?“ Er weigerte sich und sagte: „Ich glaube an Allah und seine Gesandten.“ Der Prophet sagte: „Was siehst du?“ Er antwortete: „Zu mir kommt Wahres und Falsches.“ Da sagte der Prophet: „Du hast Unklarheit über die Angelegenheit. Ich habe dir etwas versteckt.“ Ibn Sayyad gab zur Antwort: „Es ist ad-Duch.“[6] Der Prophet sagte: „Schweig, denn du wirst deinen Wert nicht überschreiten.“ Dann sagte Umar: „O Prophet, lass mich ihm den Kopfabschlagen.“ Der Prophet sagte: „Wenn er es ist, dann hast du keine Macht ihn zu töten und wenn er es nicht ist, dann hast du nichts Gutes davon, ihn zu töten.“ (Sahih Buchari 3/318)

In einer anderen Überlieferung fragt ihn der Prophet (صلى الله عليه و سلم):

„Was siehst du?“ Er sagte: „Ich sehe einen Thron auf dem Wasser.“ Da sagte der Prophet: „Du siehst den Thron von Iblis auf dem Meer. Und was siehst du?“ Er sagte: „Ich sehe zwei Ehrliche und einen Lügner, oder zwei Lügner und einen Ehrlichen.“ Da sagte der Prophet: „Die Angelegenheit ist bei ihm verworren, lasst ihn in Ruhe.“ (Sahih Muslim 18/49-50) 

Ibn Umar (Rh.a) berichtet: 

„Danach gingen der Prophet (صلى الله عليه و سلم) und Abu Kaa’b zu den Palmen, bei denen sich Ibn Sayyad aufhielt und er versuchte etwas von Ibn Sayyad zu hören, bevor er ihn sah. So sah ihn der Prophet liegend etwas vor sich hin murmeln. Seine Mutter sagte zu ihm, während sie sah wie der Propheten langsam durch die Palmen ging: „O Saaß (Name von Ibn Sayyad) hier ist Muhammad.“ Ibn Sayyad wurde wütend. Da sagte der Prophet: „Hätte sie ihn sprechen lassen, dann wäre seine Angelegenheit sichtbar geworden.“ (Sahih Buchari 3/318)

Abu Zar (Rh.a) berichtet:

„Der Prophet (صلى الله عليه و سلم) schickte mich mit folgender Frage zu seiner Mutter: „Frag sie, wie lange sie mit ihm schwanger war.“ Ich ging zu ihr und fragte sie. Sie antwortete: „Ich war zwölf Monate mit ihm schwanger.“ Dann schickte er mich noch einmal zu ihr mit der Frage: „Frag sie nach seinem Schrei, als er geboren wurde.“ Ich ging wieder zu ihr und fragte sie und sie sagte: „Er schrie wie ein Baby, das bereits einen Monat alt ist.“ Dann sagte der Prophet zu ihm: „Ich habe dir etwas versteckt.“ Er antwortete: „Du hast mir die Nase (Vordergesicht) einer Ziege und ad-Duch versteckt.“ Der Prophet sagte: „Er wollte ad-Duchan sagen, aber er konnte nicht, deshalb sagte er „ad-Duch, ad-Duch.“ (Musnad Ahmad 5/148)

Durch das Wort „Dchan“ stellte ihn der Propheten (صلى الله عليه و سلم) auf die Probe um die Wahrheit herausfinden. Mit „Duchan“ ist der edle Vers im Koran gemeint: 

فَارْتَقِبْ يَوْمَ تَأْتِي السَّمَاءُ بِدُخَانٍ مُّبِينٍ ﴿١٠﴾

„So erwarte den Tag, an dem der Himmel deutlichen Rauch hervorbringt.“ (Der edle Koran 44:10)

So heißt es in der Überlieferung von Ibn Umar (Rh.a): 

„Ich habe dir etwas versteckt.“ Er versteckte: „Den Tag, an dem der Himmel deutlichen Rauch hervor bringt. (Koran 44:10).“ (Musnad Ahmad 9/139)

Ibn Kathir sagte: 

„Ibn Sayyad sieht Dinge durch die Dschirm, wie es die Art der Wahrsager ist und sagte es in der Sprache der Dschinn. Sie schneiden Begriffe ab und deshalb sagte er „ad-Duch“, sprich „ad-Duchan“. Somit wusste der Prophet (صلى الله عليه و سلم) seine Quelle, dass sie teuflisch ist und sagte: „Schweig, denn du wirst nicht deinen Wert überschreiten.“[7]

 

Sein Tod

Dschabir berichtet: „Wir verloren Ibn Sayyad am Tag der Harra/Hurra.“[8]

Diese Überlieferung korrigierte Ibn Hadschar und stufte die Aussage für schwach ein. Sie besagt nämlich, dass er in Medina gestorben ist und dass sie sein Gesicht gesehen und für ihn das Totengebet verrichtet haben.[9]

 

Ist Ibn Sayyad der große Dajjal? 

