70. Sure: Al-Ma‘arij (Die Himmelsleiter)

17-03-2020

70. Sure: Al-Ma‘arij (Die Himmelsleiter)
Offenbart in Mekka
44 Ayat (Verse)

 

Nur Geduld, Gebet, gute Taten, Glaube und die Absicht, Allah (t) gegenüber wohlgefällig zu handeln, führen uns zu Allahs Gegenwart, wo nichts Böses hinkommen kann. Gleichgültig wie verlockend das Böse ist, es wird im Jenseits zerstört werden.

 

 

بِسْمِ اللَّـهِ الرَّحْمَـٰنِ الرَّحِيمِ

Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen!

 

سَأَلَ سَائِلٌ بِعَذَابٍ وَاقِعٍ ﴿١﴾ لِّلْكَافِرِينَ لَيْسَ لَهُ دَافِعٌ ﴿٢﴾ مِّنَ اللَّـهِ ذِي الْمَعَارِجِ ﴿٣﴾ تَعْرُجُ الْمَلَائِكَةُ وَالرُّوحُ إِلَيْهِ فِي يَوْمٍ كَانَ مِقْدَارُهُ خَمْسِينَ أَلْفَ سَنَةٍ ﴿٤﴾ فَاصْبِرْ صَبْرًا جَمِيلًا ﴿٥﴾ إِنَّهُمْ يَرَوْنَهُ بَعِيدًا ﴿٦﴾ وَنَرَاهُ قَرِيبًا ﴿٧﴾

„Ein Fragender fragt nach einer Strafe, die hereinbrechen wird (1), die für die Ungläubigen unabwendbar ist (2): sie ist von Allah, Der über die Himmelsleiter verfügt. (3) Die Engel und Gabriel steigen zu Ihm auf in einem Tage, dessen Ausmaß fünfzigtausend Jahre beträgt. (4) Harre darum schön geduldig aus. (5) Sie meinen, er sei ferne (6); aber Wir sehen, er ist nahe.“ (Der edle Koran 70:1-7)

70:1-2 - Historisch soll es sich hier um Nudar Ibn Hariṯ und Abu Jahl gehandelt haben, die den Propheten (صلى الله عليه و سلم) herausforderten, die Strafe über sie zu beschleunigen.[1] Auch an anderen Stellen im Koran ist von einer solchen Herausforderung die Rede. Die Antwort auf die Frage wird in diesem Vers gegeben.[2]

76:3-4 - Allah (t) erwähnt hier eine Seiner Eigenschaften, durch welche Er die Zugänge zu den höheren Regionen der sieben Himmel verfügt. Die Himmelsleiter sind nämlich die Wege, auf denen Gabriel (a.s.) und die Engel zwischen den Himmeln und der Erde verkehren, um die Befehle und die Botschaften Allahs zu vermitteln. Ihre diesbezügliche Strecke beträgt fünfzigtausend Jahre nach unserer Zeitrechnung. Wenn man diese Zeit für die Herabsendung des Koran vor mehr als 1400 Jahren zugrunde legt, so war der Befehl Allahs an Gabriel (a.s.) vor 51400 Jahren, d.h. lange vor der Erschaffung Adams erlassen worden.[3]

70:5-7 - Die Aufforderung zur Geduld und Standhaftigkeit gehört als wesentlicher Punkt zu jeder Botschaft und gilt für jeden Propheten ebenso wie für alle Gläubigen, die ihm folgen. Sie ist notwendig, um immer die innere Ruhe und Zufriedenheit zu bewahren. Die hier von Allah (t) an den Propheten (صلى الله عليه و سلم) gerichtete Aufforderung soll gleichzeitig sein Herz festigen gegenüber dem, was ihm von Seiten der Leugner begegnet. Wenn ein gottesfürchtiger Mensch verfolgt wird und Schwierigkeiten hat, soll er dennoch Geduld üben - nicht die Art Geduld, die mit unterdrückten Klagen einhergeht, sondern eine Geduld, die mit Allahs Fügung zufrieden ist; denn er glaubt und weiß, dass sie gut ist.[4]

 

