79. Sure: An-Nazi‘at (Die Entreißenden)

18-03-2020

79. Sure: An-Nazi‘at (Die Entreißenden)
Offenbart in Mekka
46 Ayat (Verse)

 

Das Böse kann nicht lange andauern. Allahs Engel sind jederzeit bereit, die Ungläubigen auf Allahs Geheiß zu tilgen. Denke an die Geschichte des überheblichen Pharaos, der den Anspruch erhob, er sei der Menschen Höchster Herr. Er lehnte Allahs Botschaft ab und ging durch Allahs Strafe zugrunde. So werden alle überheblichen Ablehner am Tage des Jüngsten Gerichts erniedrigt. Schaue auf Allahs Schöpfung und nehme Seine Botschaft an.

 

 

بِسْمِ اللَّـهِ الرَّحْمَـٰنِ الرَّحِيمِ

Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen!

 

وَالنَّازِعَاتِ غَرْقًا ﴿١﴾ وَالنَّاشِطَاتِ نَشْطًا ﴿٢﴾ وَالسَّابِحَاتِ سَبْحًا ﴿٣﴾ فَالسَّابِقَاتِ سَبْقًا ﴿٤﴾ فَالْمُدَبِّرَاتِ أَمْرًا ﴿٥﴾ يَوْمَ تَرْجُفُ الرَّاجِفَةُ ﴿٦﴾ تَتْبَعُهَا الرَّادِفَةُ ﴿٧﴾ قُلُوبٌ يَوْمَئِذٍ وَاجِفَةٌ ﴿٨﴾ أَبْصَارُهَا خَاشِعَةٌ ﴿٩﴾ يَقُولُونَ أَإِنَّا لَمَرْدُودُونَ فِي الْحَافِرَةِ ﴿١٠﴾ أَإِذَا كُنَّا عِظَامًا نَّخِرَةً ﴿١١﴾ قَالُوا تِلْكَ إِذًا كَرَّةٌ خَاسِرَةٌ ﴿١٢﴾ فَإِنَّمَا هِيَ زَجْرَةٌ وَاحِدَةٌ ﴿١٣﴾ فَإِذَا هُم بِالسَّاهِرَةِ ﴿١٤﴾

„Bei den (Engeln, die die Seelen der Ungläubigen) heftig entreißen (1); und bei denen, (die die Seelen der Gläubigen) leicht emporheben (2); und bei denen, (die auf Geheiß Allahs zwischen Himmel und Erde) einher schweben (3); dann bei denen, (die mit den Seelen der Gläubigen ins Paradies) eifrig voraneilen (4); dann bei denen, die jegliche Angelegenheit (des irdischen Lebens) lenken! (5) Eines Tages wird die Dröhnende dröhnen (6), gefolgt von der darauffolgenden. (7) Herzen werden an jenem Tage zittern (8), und ihre Augen werden niedergeschlagen sein. (9) Sie sagen: „Sollen wir wirklich in unseren früheren Zustand zurückgebracht werden? (10) Wie? Selbst wenn wir verwestes Gebein geworden sind?“ (11) Sie sagen: „Das wäre dann eine verlustreiche Wiederkehr.“ (12) Es wird nur ein einziger Schreckenslaut sein (13), und siehe, sie sind dann auf der Erdoberfläche.“ (Der edle Koran 79:1-14)

79:1-5 - Es handelt sich um einen Schwur Allahs, der Ihm allein zusteht. Es handelt sich hier um eine Szene am Todeszeitpunkt, die jedem Menschen bevorsteht. Die Entreißenden, nach denen diese Sure genannt ist, sind die Engel, die die Seelen der Ungläubigen heftig entreißen, und unsanft mit ihnen umgehen, weil diese sich mit ihrem Schöpfer verfeindet haben. Dagegen gehen sie behutsam um mit den Seelen der Gläubigen, denen ein herrlicher Lohn im Paradies erwartet. Diese Behandlungsart zeigt im Voraus das Schicksal des Einzelnen.