Wie aus den erwähnten Berichten hervorgeht, hatte der Prophet (صلى الله عليه و سلم) keine Gewissheit ob Ibn Sayyad Dajjal war oder nicht, weil er diesbezüglich keine Offenbarung erhielt. Ibn Umar (Rh.a) schwor in Anwesenheit des Propheten (صلى الله عليه و سلم), dass Ibn Sayyad der Dajjal ist und der Prophet bestritt es nicht. Aus authentischen Hadisen ist zu sehen, dass auch einige weitere Gefährten derselben Meinung wie Ibn Umar waren und schworen, dass Ibn Sayyad der Dajjal ist.

Muhammad Ibn al-Munkadir überliefert:

„Ich sah Dschabir Ibn Abdullah bei Allah schwören, dass Ibn Sayyad der Dajjal ist. Ich fragte: „Schwörst du bei Allah?“ Er sagte: „Ich hörte Umar in Anwesenheit des Propheten darauf schwören und der Prophet (صلى الله عليه و سلم) dementierte es nicht.“ (Sahih Buchari 13/223) 

Nafi‘ berichtete:

„Ibn Umar sagte: „Bei Allah, ich zweifele nicht daran, dass Ibn Sayyad der Musik ad-Dajjal ist.“ (Sunan Abu Dawud 11/483)

 

 

Zaid Ibn Wahb berichtete:

„Abu Zar sagte: „Zehnmal zu schwören, dass Ibn Sayyad der Masih ad-Dajjal ist, ist mir lieber als einmal zu schwören, dass er es nicht ist.“ (Überliefert von Imam Ahmad, 9.0. -S. 268 original Buch)

Nafi’ berichtete:

„Ibn Umar traf Ibn Sayyad auf einem der Wege Madinas. Er sagte ihm etwas, was ihn verärgerte. Da blähte sich Ibn Sayyad so sehr auf, dass er den gesamten Weg besetzte. So ging Ibn Umar zu Hafsa und erzählte ihr, was geschehen war. Sie sagte: „Möge Allah Sich deiner erbarmen! Was wolltest du von Ibn Sayyad? Wusstest du nicht, dass der Prophet (صلى الله عليه و سلم) sagte, er erscheine durch einen Wutausbruch!?“ (Sahih Muslim 18/57)

Ibn Nafi berichtet: 

„Ibn Umar sagte: „Ich traf ihn zwei Mal, da fragte ich einige von ihnen: Sagt ihr, dass er es ist?“ Er sagte: „Nein, bei Allah.“ Ich sagte: „Du hast mir nicht die Wahrheit gesagt. Bei Allah, es haben mir einige von euch erzählt, dass er nicht sterben wird, bis er am meisten Geld und am meisten Kinder hat. Und so ist es heute, wie sie behaupten, um ihn bestellt.“ Wir sprachen, dann ging ich. Dann traf ich ihn noch einmal. Sein Auge war verschwunden. Ich fragte ihn: „Wann ist das mit deinem Auge passiert?“ Er sagte: „Ich weiß es nicht.“ Ich sagte: „Du weißt es nicht und es ist in deinem Gesicht.“ Er sagte: „Wenn Allah will, dann erschafft er es in deinem Stock da.“ Er schnaubte wie das lauteste Schnauben eines Esels. Einige meiner Gefährten behaupteten, dass ich ihn mit einem Stock, den ich bei mir hatte, geschlagen habe bis er kaputt ging. Ich aber weiß nichts davon, bei Allah. Er ging zu der Mutter der G^                                                                                                        läubigen und erzählte ihr, was geschah. Sie fragte: „Was willst du von ihm? Wusstest du nicht, dass der Prophet sagte, er würde erstmals durch einen Wutausbruch auftauchen?“ (Sahih Muslim 18/57-58)

Ibn Sayyad hörte, was die Menschen über ihn sagten und er litt sehr darunter. Er verteidigte sich, dass er nicht der Masih ad-Dajjal ist und argumentierte damit, dass die vom Propheten (صلى الله عليه و سلم) beschriebene Beschreibung nicht zu ihm passt. Abu Sa’id al-Chudri berichtet:

„Wir gingen zur Pilgerfahrt oder Umra und mit uns war Ibn Sayyad. Wir machten Rast und alle verteilten sich und ich blieb mit ihm alleine. Ich bekam eine große Angst vor dem, was die Menschen über ihn sagten. Er brachte seinen Reiseproviant und stellte es neben meinen. Ich sagte; Es ist sehr heiß, wenn du es doch unter den Baum dahinten stellen würdest. So tat er es auch. Es tauchten Schafe auf; er lief los und holte zu trinken und sagte zu mir: „Abu Sa’id, trink!“ Ich sagte; Es ist sehr heiß und die Milch ist heiß. Dabei wollte ich einfach nichts von seiner Hand trinken (oder nehmen). Er sagte: „O Abu Sa´id ‚ich war kurz davor ein Seil zu nehmen, an einem Baum zu befestigen um mich zu erhängen wegen dem, was die Menschen über mich sagen. O Abu Sa´id, wem ist denn der Hadis des Propheten (صلى الله عليه و سلم) verborgen geblieben? Er ist euch Ansar nicht unbekannt. Gehörst du nicht zu denen mit dem meisten Wissen über die Hadise des Propheten? Hat der Prophet (صلى الله عليه و سلم) nicht gesagt, er sei ein Glaubensverweigerer? Ich bin ein Muslim. Hat er nicht gesagt, er sei impotent und kann keine Kinder zeugen? Ich habe meine Kinder in Medina gelassen. Hat er nicht gesagt, er betrete weder Mekka noch Medina? Ich bin aus Medina gekommen und bin auf dem Weg nach Mekka.“ Abu Sa’id al-Chudri sagte: „Ich habe ihn beinahe bemitleidet.“ Dann sagte er: „Bei Allah, ich kenne ihn und weiß, wo er geboren wurde und wo er sich jetzt befindet.“ Ich sagte: „Verdammt seist du für den Rest des Tages.“ (Sahih Muslim 18/51-52) 

