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19.07.2026 509

DAS FASTEN IN DER SCHARIA UND IM SUFISMUS - SAYYID ʿABD AL-QĀDIR AL-DSCHĪLĀNĪ

DAS FASTEN IN DER SCHARIA UND IM SUFISMUS - SAYYID ʿABD AL-QĀDIR AL-DSCHĪLĀNĪ

Das Fasten in der Scharia und im Sufismus

Sayyid ʿAbd al-Qādir al-Dschīlānī

 

Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen.

Das Fasten nach der Scharia besteht darin, sich tagsüber des Essens, Trinkens und des ehelichen Verkehrs zu enthalten.

Das Fasten auf dem Weg der Tarīqa besteht darin, Tag und Nacht alle Sinne vor allem Verbotenen zu bewahren. Es bedeutet, alles Schlechte und Vernunftwidrige sowohl äußerlich als auch innerlich zu meiden. Sobald auch nur eine dieser beschriebenen Handlungen begangen wird, verliert dieses Fasten seinen Wert.

Das Fasten der Scharia ist zeitlich begrenzt. Das Fasten der Tarīqa hingegen ist dauerhaft und währt das ganze Leben. Dies ist das eigentliche Fasten. Denn unser Prophet ﷺ sagte in einem Hadith: „Es gibt viele Fastende, die von ihrem Fasten nichts außer Hunger und Durst haben.“

Daher gibt es viele Menschen, die zwar fasten, aber in Wirklichkeit ihr Fasten brechen; und viele, die äußerlich ihr Fasten gebrochen haben, innerlich jedoch fasten. Das heißt: Sie bewahren ihre Sinne davor, ins Schlechte abzurutschen. Sie fügen den Menschen weder mit ihrer Hand noch mit ihrer Zunge Schaden zu.

Dies ist das Fasten, über das Allah, der Erhabene, sagte: „Das Fasten ist für Mich, und Ich selbst werde seinen Lohn geben.“

Über diejenigen, die dieses erhabene Fasten einhalten, sagte der Prophet ﷺ: „Der Fastende hat zwei Freuden: eine beim Fastenbrechen und die andere bei der Begegnung (mit seinem Herrn).“

Möge Allah uns aus Seiner Gnade und Großzügigkeit dieses Fasten und diese Freude schenken. Amin.

Die Gelehrten der Scharia erklären diesen Hadith so: Mit dem Fastenbrechen ist der Zeitpunkt gemeint, an dem nach Sonnenuntergang mit dem Essen begonnen wird. Mit der „Begegnung“ ist das Erblicken der Mondsichel zum Fest gemeint.

Die Menschen des Sufi-Weges (Tarīqa) sagen hingegen: Mit dem Fastenbrechen ist der Eintritt ins Paradies gemeint, um dort von seinen Gaben zu genießen. Möge Allah uns allen dies gewähren.

Mit der „Begegnung“ ist der Blick auf Allah den Erhabenen mit dem Auge des Herzens und der inneren Erkenntnis gemeint. Möge Allah uns und euch diese Schau aus Seiner Gnade und Großzügigkeit schenken.

Neben diesen Formen des Fastens gibt es noch das Fasten der Haqīqa (der inneren Wirklichkeit): Es besteht darin, das Herz davon abzuhalten, etwas anderes als Allahs Wesen zum Gegenstand seiner Hingabe zu machen. In der Welt des inneren Geheimnisses soll nichts außer Seiner Liebe wahrgenommen werden. Denn der Mensch wurde für Ihn erschaffen.

Darauf weist die Überlieferung hin: „Der Mensch ist Mein Geheimnis, und Ich bin sein Geheimnis.“

Das innere Geheimnis ist ein Licht von Allah, dem Erhabenen, und es liebt keine Hinwendung zu etwas anderem als Ihm. Deshalb kann es weder in dieser Welt noch im Jenseits einen Geliebten, ein Ziel oder einen Gegenstand des Verlangens außer Allah geben.

Wenn etwas anderes als die Liebe zu Allah ins Herz einzieht, wird das Fasten der Haqīqa ungültig und muss erneuert werden. Der Mensch muss wieder danach streben, Seine Liebe zu erlangen und Ihm in dieser Welt und im Jenseits nahe zu sein.

Denn Allah, der Erhabene, sprach: „Das Fasten ist für Mich, und Ich selbst werde seinen Lohn geben.“

 

Sayyid ʿAbd al-Qādir al-Dschīlānī

Aus „Sirr al-Asrār“ (Das Geheimnis der Geheimnisse).

 

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