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14.09.2025 386

DIE GESCHICHTE VON MULLĀ JAMĀL AD-DĪN HALĪLALLĀH AL-HANBALĪ

DIE GESCHICHTE VON MULLĀ JAMĀL AD-DĪN HALĪLALLĀH AL-HANBALĪ

Die Geschichte von Mullā Jamāl ad-Dīn Halīlallāh al-Hanbalī
 

Wie sind in Damaskus, in der spätosmanischen Zeit, 19. Jahrhundert. In den engen Gassen von Bāb al-Jābiya in Damaskus schimmerte oft ein sanftes Leuchten aus einer kleinen ḥanbalītischen Zāwiya, die an die alte Umaiyaden-Moschee angeschlossen war. Die Quelle dieses Lichts war keine Lampe, sondern die Gegenwart eines Mannes, dessen Herz in der Erinnerung an Gott brannte: Mullā Jamāl ad-Dīn Ḫalīlallāh, ein Gelehrter und Mystiker der hanbalitischen Tradition.

Frühes Leben:

Geboren in eine bescheidene Familie von Tuchhändlern, wurde Jamāl ad-Dīn schon als Junge zum Koran Unterricht bei den strengen Hanbali-Gelehrten von Damaskus geschickt. Seine Lehrer bemerkten zwei Dinge: seinen scharfen Verstand – und seine Gewohnheit, stundenlang in tiefer murāqaba (spirituelle Achtsamkeit) zu schweigen.

Während andere Jungen im Suq spielten, saß Jamāl am Grab von ʿAbd al-Ġanī al-Maqdisī, rezitierte den Koran und flüsterte Bittgebete.

Geistiges Erwachen:

In einer Ramadan-Nacht, als er Madāriǧ as-Sālikīn von Ibn al-Qayyim studierte, schlief er ein und träumte, wie Schaich ʿAbd al-Qādir al-Jīlānī ihm die Hand reichte. Im Traum sprach er zu ihm:

„O Sohn von Ibn Ḥanbal, der Weg ist die Aufrichtigkeit. Hüte die Sunna, doch lass dein Herz von Barmherzigkeit fließen.“

Mit Tränen erwachend, weihte sich Jamāl von da an der Koran Rezitation, dem Ḥadīṯ-Studium und dem stillen Dhikr in hanbalitischer Tradition, fern aller Schaustellung, doch das Wesen des Tasawwuf bewahrend.

 

Lehren:

Mullā Ḫalīlallāh wurde bekannt für seine kurzen, durchdringenden Aphorismen, die er in die Ränder seiner Fiqh-Hefte schrieb. Schüler überlieferten sie eifrig:

  • „Scharia ohne Askese ist Hochmut; Askese ohne Scharia ist Täuschung.“
  • „Der hanbalitische Weg ist Feuer und Licht: Feuer für das Ego, Licht für das Herz.“
  • „Zwischen Ibn Taymiyya und ʿAbd al-Qādir besteht kein Widerspruch, nur eine Brücke.“

 

Sein Kreis:

Jeden Donnerstagabend versammelte sich ein Kreis von Suchenden in seiner schlichten Zāwiya. Anders als in manch anderen Sufi-Ḫānqāhs gab es keine Trommeln, keine lauten Gesänge. Stattdessen waren seine Treffen von stillen Tränen geprägt, von Koran Rezitation und sanftem Flüstern „Yā Allāh“, bis die Herzen bebten.

Kaufleute, Faqīhs und selbst osmanische Soldaten kamen, angezogen von seinem Ruf als Mann, dessen Duʿāʾ niemals unerhört blieb.

 

Prüfung und Widerstand

Im Jahr 1820, während einer Welle osmanischer Misstrauenspolitik gegen unabhängige Zāwiyas, wurde Ḫalīlallāh beschuldigt, „Fanatismus“ zu schüren. Vor den Gouverneur geladen, sprach er:

„Meine einzige Rebellion gilt meinem Nafs (meinem Ego). Wenn das Verrat ist, gestehe ich mich schuldig.“

Der Gouverneur, bewegt von seiner Würde, ließ ihn frei. Wenige Wochen später jedoch brach in Damaskus die Pest aus und Mullā Ḫalīlallāh wurde zu einem unermüdlichen Helfer der Kranken.

 

Tod und Vermächtnis:

Er verstarb 1943, in den letzten Nächten des Ramadans, während er den Vers rezitierte:

„Frieden ist sie, bis zum Anbruch der Morgendämmerung.“ (Der edle Koran 97:5)

Sein Grab bei Bāb aṣ-Ṣaġīr wurde zu einem stillen Ort des Besuchs. Anders als andere Heiligtümer schmückte ihn keine Kuppel, nur ein schlichter Stein mit seinen Worten:

„Gedenke Allahs in der Stille, und du wirst die Ewigkeit hören.“

 

Erbe:

Mullā Jamāl ad-Dīn Ḫalīlallāh blieb im Gedächtnis als hanbalitischer Mystiker der späten Osmanen, ein Mann, der die Strenge des Fiqh mit der Zärtlichkeit des Herzens verband – und so die lebendige Brücke verkörperte zwischen Ibn Ḥanbals Zuhd und ʿAbd al-Qādirs Barmherzigkeit. Seine Sprüche wurden in handschriftlichen Notizen seiner Schüler bewahrt und prägten spätere hanbalitische Kreise in Damaskus, Najd und selbst in Basra.

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