79:6-10 - Der Tag des Weltuntergangs wird bestimmt folgen. An ihm wird alles durch unaufhörliche dröhnende Erschütterungen - eine nach der anderen - heftig gerüttelt. Bei einer solchen Szene werden die Herzen aller Menschen unruhig und vor dieser Gewalt erbeben. Die Blicke der Schuldigen werden vor Scham, Demütigung und Furcht zu Boden gerichtet sein.[1]

79:11-13 - Dies sagen die Ungläubigen voll beißendem Spott. Aber es wird tatsächlich eine Rechenschaft abzulegen und für sie wird das ein furchtbarer Verlust sein; denn sie werden dem Verderben anheimfallen. Mit einer Wiederkehr haben sie nicht gerechnet und sich in keiner Weise darauf vorbereitet.[2]

79:14 - Das Jüngste Gericht wird durch einen großen Schreckenslaut, dem niemand standzuhalten vermag, eingeleitet werden. Davor waren die Menschen gleichsam wie im Schlaf. Wenn die Auferstehung kommt, werden sie hellwach in der dann entstandenen neuen Welt versammelt, während Erde und Himmel in ihrer früheren Form vergangen sein werden.[3]

 

هَلْ أَتَاكَ حَدِيثُ مُوسَىٰ ﴿١٥﴾إِذْ نَادَاهُ رَبُّهُ بِالْوَادِ الْمُقَدَّسِ طُوًى ﴿١٦﴾ اذْهَبْ إِلَىٰ فِرْعَوْنَ إِنَّهُ طَغَىٰ ﴿١٧﴾ فَقُلْ هَل لَّكَ إِلَىٰ أَن تَزَكَّىٰ ﴿١٨﴾ وَأَهْدِيَكَ إِلَىٰ رَبِّكَ فَتَخْشَىٰ ﴿١٩﴾ فَأَرَاهُ الْآيَةَ الْكُبْرَىٰ ﴿٢٠﴾ فَكَذَّبَ وَعَصَىٰ ﴿٢١﴾ ثُمَّ أَدْبَرَ يَسْعَىٰ ﴿٢٢﴾ فَحَشَرَ فَنَادَىٰ ﴿٢٣﴾ فَقَالَ أَنَا رَبُّكُمُ الْأَعْلَىٰ ﴿٢٤﴾ فَأَخَذَهُ اللَّـهُ نَكَالَ الْآخِرَةِ وَالْأُولَىٰ ﴿٢٥﴾ إِنَّ فِي ذَٰلِكَ لَعِبْرَةً لِّمَن يَخْشَىٰ ﴿٢٦﴾ 

„Ist die Geschichte von Moses zu dir gedrungen? (15) Damals rief ihn sein Herr im heiligen Tal Wadi Tuwa (16): „Geh hin zu Pharao; denn er hat das Maß überschritten. (17) Sprich dann (zu ihm): Willst du dich nicht reinigen? (18) Und ich werde dich zu deinem Herrn führen, auf dass du dich fürchten mögest!“ (19) So zeigte er ihm das große Wunder. (20) Er aber leugnete und blieb ungehorsam. (21) Dann kehrte er den Rücken und lief weg (22), versammelte alsdann (sein Volk) und rief aus (23), indem er sagte: „Ich bin euer höchster Herr.“ (24) Da erfasste ihn Allah zur Strafe für jene und diese Tat. (25) Hierin ist wahrlich eine Lehre für den, der fürchtet.“ (Der edle Koran 79:15-26)

79:15 - Die Frage ist sowohl an unseren Propheten (صلى الله عليه و سلم) als auch an alle Menschen zu allen Orten und Zeiten gestellt.[4]

 

أَأَنتُمْ أَشَدُّ خَلْقًا أَمِ السَّمَاءُ ۚ بَنَاهَا ﴿٢٧﴾ رَفَعَ سَمْكَهَا فَسَوَّاهَا ﴿٢٨﴾ وَأَغْطَشَ لَيْلَهَا وَأَخْرَجَ ضُحَاهَا ﴿٢٩﴾ وَالْأَرْضَ بَعْدَ ذَٰلِكَ دَحَاهَا ﴿٣٠﴾ أَخْرَجَ مِنْهَا مَاءَهَا وَمَرْعَاهَا ﴿٣١﴾ وَالْجِبَالَ أَرْسَاهَا ﴿٣٢﴾ مَتَاعًا لَّكُمْ وَلِأَنْعَامِكُمْ ﴿٣٣﴾

