5. Sure: Al-Ma’ida (Der Tisch)

13-03-2020

5. Sure: Al-Ma’ida (Der Tisch)
Offenbart in Medina
120 Ayat (Verse)

 

Diese Sure erzählt, wie die Juden und Christen ihre ursprüngliche Religion korrumpierten, und dass der Islam kam, um die Menschen wieder auf den rechten Weg zu führen.[1] Es wird auf die Christen hingewiesen, von denen Allah (t) ein Versprechen entgegennahm, doch sie vergaßen einen Teil der Botschaft, die zu ihnen gesandt worden war. Dies deutet auf ihre Ablehnung gegenüber dem Propheten Muhammed, Allahs Segen und Friede auf ihm, hin, obgleich ihnen Jesus (a.s.) sein Kommen vorhergesagt hatte. Gegenüber dem Verfall dieser Gebote im Christentum und im Judentum werden die islamischen Vorschriften in Bezug auf Speisen, Reinheit und Gerechtigkeit rekapituliert. Der dritte Vers enthält die denkwürdige Erklärung: Heute habe Ich euch eure Religion vollendet und meine Gnade an euch erfüllt, und es ist mein Wille, dass der Islam (die Hingabe an Mich) euer Glaube ist. Die Sure beginnt mit einem Appell an die Menschheit, dass alle Gebote, sowohl gegenüber Allah (t) als auch den Mitmenschen, bindend sind; sie müssen deshalb erfüllt werden. Danach werden die islamischen Speisegebote verkündet. Diese haben göttliche Gründe, indem verboten wird, Geschlachtetes zu essen, über dem ein anderer Name als der Name Allahs gerufen wurde. Dem Aberglauben soll Absage erteilt werden. Der Islam will damit betonen, dass jede menschliche Handlung zu Allahs Wohlgefallen und im Einklang mit den von Ihm gesetzten Normen sein soll. Alle guten und reinen Dinge sind erlaubt. Betreffend die Beziehungen zu den "Leuten der Schrift" werden ebenfalls Gesetze offenbart, um zu zeigen, dass ein wahrer Muslim kein Vorurteil und auch keine Hassgefühle gegen Menschen anderer Religion hegen soll. Gerechtigkeit, moralische und körperliche Reinheit, sowie Aufrichtigkeit werden als der Frömmigkeit am nächsten stehend bezeichnet. Sodann spricht die Offenbarung von Juden und Christen, die ihre Versprechen und Verpflichtungen gegenüber Allah (t) brachen. Aus diesem Grunde entzog ihnen Allah (t) Seine Gnade und sie irrten hilflos umher. Trotzdem sandte Allah (t) danach zu allen einen Boten, um die Menschen zu leiten, den Propheten Muhammed (صلى الله عليه و سلم) als Überbringer einer frohen Botschaft und Warner vor dem Verderben. Die Ermordung des Sohnes Adams durch seinen Bruder zeigt, welche Behandlung Gerechte oft durch hasserfüllte Neider erleiden müssen. Doch straft Allah (t) die Ungerechten; deshalb soll der Gläubige nicht in Trauer und Hoffnungslosigkeit verfallen. Muslime müssen gerecht im Verhalten sein; denn wahre Gerechtigkeit steht mit Allahs Gesetz im Einklang. Doch gleichzeitig sollen Muslime nicht jene zu Freunden und Beschützern nehmen, „in deren Herzen Krankheit ist“ und die, die Religion als einen Scherz betrachten. Die Muslime sollen alles, was gut und erlaubt ist, genießen und Allah (t) dafür danken. Unbedachtes Schwören sowie Alkoholtrinken, Glücksspiel und alle Arten von Aberglauben, sind verboten. Verwehrt ist auch die Jagd im heiligen Bezirk von Mekka, bzw. das Töten von Tieren und das Vernichten von Pflanzen in diesem Gebiet. Falsche Zeugenaussage ist untersagt. Die von Jesus (a.s.) durch Allahs Macht und Wille vollbrachten Wunder werden aufgezählt und wie diese durch die Christen später falsch ausgelegt wurden. Das Schicksal jener, die Jesus zu Gott oder Sohn Gottes erklärten, wird kurzumrissen.