Ibn Sayyad sagte in einer anderen Überlieferung:

„Bei Allah, ich weiß, wo er sich jetzt befindet, wer sein Vater und wer seine Mutter ist.“ Er wurde gefragt: „Würde es dich freuen, wenn du er wärst?“ Da sagte er: „Würde es mir angeboten werden, wäre ich nicht abgeneigt.“ (Sahih Muslim 18/51)

Es gibt zahlreiche Überlieferungen bezüglich Ibn Sayyad, die hier nicht alle erwähnt werden können. Einige Gelehrte wie beispielsweise Ibn Kathir, Ibn Hadschar lehnen diese aufgrund der schwachen Überlieferungskette ab,[10] d.h. die Gelehrten sind sich über die Angelegenheit Ibn Sayyads nicht sicher bzw. einig. Einige vertreten die Meinung, dass er der Dajjal ist und stützen sich dabei auf die Meinung einiger Gefährten und dem Ereignis von Ibn Umar und Ibn Sa’id. Andere wiederum sind der Meinung, dass Ibn Sayyad nicht der Dajjal ist, wobei sie sich auf die Überlieferung von Tamim ad-Dari stützen. Bevor wir auf die Aussagen der Gelehrten eingehen, schauen wir uns erst einmal den Hadis in voller Länge an, welcher von Imam Muslim berichtet wird. Die Überlieferungskette geht auf Amir Ibn Scharahil asch-Schaabi Schaab Hamdan, dass er Fatima bint Qais, die Schwester von ad-Dhahhak Ibn Qais, die zu den ersten Muhadschirun (Auswanderern) gehörte, bat:

„Erzähle mir einen Hadis, den du vom Propheten (صلى الله عليه و سلم) gehört, aber nur von ihm gehört hast.“ Sie sagte: „Wenn du willst, erzähl ich ihn dir.“ Er sagte: „Ja, bitte erzähle mir.“ Sie erzählte die Geschichte, wie sie ihren Mann verlor und anschließend ihre Frist bei Ibn Umm Maktum verbrachte. Dann sagte sie: „Als meine Frist vorüber war, hörte ich den Rufer des Propheten rufen: „Das Gebet, versammelt euch.“ Ich ging hinaus in die Moschee und betete mit dem Propheten. Ich war in der Frauenreihe, die direkt nach der Reihe der Männer war. Als er (صلى الله عليه و سلم) das Gebet beendet hatte, setzte er sich auf die Kanzel, lächelte und sagte: „Jeder bleibt an seiner Gebetsstelle.“ Dann fragte er: „Wisst ihr, weshalb ich euch versammelt habe?“ Sie sagten: „Allah und Sein Prophet wissen es besser.“ Er sagte: „Bei Allah, ich habe euch nicht einer Mahnung oder Begehrens wegen versammelt. Vielmehr versammelte ich euch, weil Tamim ad-Dari, der ein Christ war, kam und mir huldigte, um Muslim zu werden. Er erzählte mir eine Geschichte, die dem entspricht, was ich euch über ad-Dajjal berichtet habe. Tamim ad-Dari war mit anderen auf See und sein Schiff wurde viele Tage in die Irre getrieben, bis sie mit den kleinen Booten auf einer Insel gelandet sind. Dort trafen sie auf ein Tier, das so viele Haare hatte, dass sie nicht wussten, wo vorne und wo hinten ist. Sie fragten es: "Wer bist du?" Das Tier antwortete: "Ich bin al-Dschassasa." Sie fragten: "Und was ist al-Dschassasa?" Es sagte: "Kommt, geht zu diesem Mann ins Kloster. Er wartet sehr gespannt auf euch." Als es uns einen Mann nannte, fürchteten wir, dass es ein Teufel sei. Er sagte: "Wir gingen schnell los, bis wir das Kloster betraten. Dort fanden wir einen riesenhaften Menschen vor, mit enorm großen Ausmaßen, wie wir sie vorher noch niemals gesehen hatten. Wir fanden ihn mit den größten Fesseln, gefesselt an Hals und Füßen. Wir fragten Ihn: Wer bist du?" Er antwortete: "Ihr könnt immer wissen, wer ich bin, weil ich hier gefesselt bin, aber ihr könntet fortgehen, ohne mir zu sagen, wer ihr seid. Darum sagt mir zuerst, wer ihr seid." Sie sagten: "Wir kommen aus Arabien, waren auf dem Schiff. Die Wellen überschlugen sich einen Monat lang und wir landeten auf deiner Insel. Wir setzten uns in die Boote und gelangten auf die Insel. Dort trafen wir auf ein Wesen, das so viele Haare hatte, dass wir nicht wussten, wo vorne und hinten ist. Wir fragten es; Wer bist du? Es sagte; Ich bin al-Dschassasa. Wir fragten; Was ist al-Dschassasa? Das Wesen sagte; Geht zu dem Mann im Kloster, denn er wartet sehr gespannt auf euch. Wir gingen los und beeilten uns, weil wir dieses Wesen fürchteten und Angst hatten, dass es ein Teufel ist." Er sagte: "Erzählt mir von den Palmen von Baisan (ein Ort zwischen Jordanien und Palästina)!" Wir fragten: "Was möchtest du darüber wissen?" Er sagte: "Ich frage euch nach ihren Palmen. Tragen sie noch Datteln?" Wir sagten: "Ja." Er sagte: "Sie werden bald keine Datteln mehr tragen. Erzählt mir von dem See von Tabaria!" Wir fragten: "Was möchtest du darüber wissen?Er fragte: "Führt er Wasser?" Wir sagten: "Da ist sehr viel Wasser." Er sagte: "Es wird bald dort kein Wasser mehr geben." Er sagte: "Erzählt mir von der Quelle von Zahgar." Sie fragten: "Was möchtest du darüber wissen?" Er sagte: "Gibt es in der Quelle noch Wasser? Bewässern die Menschen mit dem Wasser?" Wir sagten zu ihm: "Ja, sie hat sehr viel Wasser und die Menschen dort bewässern damit." Er sagte: "Erzählt mir vom Propheten der Analphabeten, was hat er gemacht?Sie sagten: "Er verließ Mekka und wanderte nach Yathrib (Medina) aus." Er fragte: "Haben ihn die Araber bekämpft?" Wir sagten: "Ja." Er sagte: "Was hat er mit ihnen gemacht?" Wir berichteten ihm, dass er sie besiegt hat und sie ihm gehorchten. Er fragte sie: "Ist das passiert?" Wir sagten: "Ja." Er sagte: "Es ist besser für sie, ihm zu gehorchen. Und ich werde euch über mich berichten. Ich bin al-Masih und mir wird bald erlaubt hinauszugehen. Dann gehe ich hinaus und umrunde die Erde, sodass ich jedes Dorf betrete, außer Mekka und Taiba (Medina) und das in vierzig Nächten. Sie beide sind mir verboten. Immer wenn ich eine von beiden Städten betreten möchte, entgegnet mir ein Engel mit einem Schwert in seiner Hand, der mich zurückhält. Auf jedem Weg steht ein Engel, der sie beschützt."