„Seid ihr denn schwerer zu erschaffen oder der Himmel, den Er gebaut hat? (27) Er hat seine Höhe gehoben und ihn dann vollkommen gemacht. (28) Und Er machte seine Nacht finster und ließ sein Tageslicht hervorgehen. (29) Und Er breitete hernach die Erde aus. (30) Aus ihr brachte Er ihr Wasser und ihr Weideland hervor. (31) Und Er festigte die Berge (32); (dies alles) als eine Versorgung für euch und für euer Vieh.“ (Der edle Koran 79:27-33)

79:27 - Die Frage ist an alle Menschen zu allen Orten und Zeiten gestellt.[5]

79:28 - Allah (t) ist Der, Der den Himmel in vollkommener Weise erschuf, seine Höhe bestimmte und als festen Bau gemacht, unter dem wir uns sicher fühlen.

79:29 - Die Aufeinanderfolge von der nächtlichen Finsternis und dem Licht des Morgens ist eine Naturerscheinung, die wir alle kennen, doch übersehen wir sie oft, weil wir schon so sehr daran gewöhnt sind. Der Koran erinnert uns hier daran, dass es sich dabei doch stets wieder um ein ganz neues Ereignis handelt, das sich zwar täglich wiederholt und auch dieselben Auswirkungen mit sich bringt, uns aber in seiner Präzision gerade heutzutage bei unseren ständig anwachsenden wissenschaftlichen Erkenntnissen immer wieder in Erstaunen versetzt und uns Bewunderung abverlangt.[6]

79:30-33 - Der Planet Erde selbst blickt auf eine lange Geschichte zurück. An der Erforschung der Erdgeschichte und der Entwicklung des Lebens auf der Erde sind die Astronomie, die Geologie, die Paläontologie, die Biologie in umfassendem Sinne und andere wissenschaftliche Disziplinen beteiligt. Die Kugelgestalt der Erde ist bereits Pythagoras (580-496 v.u.Z.) bekannt. Infolge der Abplattung an den Polen ist die Erde als Rotationsellipsoid zu bezeichnen. Genaue Vermessungen ergeben für die Abplattung das Verhältnis 1:298,3. Für den Durchmesser des Äquators 12756,490km; für den Durchmesser zwischen den Polen 12713,726 km; für den Umfang am Äquator 40076,600 km. Die Erdoberfläche beträgt 510100933,5 km², davon sind 149 Mill. km² (29%) Festland, 361 Mill. km² (71%) Wasserfläche. Das Erdvolumen erreicht 1083119780000 km³. Die Masse der Erde wird auf 5,98 Quadrillionen kg errechnet. Die Dichte der Gesteinshülle beträgt 2,7 g/cm³, während die mittlere Dichte, bezogen auf die Masse des Rauminhaltes der Erde, mit 5,517 g/cm³ angegeben wird. Man unterscheidet das Sternzeitalter und das geologische Zeitalter der Erde. Über die Entstehung der Erde, die sich um die Sonne als drittnächster Planet in einer Ellipsenbahn in 365 Tagen 5 Stunden 48 Minuten 46 Sekunden bewegt, gibt es verschiedene Hypothesen.[7]

 

فَإِذَا جَاءَتِ الطَّامَّةُ الْكُبْرَىٰ ﴿٣٤﴾ يَوْمَ يَتَذَكَّرُ الْإِنسَانُ مَا سَعَىٰ ﴿٣٥﴾ وَبُرِّزَتِ الْجَحِيمُ لِمَن يَرَىٰ ﴿٣٦﴾ فَأَمَّا مَن طَغَىٰ ﴿٣٧﴾ وَآثَرَ الْحَيَاةَ الدُّنْيَا ﴿٣٨﴾ فَإِنَّ الْجَحِيمَ هِيَ الْمَأْوَىٰ ﴿٣٩﴾ وَأَمَّا مَنْ خَافَ مَقَامَ رَبِّهِ وَنَهَى النَّفْسَ عَنِ الْهَوَىٰ ﴿٤٠﴾ فَإِنَّ الْجَنَّةَ هِيَ الْمَأْوَىٰ ﴿٤١﴾ يَسْأَلُونَكَ عَنِ السَّاعَةِ أَيَّانَ مُرْسَاهَا ﴿٤٢﴾ فِيمَ أَنتَ مِن ذِكْرَاهَا ﴿٤٣﴾ إِلَىٰ رَبِّكَ مُنتَهَاهَا ﴿٤٤﴾ إِنَّمَا أَنتَ مُنذِرُ مَن يَخْشَاهَا ﴿٤٥﴾ كَأَنَّهُمْ يَوْمَ يَرَوْنَهَا لَمْ يَلْبَثُوا إِلَّا عَشِيَّةً أَوْ ضُحَاهَا ﴿٤٦﴾