 

 

بِسْمِ اللَّـهِ الرَّحْمَـٰنِ الرَّحِيمِ

Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen!

 

يَا أَيُّهَا الَّذِينَ آمَنُوا أَوْفُوا بِالْعُقُودِ ۚ أُحِلَّتْ لَكُم بَهِيمَةُ الْأَنْعَامِ إِلَّا مَا يُتْلَىٰ عَلَيْكُمْ غَيْرَ مُحِلِّي الصَّيْدِ وَأَنتُمْ حُرُمٌ ۗ إِنَّ اللَّـهَ يَحْكُمُ مَا يُرِيدُ ﴿١﴾ يَا أَيُّهَا الَّذِينَ آمَنُوا لَا تُحِلُّوا شَعَائِرَ اللَّـهِ وَلَا الشَّهْرَ الْحَرَامَ وَلَا الْهَدْيَ وَلَا الْقَلَائِدَ وَلَا آمِّينَ الْبَيْتَ الْحَرَامَ يَبْتَغُونَ فَضْلًا مِّن رَّبِّهِمْ وَرِضْوَانًا ۚ وَإِذَا حَلَلْتُمْ فَاصْطَادُوا ۚ وَلَا يَجْرِمَنَّكُمْ شَنَآنُ قَوْمٍ أَن صَدُّوكُمْ عَنِ الْمَسْجِدِ الْحَرَامِ أَن تَعْتَدُوا ۘ وَتَعَاوَنُوا عَلَى الْبِرِّ وَالتَّقْوَىٰ ۖ وَلَا تَعَاوَنُوا عَلَى الْإِثْمِ وَالْعُدْوَانِ ۚ وَاتَّقُوا اللَّـهَ ۖ إِنَّ اللَّـهَ شَدِيدُ الْعِقَابِ ﴿٢﴾

„O ihr, die ihr glaubt, erfüllt die Verträge. Erlaubt ist euch jede Art des Viehs, mit Ausnahme dessen, was euch (in der Schrift) bekanntgegeben wird; nicht, dass ihr die Jagd als erlaubt ansehen dürft, während ihr pilgert; wahrlich, Allah richtet, wie Er will. (1) O ihr, die ihr glaubt! Entweihet weder die Glaubensausübung zur Verherrlichung Allahs, noch den heiligen Monat, noch die Opfertiere, noch die geweihten Opfertiere, noch die nach dem heiligen Hause Ziehenden, die da Gunst und Wohlgefallen von ihrem Herrn suchen. Wenn ihr den Weihezustand beendet habt, dürft ihr jagen. Und lasst euch nicht durch den Hass, den ihr gegen Leute hegt, weil sie euch von der heiligen Moschee abgehalten haben, zu Übergriffen verleiten. Und helft einander in Rechtschaffenheit und Frömmigkeit; doch helft einander nicht in Sünde und Übertretung. Und fürchtet Allah; denn Allah ist streng im Strafen.“ (Der edle Koran 5:1-2)

5:1 - Über die Speisevorschriften vgl.[2] Für die Bestimmungen der Pilgerfahrt vgl.[3] Ferner vgl.[4]

5:2 - Es war Brauch der heidnischen Araber, dass sie zu der heiligen Moschee pilgerten. In diesem Vers wird Bezug genommen auf die Ereignisse im 6. Jahr der Hijra als die Mekkaner den Muslimen aus Hass den Zugang zur heiligen Moschee verwehrten. Nach der Eroberung Mekkas durch die Muslime, wollten einige von ihnen - als Vergeltung - die Mekkaner von der Ausübung der Pilgerfahrt hindern.[5]

 