Sie sagte: „Der Prophet (صلى الله عليه و سلم) schlug mit seinem Stock auf den Minbar (Kanzel). Das ist Taiba, das ist Taiba (Medina). Habe ich euch nicht vorher davon berichtet?“ Die Menschen sagten: „Ja, doch!“ Der Prophet sagte weiter: „Ich fand es gut, dass Tamim ad-Dari dasselbe erzählt hat, genau wie das, was ich euch schon vorher erzählt hatte über Medina und Mekka. Er ist im Meer von Schaam, oder im Meer vom Jemen. Nein, aus dem Osten ist er. Vom Osten ist er, vom Osten ist er - wobei er mit seiner Hand zum Osten zeigte -.“ Sie sagte: „Dies habe ich vom Propheten (صلى الله عليه و سلم) auswendig gelernt.“ (Sahih Muslim 18/78-83)

 

Ibn Hadschar sagte: „Bei Vielen erweckte es den Eindruck, dass dieser Hadis, den Fatima bint Qais berichtete „gharib fard“ (nur von ihr überliefert) ist, was aber nicht der Fall ist, auch Abu Huraira, Aischa und Dschabir berichten es nämlich.“[11]

 

Was sagen die Gelehrten über Ibn Sayyad?

Abu Abdullah al-Qurtubi sagt:

„Richtig ist gemäß dem, was bereits erwähnt worden ist, dass Ibn Sayyad der Dajjal ist. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass er zu der Zeit auf der besagten Insel ist und unter den Gefährten zu einer anderen.“[12]

An-Nawawi sagt:

„Die Gelehrten sagen: „Seine Geschichte ist ein Problem und seine Angelegenheit ist schleierhaft dahingehend, ob er der berühmte ad-Dajjal ist oder nicht. Zweifellos ist er aber einer der Dajjals (Wahrsager, Schwindler). Aus dem Hadis des Propheten (صلى الله عليه و سلم) ist zu verstehen, dass ihm nicht offenbart wurde, ob Ibn Sayyad al-Masih ad-Dajjal ist oder nicht. Jedoch wurden ihm seine Eigenschaften und Beschreibung offenbart und Ibn Sayyad hatte einige Gemeinsamkeiten mit ihm. Deshalb hat der Prophet (صلى الله عليه و سلم) nicht gewiss sagen können, ob er nun der Dajjal ist oder nicht. Darum sagte er zu Umar (Rh.a): „Wenn er es ist, dann wirst du ihn nicht töten können.“