يَوْمَ تَكُونُ السَّمَاءُ كَالْمُهْلِ ﴿٨﴾ وَتَكُونُ الْجِبَالُ كَالْعِهْنِ ﴿٩﴾ وَلَا يَسْأَلُ حَمِيمٌ حَمِيمًا ﴿١٠﴾يُبَصَّرُونَهُمْ ۚ يَوَدُّ الْمُجْرِمُ لَوْ يَفْتَدِي مِنْ عَذَابِ يَوْمِئِذٍ بِبَنِيهِ ﴿١١﴾ وَصَاحِبَتِهِ وَأَخِيهِ ﴿١٢﴾ وَفَصِيلَتِهِ الَّتِي تُؤْوِيهِ ﴿١٣﴾ وَمَن فِي الْأَرْضِ جَمِيعًا ثُمَّ يُنجِيهِ ﴿١٤﴾ كَلَّا ۖ إِنَّهَا لَظَىٰ ﴿١٥﴾ نَزَّاعَةً لِّلشَّوَىٰ ﴿١٦﴾ تَدْعُو مَنْ أَدْبَرَ وَتَوَلَّىٰ ﴿١٧﴾ وَجَمَعَ فَأَوْعَىٰ ﴿١٨﴾   

„Am Tage, da der Himmel wie geschmolzenes Metall sein wird (8), und die Berge wie farbige Wollflocken (9), und ein Freund nicht mehr nach einem Freunde fragen wird (10), werden sie in Sichtweite zueinander gebracht werden, und der Schuldige würde sich wohl (gern) loskaufen von der Strafe jenes Tages mit seinen Kindern (11) und seiner Frau und seinem Bruder (12) und seiner Verwandtschaft, die ihn beherbergt hat (13), und allen, die insgesamt auf Erden sind, wenn es ihn nur retten könnte. (14) Nein! Es ist wahrlich eine Feuerflamme (15), die die Kopfhaut gänzlich wegbrennt. (16) Den wird sie rufen, der (Mir) den Rücken kehrt und sich (von Mir) abwendet (17) und (Reichtum) aufhäuft und hortet.“ (Der edle Koran 70:8-18)

70:8 - Am Tag des Jüngsten Gerichts wird der Himmel mit geschmolzenem Metall verglichen, weil die brennenden Himmelskörper wie z.B. Sonne und Sterne aus ihren Umlaufbahnen herausgeschleudert werden und zusammenprallen, dass sie wie flüssiges Metall im Weltall herumschweben. Dies gilt als Zeichen der Stunde, das der Koran aus der Verborgenheit verkündet.[5]

70:9 - Die Berge haben in ihrem irdischen Dasein verschiedene Farben. Dies gehört zu ihrer Natur, die der Koran in 35:27 bestätigt. Am Tag des Jüngsten Gerichts werden sie aus der Erde herausgerissen und im Weltall wie farbige Wollflocken durch die Schwerelosigkeit des Universums herumschweben.[6]

70:10 - Die Welt, wie wir sie kennen, ist so vollständig vergangen, dass auch die Merkmale im Himmel und auf der Erde verschwunden sind. Darüber hinaus werden die menschlichen Beziehungen so verwandelt werden, dass ein Freund nicht mehr nach einem Freunde fragen wird.

70:11-18 - Der Ungerechte ist bereit, seine Kinder, seine Familie, seine Verwandten, die ihn geschützt und gefördert hatten, ja alles in der Welt als Lösegeld für sich selbst zu geben.[7]

 

إِنَّ الْإِنسَانَ خُلِقَ هَلُوعًا ﴿١٩﴾ إِذَا مَسَّهُ الشَّرُّ جَزُوعًا ﴿٢٠﴾ وَإِذَا مَسَّهُ الْخَيْرُ مَنُوعًا ﴿٢١﴾ إِلَّا الْمُصَلِّينَ ﴿٢٢﴾ الَّذِينَ هُمْ عَلَىٰ صَلَاتِهِمْ دَائِمُونَ ﴿٢٣﴾ وَالَّذِينَ فِي أَمْوَالِهِمْ حَقٌّ مَّعْلُومٌ ﴿٢٤﴾ لِّلسَّائِلِ وَالْمَحْرُومِ ﴿٢٥﴾ وَالَّذِينَ يُصَدِّقُونَ بِيَوْمِ الدِّينِ ﴿٢٦﴾ وَالَّذِينَ هُم مِّنْ عَذَابِ رَبِّهِم مُّشْفِقُونَ ﴿٢٧﴾ إِنَّ عَذَابَ رَبِّهِمْ غَيْرُ مَأْمُونٍ ﴿٢٨﴾ وَالَّذِينَ هُمْ لِفُرُوجِهِمْ حَافِظُونَ ﴿٢٩﴾ إِلَّا عَلَىٰ أَزْوَاجِهِمْ أَوْ مَا مَلَكَتْ أَيْمَانُهُمْ فَإِنَّهُمْ غَيْرُ مَلُومِينَ ﴿٣٠﴾ فَمَنِ ابْتَغَىٰ وَرَاءَ ذَٰلِكَ فَأُولَـٰئِكَ هُمُ الْعَادُونَ ﴿٣١﴾ وَالَّذِينَ هُمْ لِأَمَانَاتِهِمْ وَعَهْدِهِمْ رَاعُونَ ﴿٣٢﴾ وَالَّذِينَ هُم بِشَهَادَاتِهِمْ قَائِمُونَ ﴿٣٣﴾ وَالَّذِينَ هُمْ عَلَىٰ صَلَاتِهِمْ يُحَافِظُونَ ﴿٣٤﴾ أُولَـٰئِكَ فِي جَنَّاتٍ مُّكْرَمُونَ ﴿٣٥﴾