حُرِّمَتْ عَلَيْكُمُ الْمَيْتَةُ وَالدَّمُ وَلَحْمُ الْخِنزِيرِ وَمَا أُهِلَّ لِغَيْرِ اللَّـهِ بِهِ وَالْمُنْخَنِقَةُ وَالْمَوْقُوذَةُ وَالْمُتَرَدِّيَةُ وَالنَّطِيحَةُ وَمَا أَكَلَ السَّبُعُ إِلَّا مَا ذَكَّيْتُمْ وَمَا ذُبِحَ عَلَى النُّصُبِ وَأَن تَسْتَقْسِمُوا بِالْأَزْلَامِ ۚ ذَٰلِكُمْ فِسْقٌ ۗ الْيَوْمَ يَئِسَ الَّذِينَ كَفَرُوا مِن دِينِكُمْ فَلَا تَخْشَوْهُمْ وَاخْشَوْنِ ۚ الْيَوْمَ أَكْمَلْتُ لَكُمْ دِينَكُمْ وَأَتْمَمْتُ عَلَيْكُمْ نِعْمَتِي وَرَضِيتُ لَكُمُ الْإِسْلَامَ دِينًا ۚ فَمَنِ اضْطُرَّ فِي مَخْمَصَةٍ غَيْرَ مُتَجَانِفٍ لِّإِثْمٍ ۙ فَإِنَّ اللَّـهَ غَفُورٌ رَّحِيمٌ ﴿٣﴾

„Verboten ist euch das Verendete sowie Blut und Schweinefleisch und das, worüber ein anderer als Allahs Name angerufen wurde; das Erdrosselte, das zu Tode Geschlagene, das zu Tode Gestürzte oder Gestoßene und das, was Raubtiere angefressen haben, außer dem, was ihr geschlachtet habt, ferner das, was auf einem heidnischen Opferstein geschlachtet worden ist, und ferner (ist euch verboten), dass ihr durch Lospfeile das Schicksal zu erkunden sucht. Das ist eine Freveltat. Heute haben die Ungläubigen vor eurem Glauben resigniert; also fürchtet nicht sie, sondern fürchtet Mich. Heute habe Ich euch eure Religion vervollkommnet und Meine Gnade an euch vollendet und euch den Islam zur Religion erwählt. Wer aber durch Hungersnot gezwungen wird, ohne sündhafte Neigung - so ist Allah Allverzeihend, Barmherzig.“ (Der edle Koran 5:3)

5:3 - vgl. die Anmerkung zu 5:1. Dieser Vers bezeichnet das nahende Ende der Wirkung des Propheten Muhammed (صلى الله عليه و سلم); er (der Vers) wurde am Freitag, dem 9. Dhul-Hijja (im Jahre 10 der Hijra) in Arafat offenbart, und zwar als der Prophet Muhammed (صلى الله عليه و سلم) mit 120000 Muslimen die sog. Abschiedspilgerfahrt vollzog.[6]

 

يَسْأَلُونَكَ مَاذَا أُحِلَّ لَهُمْ ۖ قُلْ أُحِلَّ لَكُمُ الطَّيِّبَاتُ ۙ وَمَا عَلَّمْتُم مِّنَ الْجَوَارِحِ مُكَلِّبِينَ تُعَلِّمُونَهُنَّ مِمَّا عَلَّمَكُمُ اللَّـهُ ۖ فَكُلُوا مِمَّا أَمْسَكْنَ عَلَيْكُمْ وَاذْكُرُوا اسْمَ اللَّـهِ عَلَيْهِ ۖ وَاتَّقُوا اللَّـهَ ۚ إِنَّ اللَّـهَ سَرِيعُ الْحِسَابِ ﴿٤﴾

„Sie fragen dich, was ihnen erlaubt sei. Sprich: „Alle guten Dinge sind euch erlaubt; und was ihr die Jagdtiere gelehrt habt, indem ihr sie zur Jagd abrichtet und sie lehrt, was Allah euch gelehrt hat.“ Also esst von dem, was sie für euch fangen, und sprecht Allahs Namen darüber. Und fürchtet Allah; denn Allah ist schnell im Abrechnen.“ (Der edle Koran 5:4)