Ibn Sayyads Argumentation, dass er Muslim sei und der Dajjal nicht, dass ihm Kinder geboren werden und dem Dajjal nicht, dass er Mekka und Medina betreten kann und der Dajjal nicht, sind keine Argumente, denn der Prophet nannte seine Eigenschaften bei Erscheinen des Dajjals, sprich zur Zeit seiner Versuchung. Zum Zweifel an seiner Geschichte und dass er einer der Dajjals ist, gehört der Ausspruch des Propheten (صلى الله عليه و سلم): „Bezeugst du, dass ich der Gesandte Allahs bin?“, dass er sagte, dass ihm ein Ehrlicher und ein Lügner erschienen, einen Thron auf dem Meer sehe, nicht abgeneigt sei der Dajjal zu sein, seinen Aufenthaltsort kenne und dass er sagte: „Ich kenne ihn, seinen Geburtsort, wo er sich jetzt aufhält und sein Aufblähen, bis er den gesamten Weg besetzt.“

Dass er sich zum Islam bekannte, seine Pilgerfahrt verrichtete, an Kämpfen teilnahm und dass er von den Dingen abließ, die er früher zu tun pflegte, so sind diese noch kein Beweis dafür, dass er nicht der Dajjal ist.[13]

Aus den Worten von an-Nawawi ist zu verstehen, dass er es für wahrscheinlicher hält, dass Ibn Sayyad ad-Dajjal ist.

Asch-Schawkani sagt:

„Die Menschen stritten sehr heftig darüber, ob Ibn Sayyad der Dajjal ist oder nicht, sodass alles über ihn gesagt und jede Meinung über ihn gemacht wurde. Und der Hadis des Propheten (صلى الله عليه و سلم) zeigt, dass er Zweifel darüber hatte, ob er der Dajjal war oder nicht.“ 

Auf diesen Zweifel wurde wie folgt geantwortet: 

1. Der Gesandte Allahs (صلى الله عليه و سلم) hatte Zweifel darüber, bevor ihm offenbart wurde, ob er der Dajjal ist oder nicht und als ihm darüber offenbart wurde, hat er nicht dementiert, als Ibn Umar (Rh.a) schwur. 

2. Die Araber sprechen manchmal in Form von Zweifeln über eine Sache, auch wenn Zweifel nicht gemeint ist. 

Was auch dafür spricht, dass er der Dajjal ist, ist der Hadis, den Abd Ar-Razzaq mit einer authentischen Überlieferungskette von Ibn Umar überliefert. Er sagt: 

„Ich traf Ibn Sayyad eines Tages und mit ihm war ein Jude. Sein Auge war ausgemacht und trat wie das eines Esels heraus. Als ich es sah, fragte ich: „Sag mir, bei Allah, seit wann ist dein Auge ausgelöscht?“ Er sagte: „Beim Barmherzigen. Ich weiß es nicht!“ Ich sagte: „Du lügst und dein Auge ist in deinem Kopf!“ Er strich darüber und schnaubte dreimal.“ (Muslim)[14]

Wie zu entnehmen ist, vertritt Asch-Schawkani die Meinung, dass Ibn Sayyad der große Dajjal ist.

Al-Baihaqi sagte in seinen Ausführungen über den Hadis von Tamim

„Er ist so zu verstehen, dass der große Dajjal, der am Ende der Zeit auftaucht, nicht Ibn Sayyad ist. Ibn Sayyad war vielmehr einer der Lügner und Wahrsager, von denen der Prophet (صلى الله عليه و سلم) gesagt hat, dass sie ebenfalls erscheinen werden und die meisten sind auch tatsächlich aufgetaucht.

Man könnte annehmen, dass diejenigen, die behaupten, dass Ibn Sayyad der Dajjal ist, keine Kenntnis über die Geschichte von Tamim haben, denn zwischen beiden Überlieferungen zu vermitteln ist hier unmöglich. Wie soll einerseits Ibn Sayyad zur Zeit des Propheten (صلى الله عليه و سلم) in der Pubertät gewesen sein, dem der Prophet begegnet ist und mit ihm gesprochen hat und andrerseits zum Ende der Zeit des Propheten (صلى الله عليه و سلم) ein alter Greis gewesen sein, der auf einer der Inseln des Meeres mit Eisenketten gefangen war und fragte, ob der Prophet (صلى الله عليه و سلم) schon erschienen ist oder nicht!?

Folglich ist anzunehmen, dass keine Einheit in den Überlieferungen hergestellt werden kann. Was jedoch Umar (Rh.a) angeht, so besteht die Möglichkeit, dass nachdem er die Geschichte von Tamim hörte, nicht mehr schwur, wie bereits ausgeführt wurde. Und was Dschabir angeht, so war er während Umars Schwur beim Propheten (صلى الله عليه و سلم) anwesend und hat deshalb geschworen, weil er den Schwur in Anwesenheit des Propheten mitbekam.[15]

Ich sage: „Dschabir  gehörte zu den Überlieferern des Hadises von Tamim, wie es in der Überlieferung von Abu Dawud heißt, als die Geschichte der Dschassasa und des Dadaschals ähnlich dem Wortlaut der Geschichte von Tamim erzählt wird. 