„Wahrlich, der Mensch ist (seiner Natur nach) kleinmütig erschaffen worden. (19) Wenn ihn ein Unheil trifft, so gerät er in große Panik (20), doch wenn ihm (etwas) Gutes zukommt, ist er geizig. (21) Nicht so sind diejenigen, die beten (22) und (die Verrichtung) ihrer Gebete einhalten (23), und die, in deren Vermögen ein bestimmter Anteil ist (24) für den Bittenden und den Unbemittelten (25), und die, die an den Tag des Gerichts glauben (26), und die, die vor der Strafe ihres Herrn besorgt sind (27); wahrlich die Strafe ihres Herrn ist nichts, wovor man sicher sein könnte (28); und die, die ihre Scham bewahren (29), außer bei ihren Gattinnen oder denen, die sie von Rechts wegen besitzen; denn da sind sie nicht zu tadeln. (30) Diejenigen aber, die darüber hinaus etwas suchen, das sind die Übertreter. (31) Und die, die mit dem ihnen anvertrauten Gut redlich umgehen und erfüllen, wozu sie sich verpflichtet haben (32), und die, die in ihrer Zeugenaussage aufrichtig sind (33), und die, die ihr Gebet getreulich verrichten (34); diese sind es, die in den Gärten hochgeehrt sein werden.“ (Der edle Koran 70:19-35)

70:19-24 - Wer von uns Menschen - ob gläubig oder nichtgläubig - wird diese seine Natur verleugnen, die unser Schöpfer, Der Seine Geschöpfe gut kennt, im Koran bestätigt.[8] Während hier gemeinsame Eigenschaften für alle Menschen erwähnt werden, beschreibt der Koran die Lage der Gläubigen, die ein Spezifikum für sie darstellen: Es sind die, „die beten und die Verrichtung ihrer Gebete einhalten, und die, in deren Vermögen ein bestimmter Anteil ist für den Bittenden und den Unbemittelten, und die, die an den Tag des Gerichts glauben, und die, die vor der Strafe ihres Herrn besorgt sind.“ D.h., dass der Glaube eine gewisse Korrektur im menschlichen Wesen verursacht.

70:25-26 - Dies bezieht sich auf die Zekat, auf die die Armen ein verbrieftes Anrecht von Allah haben.[9]

70:27-29 - Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede auf ihm, sagte in Bezug auf diese Abhängigkeit von Allahs Gnade: „Niemand kommt aufgrund seiner Taten ins Paradies.“ Da fragten ihn seine Gefährten: „Auch du nicht, o Gesandter Allahs?“ Er antwortete: „Auch ich nicht, es sei denn, Allah gewährt mir Seine Barmherzigkeit.“ Wirkliche Gottesfurcht ist die Furcht, gegen Seinen heiligen Willen und Sein Gesetz zu verstoßen, und ist mit Liebe zu Allah (t) verwandt. Sie stammt aus der Erkenntnis, dass aller Friede und alle innere Ruhe dadurch entsteht, dass wir unseren Willen mit Seinem allumfassenden Willen in Einklang bringen.[10]

70:30-35 - Der Besitz von Sklavinnen darf nur aus rechtmäßigem Grund entstehen.[11] Die anderen lobenswerten Handlungsweisen gehören zu den Eigenschaften, die den Gläubigen die Absetzung der schmerzhaften Strafe ersparen.