5:4 - Im vorangegangenen Vers 5:3 werden die verbotenen Dinge dargelegt, während hier in diesem Vers ist die Rede vom Erlaubten. Allah (t) lehrt uns im Koran, dass wir Seinen Namen über der Jagdbeute der abgerichteten Tiere rufen, damit sie für uns als erlaubt bezeichnet werden kann.[7]

 

الْيَوْمَ أُحِلَّ لَكُمُ الطَّيِّبَاتُ ۖ وَطَعَامُ الَّذِينَ أُوتُوا الْكِتَابَ حِلٌّ لَّكُمْ وَطَعَامُكُمْ حِلٌّ لَّهُمْ ۖ وَالْمُحْصَنَاتُ مِنَ الْمُؤْمِنَاتِ وَالْمُحْصَنَاتُ مِنَ الَّذِينَ أُوتُوا الْكِتَابَ مِن قَبْلِكُمْ إِذَا آتَيْتُمُوهُنَّ أُجُورَهُنَّ مُحْصِنِينَ غَيْرَ مُسَافِحِينَ وَلَا مُتَّخِذِي أَخْدَانٍ ۗ وَمَن يَكْفُرْ بِالْإِيمَانِ فَقَدْ حَبِطَ عَمَلُهُ وَهُوَ فِي الْآخِرَةِ مِنَ الْخَاسِرِينَ ﴿٥﴾

„Heute sind euch alle guten Dinge erlaubt. Und die Speise derer, denen die Schrift gegeben wurde, ist euch erlaubt, wie auch eure Speise ihnen erlaubt ist. Und ehrbare gläubige Frauen und ehrbare Frauen unter den Leuten, denen vor euch die Schrift gegeben wurde, wenn ihr ihnen die Brautgabe gebt, und nur für eine Ehe und nicht für Unzucht und heimliche Liebschaften. Und wer den Glauben verleugnet, dessen Tat ist ohne Zweifel zunichte geworden; und im Jenseits wird er unter den Verlierern sein.“ (Der edle Koran 5:5)

5:5 - Auf Grund dessen, dass Muhammed (صلى الله عليه و سلم) der letzte Prophet ist und mit seinem Tod es keine Botschaft mehr geben wird, so bedeutet das Wort "Heute" am Anfang des Verses so viel wie "ab heute bis Weltende". In diesem Vers handelt es sich um die Speise der Schriftbesitzer im Allgemeinen ohne Einschränkung, und zwar mit Ausnahme der ausdrücklich verbotenen Dinge für die Muslime wie Alkohol, Schweinefleisch, Blut usw. Der Vers hat ferner zur Bedeutung, dass Muslime gemeinsam mit den Schriftbesitzern, u.a. Juden und Christen, Mahlzeiten einnehmen dürfen. Fleisch geschlachteter Tiere durch Götzendiener dürfen Muslime nicht essen. Der Islam erlaubt die Mischehe zwischen muslimischen Männern und Frauen aus den Kreisen der Schriftbesitzer, um die Sozialen Beziehungen zu ihnen zu pflegen; umgekehrt - d.h. die Heirat einer muslimischen Frau mit einem Mann aus den Kreisen der Schriftbesitzer ist wegen der vorherrschaftlichen Stellung des Mannes in der Familie nicht erlaubt. Voraussetzung für die derartigen Mischehen ist, dass diese in Reinheit und Keuschheit geschlossen werden.[8]

 