Ibn Abi Salama sagte: „In dem Hadis war etwas, woran ich mich nicht erinnere.“ Abu Salama[16] sagte: „Dschabir bezeugte, dass er Ibn Sa’id ist.“ Ich sagte: „Er ist gestorben.“ Er sagte: „Auch wenn er gestorben ist.“ Ich sagte: „Er ist Muslim geworden.“ Er sagte: „Auch wenn er Muslim wurde.“ Ich sagte: „Er war in Medina.“ Er sagte: „Auch wenn er in Medina war.“[17]

Dschabir bestand darauf, dass Ibn Sayyad der Dajjal ist, auch wenn gesagt wurde, dass er Muslim wurde, Medina betrat oder gestorben ist.

Wie bereits erwähnt, sagte Dschabir: „Wir verloren Ibn Sayyad am Tag al-Hurra.“

Ibn Hadschar sagt

„Abu Nu’aim al-Asbahani überlieferte in Tarich Asbahan (Geschichte Isfahans) etwas, das bestärkt, dass Ibn Sayyad der Dajjal ist. So nannte er die Überlieferungskette: Schubail Ibn Urza von Hassan Ibn Abdurrahman von Seinem Vater, der sagte: „Als wir Isfahan eroberten, war zwischen unserem Heer und dem jüdischen Viertel ein Farsach (eine Entfernung von etwa 5km). Wir gingen manchmal hin, um einzukaufen. Eines Tages ging ich dorthin und fand die Juden feiern. Ich fragte einen Freund von mir, der von ihnen ist, nach dem Grund dieser Feier. Er antwortete: „Unser König, der die Araber besiegen wird, kommt.“ So übernachtete ich bei ihm auf dem Dach. Ich verrichtete das Ischa-Gebet. Als die Sonne aufging, war ein Rauch aus der Richtung des Heers zu sehen. Ich schaute und sah einen Mann, der eine Kopfbedeckung aus Raihan (eine Pflanze mit gutem Geruch) trug und die Juden feierten dies. Ich sah genauer hin. Es war Ibn Sayyad. Er betrat die Stadt und ist bisher nicht wieder rausgegangen.“[18]

Die Überlieferung von Dschabir (dass sie ihn am Tage al-Hurra verloren haben) stimmt nicht mit der Überlieferung Hassan Ibn Abdurrahmans überein, weil die Eroberung Isfahans in der Zeit des Kalifats von Umar (Rh.a) stattfand, wie es in Tarich Asbahan von Abu Nu’aim heißt. Und zwischen der Ermordung Umars und der Schlacht von al-Hurra liegen etwa vierzig Jahre. 

Auch ist darauf zu schließen, dass der Vater Hassans, dieses Ereignis eine Weile nach der Eroberung Isfahans, erlebt hat. Somit würde die Präposition „als“ in seiner Aussage „Als wir Isfahan erobert hatten“ heißen, dass darauf noch ein Nebensatz folgt, der nicht erwähnt wurde: „Als …, ging ich öfter in die Stadt, um sie zu besuchen.“ Dann ereignete sich die Geschichte von Ibn Sayyad. Somit trifft der Zeitpunkt der Eroberung und der Zeitpunkt des Eintritts Ibn Sayyads in die Stadt nicht miteinander ein.[19]

Schaych-ul-Islam Ibn Taimiyya erwähnte, dass die Angelegenheit von Ibn Sayyad für einige Gefährten unklar war und sie davon ausgingen, dass er der Dajjal ist. Der Prophet (صلى الله عليه و سلم) war sich auch nicht sicher, bis ihm später klar wurde, dass er nicht ad-Dajjal ist. Vielmehr ist er ein Wahrsager mit teuflischen Fähigkeiten; deshalb ging er zu ihm, um ihn zu prüfen.[20]

Ibn Kathir sagt:

„Gemeint ist, dass Ibn Sayyad gewiss nicht ad-Dajjal ist, der am Ende der Zeit erscheinen wird gemäß dem Hadis, den Fatima bint Qais al-Fahriyya überliefert hat, welcher ein entscheidendes Kriterium in dieser Sache ist.“[21]

Das sind einige Aussagen der Gelehrten über Ibn Sayyad. Wie zu entnehmen ist, vertreten die Gelehrten unterschiedliche Meinungen bezüglich Ibn Sayyad; und sie haben alle ihre Beweise. Hafith Ibn Hadschar bemühte sich zwischen den unterschiedlichen Überlieferungen eine Gemeinsamkeit zu finden, damit sie zueinander passen und sagt: „Was am ehesten hinsichtlich des Zusammenführens des Inhalts des Hadises von Tamim und der Ansicht, dass Ibn Sayyad der Dajjal ist, gesagt werden kann, ist, dass der Dajjal tatsächlich der ist, den Tamim gefesselt gesehen hat und dass Ibn Sayyad ein Teufel ist, der die Gestalt des Dajjals zu der Zeit annahm, bis er nach Isfahan reiste. Er versteckte sich mit seinem Gesellen (Qarin), bis seine Zeit kommt, in der er dann erscheint.“ 

Aufgrund des starken Zweifels und Unklarheit in dieser Sache wendete Buchari den Weg des Vorziehens und beschränkte sich daher auf den Hadis, den Dschabir über Umar bezüglich Ibn Sayyad berichtete. Der Hadis, welcher Fatima bint Qais über die Geschichte von Tamim berichtete, nannte er nicht.[22]

Ibn Sayyad ist Tatsache und kein Märchen. 