 

عَنِ الْيَمِينِ وَعَنِ الشِّمَالِ عِزِينَ ﴿٣٧﴾ أَيَطْمَعُ كُلُّ امْرِئٍ مِّنْهُمْ أَن يُدْخَلَ جَنَّةَ نَعِيمٍ ﴿٣٨﴾ كَلَّا ۖ إِنَّا خَلَقْنَاهُم مِّمَّا يَعْلَمُونَ ﴿٣٩﴾فَلَا أُقْسِمُ بِرَبِّ الْمَشَارِقِ وَالْمَغَارِبِ إِنَّا لَقَادِرُونَ ﴿٤٠﴾ عَلَىٰ أَن نُّبَدِّلَ خَيْرًا مِّنْهُمْ وَمَا نَحْنُ بِمَسْبُوقِينَ ﴿٤١﴾ فَذَرْهُمْ يَخُوضُوا وَيَلْعَبُوا حَتَّىٰ يُلَاقُوا يَوْمَهُمُ الَّذِي يُوعَدُونَ ﴿٤٢﴾ يَوْمَ يَخْرُجُونَ مِنَ الْأَجْدَاثِ سِرَاعًا كَأَنَّهُمْ إِلَىٰ نُصُبٍ يُوفِضُونَ ﴿٤٣﴾ خَاشِعَةً أَبْصَارُهُمْ تَرْهَقُهُمْ ذِلَّةٌ ۚ ذَٰلِكَ الْيَوْمُ الَّذِي كَانُوا يُوعَدُونَ ﴿٤٤﴾ 

„Was aber ist mit denen, die ungläubig sind, dass sie auf dich zugelaufen kommen (36) von rechts und links, in Gruppen? (37) Hofft jeder einzelne von ihnen wohl, den Garten der Wonne zu betreten? (38) Niemals! Sie wissen doch, woraus Wir sie erschufen. (39) Aber nein! Ich schwöre beim Herrn der Aufgänge und der Untergänge, dass Wir imstande sind (40), bessere als sie an ihre Stelle zu setzen, und keiner kann Uns (daran) hindern. (41) So lass sie nur plaudern und sich vergnügen, bis sie ihrem Tag begegnen, der ihnen angedroht wird (42), dem Tag, an dem sie aus ihren Gräbern eilends hervorkommen, als eilten sie zu ihren Götzenfiguren. (43) Ihre Augen werden niedergeschlagen sein; Schmach wird sie bedecken. Das ist der Tag, der ihnen angedroht wurde.“ (Der edle Koran 70:37-44)

70:36-39 - Als der Segen des zukünftigen Lebens geschildert wurde, wie etwa im letzten Versblock, spotteten die Ungläubigen darüber und taten so, als wenn sie dorthin ein Wettrennen veranstalten wollten. Im gleichen Tonfall werden sie hier getadelt.

70:40-43 - Allah (t) schwört hier bei Sich Selbst als dem Herrn der Aufgänge und der Untergänge aller Himmelskörper, einschließlich Sonne, Mond und Sterne. Es ist nicht Sein Wille, die Ungläubigen in dieser Welt durch Gläubige zu ersetzen; denn ein solcher Austausch würde nicht mit Seinem Plan einer vielfältigen menschlichen Existenz übereinstimmen, in der der Glaube immer durch den Unglauben herausgefordert und geprüft wird und umgekehrt.[12]

70:44 - Zum Ende dieser ehrwürdigen Sure folgt eine eindrucksvolle Warnung aus der Szene am Tag der Abrechnung, den die Schuldigen verleugnet haben. Gepriesen sei Allah, Der Allmächtige Gott!


 

Alles Lob gebührt Allah, Dem Herrn der Welten.

 


[1] vgl. dazu 8:32

 

[2] vgl. dazu 43:33; 76:3

 

[3] vgl. dazu den Titel "Islam International", Islamische Bibliothek / vgl. dazu 2:97; 15:29; 16:2; 22:47; 26:193; 32:4-5; 78:38; 97:4

 

[4] vgl. Übersetzung des BavariaVerlags, die in diesem Werk vorrangig vorkommt / vgl. 17:49-52 und die Anmerkung dazu

 

[5] vgl. dazu 18:29; 44:45

 

[6] vgl. dazu 101:5

 

[7] vgl. dazu 69:33-34; 104:7

 

[8] vgl. dazu 41:49-50

 

[9] vgl. dazu 51:18; ferner den Titel: "Handbuch der Zakāh und der islamischen Wirtschaftslehre", Islamische Bibliothek

 

[10] vgl. Übersetzung des BavariaVerlags, die in diesem Werk vorrangig vorkommt

 

[11] vgl. dazu 4:25; 5:1; 23:5-7; 47:4-5

 

[12] vgl. Übersetzung des BavariaVerlags, die in diesem Werk vorrangig vorkommt / vgl. dazu 37:5; 55:17; 56:75; 69:38

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


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