„Doch wenn das größte Unheil kommt (34) an jenem Tag, da der Mensch sich (all) das ins Gedächtnis zurückrufen wird, was er erstrebt hat (35), und die Jahim vor Augen gestellt wird für den, der sieht. (36) Was aber denjenigen angeht, der aufsässig war (37) und das irdische Leben vorzog (38), so wird wahrlich die Jahim (seine) Herberge sein. (39) Wer aber das Stehen vor seinem Herrn gefürchtet hatte und die eigene Seele von niederem Gelüst abhielt (40) - so wird das Paradies sicherlich (seine) Herberge sein. (41) Sie befragen dich wegen der Stunde: „Wann wird ihr Termin wohl sein?“ (42) Was weißt du von ihr zu sagen! (43) Das endgültige Wissen darum ist allein deinem Herrn (vorbehalten). (44) Du bist nur ein Warner für den, der sie fürchtet. (45) An jenem Tage, an dem sie sie schauen, werden sie meinen, sie hätten (auf der Erde) nicht länger geweilt als einen Abend oder den Morgen darauf.“ (Der edle Koran 79:34-46)

79:34-35 - Das größte Unheil ist der Weltuntergang, an dem wir alles verlieren und nichts mehr retten können. Das angeblich herrliche Leben auf Erden wird nur im Gedächtnis haftend bleiben. Der Mensch wird sich dann all dessen erinnern, wenn ihm diese Erinnerung nichts als Kummer und Leid bringt, weil er nun begreift, welches schreckliche Ende ihm bevorsteht.[8]

79:36-41 - Wenn das Höllenfeuer, die Jahim, vor Augen geführt wird - das ist eine besonders eindrucksvolle Beschreibung, durch die das Ereignis so lebendig wird, dass wir es schon jetzt unmittelbar vor uns zu sehen meinen.[9]

79:42-45 - Die Rede ist an unseren Propheten (صلى الله عليه و سلم) gerichtet, der vom Verborgenen keine Kenntnis besitzt. Allah (t) Selbst ist der Herr über alles, was mit der "Stunde" zusammenhängt.

79:46 - Zum Schluss dieser schönen Sure wird uns eine Szene aus der Endzeit vor Augen gestellt, nämlich die Auferstehung aus dem Tod, die dem Aufstehen nach dem Schlaf ähnelt. Denn im Schlaf spüren wir nicht, wie die Zeit schnell vergeht. Gepriesen sei der Herr aller Welten.[10]


 

Alles Lob gebührt Allah, Dem Herrn der Welten.

 


[1] vgl. Übersetzung des BavariaVerlags, die in diesem Werk vorrangig vorkommt

 

[2] vgl. Übersetzung des BavariaVerlags, die in diesem Werk vorrangig vorkommt

 

[3] vgl. Übersetzung des BavariaVerlags, die in diesem Werk vorrangig vorkommt

 

[4] vgl. 6:131; 10:9-79; 20:9-10, 17-21, 22-35; 28:38-42; 79:17 und die Anmerkung dazu

 

[5] vgl. dazu 40:56-57

 

[6] vgl. Übersetzung des BavariaVerlags, die in diesem Werk vorrangig vorkommt

 

[7] Weltgeschichte in Daten, Berlin 1966

 

[8] vgl. Übersetzung des BavariaVerlags, die in diesem Werk vorrangig vorkommt

 

[9] vgl. Übersetzung des BavariaVerlags, die in diesem Werk vorrangig vorkommt

 

[10] vgl. dazu 2:259; 17:52; 18:19; 20:103-104; 23:112-113; 30:55

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


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