Abu Ubaiyya behauptet: „Die Person Ibn Sayyad ist eine Fantasie einiger Köpfe, die dann in Büchern genannt und auf den Propheten (صلى الله عليه و سلم) zurückgeführt wurde. Der Prophet sagt und tut nichts außer dem, was wahr und richtig ist. Es ist an der Zeit, dass man sich den Hadith noch einmal genauer betrachtet, dessen Inhalt unter die Lupe nimmt, sich dessen Sinn und Zweck anschaut und dessen Überlieferungskette überprüft, damit wir unser islamisches Bewusstsein von Fehlern und Irrungen befreien.“[23]

Das ist die Ausführung von Scheich Abu Ubaiyya in seinem Kommentar über die Hadise bezüglich Ibn Sayyad. Jedoch sind die Hadise über Ibn Sayyad authentisch und in den Sunna Werken, wie den Sahih-Büchern und anderen, berichtet. Die Überlieferungen über Ibn Sayyad beinhalten keine inhaltlichen Widersprüche und widersprechen auch nicht der Wahrheit. Die Muslime waren nämlich im Zweifel über Ibn Sayyad, wie bereits ausführlich behandelt wurde. Er war ein Wahrsager, dessen Lüge und Frevel gegenüber Allah, Seinen Gesandten (صلى الله عليه و سلم) und den Muslimen aufzeigte. 

Zudem wiederspricht sich Abu Ubaiyya in seinen Ausführungen. Denn in einigen seiner Kommentare über die Hadise bezüglich Ibn Sayyad, äußert er sich wie folgt: „Die Wahrheit ist, dass Ibn Sayyad ein abgehacktes Wort gesagt hat, welches keinen Sinn macht, wie es die Art der Wahrsager ist. Er meinte nichts mit diesem Wort, denn er ist ein lügnerischer Scharlatan.“[24]

Hier gibt er also zu, dass Ibn Sayyad ein lügnerischer Scharlatan ist. Wie kann er ein Märchen und zugleich ein lügnerischer Scharlatan sein? Zweifellos ist Abu Ubaiyya widersprüchlich in seinen Aussagen.

Abu Ubaiyya´s Kommentare[25] über die von Ibn Kathir überlieferten Hadise sind eigenartig, weil er seinem Gemüt freien Lauf ließ. Was ihm an Hadisen passte, wurde akzeptiert und war somit die Wahrheit und was ihm nicht passte, wurde entgegen dem klaren Wortlaut und Inhalt des Hadises interpretiert, oder die authentischen Hadise wurden für mawdhu (falsch, erfunden) erklärt, ohne Belege und Beweise dafür zu haben.

Abu Ubaiyya fragt bezüglich der Hadise über Ibn Sayyad: „Ist das Kind mündig? Ist das Interesse des Propheten (صلى الله عليه و سلم) an diesem so hoch, dass er zu ihm geht und ihm diese Frage stellt? Und ist es überhaupt vorstellbar, dass er wartet, bis er die Antwort von ihm bekommt? Ist es denn in Ordnung, dass er ihm eine solche von Unglauben erfüllte Antwort erlaubt, mit der behauptet wird, ein Gesandter zu sein? Entsendet Allah Kinder? Das sind Fragen, die wir an diejenigen stellen, die ihren Verstand vom klaren und weisen Denker fernhalten.“[26]

Hierauf ist folgendermaßen zu antworten: Es hat niemand gesagt, dass das Kind mündig ist, auch nicht, dass Allah Kinder entsendet. Vielmehr wollte der Prophet (صلى الله عليه و سلم) Klarheit über die Angelegenheit von Ibn Sayyad haben und wissen, ob er tatsächlich der Dajjal ist oder nicht. In Medina verbreitete sich nämlich das Gerücht, dass er Dajjal ist, vor dem der Gesandte Allahs (صلى الله عليه و سلم) gewarnt hatte. Auch wurde dem Propheten nichts darüber offenbart und deshalb hat ihm der Prophet (صلى الله عليه و سلم) diese Fragen gestellt, welche seine Lüge zeigen. Daher fragte er ihn: „Bezeugst du, dass ich der Gesandte Allahs bin?“, bis er dann sagte: „Ich habe etwas vor dir verborgen.“ usw. 

Dies soll nicht heißen, dass Ibn Sayyad verpflichtet wäre, den Islam anzunehmen, vielmehr soll damit die Absicht ausgedrückt werden, die Wahrheit über ihn herauszubekommen. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass der Prophet (صلى الله عليه و سلم) zu ihm ging, um seine Antwort zu hören, denn aus seiner Antwort wurde klar, dass er ein Wahrsager ist. Es ist auch nicht verwunderlich, dass der Prophet (صلى الله عليه و سلم) die Annahme des Islams einem Kind anbietet. Buchari berichtet beispielsweise die Geschichte von Ibn Sayyad und betitelte sie mit der Überschrift: „Wie der Islam einem Kind angeboten wird.“[27]

Was die Tatsache angeht, dass der Prophet (صلى الله عليه و سلم) Ibn Sayyad unbestraft ließ, obwohl dieser vorgab ein Prophet zu sein, so ist dies eine Unklarheit, die das Unwissen Abu Ubaiyya bezüglich der Aussagen der Gelehrten deutlich machte. Diese antworteten hierauf:

  • Ibn Sayyad gehörte zu den Juden Medinas oder zu ihren Verbündeten. Zu der Zeit herrschte ein Friedensabkommen zwischen ihnen und dem Propheten (صلى الله عليه و سلم), indem er mit ihnen Frieden schloss und ihnen versprach, in ihrer Religion frei zu sein und dass ihnen nichts angetan wird. Der Gesandte Allahs (صلى الله عليه و سلم) schloss dieses Abkommen als er in Medina ankam.

Bekräftigt wird dies durch die Überlieferung, die Imam Ahmad von Dschabir Ibn Abdullah berichtete. Darin heißt es, dass der Prophet (صلى الله عليه و سلم) zu Ibn Sayyad ging und ihn fragte, woraufhin Umar (Rh.a) sagte: „O Gesandter Allahs, erlaube mir ihn zu töten.“ Der Prophet antwortete: „Wenn er es tatsächlich ist, dann bist du nicht derjenige, der ihn tötet, vielmehr ist es Isa Ibn Maryam (a.s). Und wenn er es nicht ist, dann darfst du nicht jemanden töten, der unter einem Abkommen steht?“[28]

Zu dieser Ansicht gelangen al-Chattabi[29] und al-Baghawi.[30] Ibn Hadschar sagt: „Das ist so festgelegt.“[31]

  • Ibn Sayyad war zu der Zeit noch klein und nicht mündig. Dies wird von der Überlieferung Ibn Umar (Rh.a) in Buchari gestützt, in der er folgendes sagt, als der Prophet (صلى الله عليه و سلم) zu Ibn Sayyad ging: „Bis er ihn spielend mit den Kindern beim Stamm von Maghala vorfand. Zu der Zeit war Ibn Sayyad kurz vor der Pubertät.“[32]

Diese Meinung war auch die von al-Qadhi ‘Iyad.[33]

  • Ibn Sayyad sagte nicht klar und deutlich, dass er ein Prophet sei. Vielmehr gab er vor, dass er gesandt wurde. Nicht jeder Gesandter ist zugleich ein Prophet, Allah sagt:

أَلَمْ تَرَ أَنَّا أَرْسَلْنَا الشَّيَاطِينَ عَلَى الْكَافِرِينَ تَؤُزُّهُمْ أَزًّا ﴿٨٣﴾

„Siehst du nicht, dass Wir die Satane gegen die Glaubensverweigerer gesandt haben?“ (Der edle Koran 19:83)[34]

 

[1] Siehe Fath al-Bari (3/200; 6/164)

[2] Siehe an-Nihaya/al-Fitan wa-l-Malahim (1/128)

[3] Tajrid Asma as-Sahaba (1/319) (Nr. 3366)

[4] Al-Isaba fi Tamyiz as-Sahaba

[5] Tahthib at-Tahthib (7/418) (Nr.681)

[6] Er meinte Sure ad-Duchan (der Rauch), jedoch hat er es …, in der Methode / Art der Wahrsager, wie es später behandelt wird.

[7] Tafsir Ibn Kathir (7/234)

[8] Sunan abu Dawud (11/476)

[9] Siehe Fath al-Bari (13/328)

[10] Siehe an-Nihaya/al-Fitan wa-l-Malahim (1/127)

[11] Fath al-Bari (13/328)

[12] At-Tathkira (S.702)

[13] Scharh an-Nawawi li-Muslim (18/46-47)

[14] Nail al-Awtar Scharh Mutaqa al-Achbar (7/230-231); Siehe Orginal-Buch S.270-271

[15] Fath al-Bari (13/326-327)

[16] Abu Salama ibn Abdurrahman, der Vater von Umar; siehe das Buch Awn al-Ma’bud 11 / 477

[17] Sunan abu Dawud (11/476)

[18] Fath al-Bari (3/327-328)

[19] Fath al-Bari (13/328)

[20] Siehe al-Furqan baina Awlia ar-Rahman wa-Awlia ash-Shaytan (S.77)

[21] An-Nihaya/al-Fitan wa-l-Malahim (1/70)

[22] Fath al-Bari (13/328)

[23] An-Nihaya/al-Fitan wa-l-Malahim (1/104)

[24] An-Nihaya/al-Fitan wa-l-Malahim (1/88)

[25] In dem Werk „an-Nihaya/al-fitan wa-I-Malahim“ von al-Hafith Ibn Kathir

[26] An-Nihaya /al-Fitan wa-l-Malahim (1/104)

[27] Sahih Muslim (6/171)

[28] Al-Fath ar-Rabbani (24/64-65)

[29] Ma´alim as-Sunan (6/182)

[30] Scharh as-Sunan (15/80)

[31] Fath al-Bari (6/174)

[32] Sahih Buchari (6/172)

[33] Scharh an-Nawawi li-Muslim (18/48)

[34] Fath al-Bari (6/174)


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Hilafet-i İslamiyye
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