يَا أَيُّهَا الَّذِينَ آمَنُوا إِذَا قُمْتُمْ إِلَى الصَّلَاةِ فَاغْسِلُوا وُجُوهَكُمْ وَأَيْدِيَكُمْ إِلَى الْمَرَافِقِ وَامْسَحُوا بِرُءُوسِكُمْ وَأَرْجُلَكُمْ إِلَى الْكَعْبَيْنِ ۚ وَإِن كُنتُمْ جُنُبًا فَاطَّهَّرُوا ۚ وَإِن كُنتُم مَّرْضَىٰ أَوْ عَلَىٰ سَفَرٍ أَوْ جَاءَ أَحَدٌ مِّنكُم مِّنَ الْغَائِطِ أَوْ لَامَسْتُمُ النِّسَاءَ فَلَمْ تَجِدُوا مَاءً فَتَيَمَّمُوا صَعِيدًا طَيِّبًا فَامْسَحُوا بِوُجُوهِكُمْ وَأَيْدِيكُم مِّنْهُ ۚ مَا يُرِيدُ اللَّـهُ لِيَجْعَلَ عَلَيْكُم مِّنْ حَرَجٍ وَلَـٰكِن يُرِيدُ لِيُطَهِّرَكُمْ وَلِيُتِمَّ نِعْمَتَهُ عَلَيْكُمْ لَعَلَّكُمْ تَشْكُرُونَ ﴿٦﴾

„O ihr, die ihr glaubt! Wenn ihr euch zum Gebet begebt, so wascht euer Gesicht und eure Hände bis zu den Ellenbogen und streicht über euren Kopf und (wascht) eure Füße bis zu den Knöcheln. Und wenn ihr im Zustande der Unreinheit seid, so reinigt euch. Und wenn ihr krank seid oder euch auf einer Reise befindet oder einer von euch von der Notdurft zurückkommt oder wenn ihr Frauen berührt habt und kein Wasser findet, so sucht reinen Sand und reibt euch damit Gesicht und Hände ab. Allah will euch nicht mit Schwierigkeiten bedrängen, sondern Er will euch nur reinigen und Seine Gnade an euch erfüllen, auf dass ihr dankbar sein mögt“ (Der edle Koran 5:6)

5:6 - [9]

 

وَاذْكُرُوا نِعْمَةَ اللَّـهِ عَلَيْكُمْ وَمِيثَاقَهُ الَّذِي وَاثَقَكُم بِهِ إِذْ قُلْتُمْ سَمِعْنَا وَأَطَعْنَا ۖ وَاتَّقُوا اللَّـهَ ۚ إِنَّ اللَّـهَ عَلِيمٌ بِذَاتِ الصُّدُورِ ﴿٧﴾ يَا أَيُّهَا الَّذِينَ آمَنُوا كُونُوا قَوَّامِينَ لِلَّـهِ شُهَدَاءَ بِالْقِسْطِ ۖ وَلَا يَجْرِمَنَّكُمْ شَنَآنُ قَوْمٍ عَلَىٰ أَلَّا تَعْدِلُوا ۚ اعْدِلُوا هُوَ أَقْرَبُ لِلتَّقْوَىٰ ۖ وَاتَّقُوا اللَّـهَ ۚ إِنَّ اللَّـهَ خَبِيرٌ بِمَا تَعْمَلُونَ ﴿٨﴾ وَعَدَ اللَّـهُ الَّذِينَ آمَنُوا وَعَمِلُوا الصَّالِحَاتِ ۙ لَهُم مَّغْفِرَةٌ وَأَجْرٌ عَظِيمٌ ﴿٩﴾ وَالَّذِينَ كَفَرُوا وَكَذَّبُوا بِآيَاتِنَا أُولَـٰئِكَ أَصْحَابُ الْجَحِيمِ ﴿١٠﴾ يَا أَيُّهَا الَّذِينَ آمَنُوا اذْكُرُوا نِعْمَتَ اللَّـهِ عَلَيْكُمْ إِذْ هَمَّ قَوْمٌ أَن يَبْسُطُوا إِلَيْكُمْ أَيْدِيَهُمْ فَكَفَّ أَيْدِيَهُمْ عَنكُمْ ۖ وَاتَّقُوا اللَّـهَ ۚ وَعَلَى اللَّـهِ فَلْيَتَوَكَّلِ الْمُؤْمِنُونَ ﴿١١﴾ 

„und gedenkt der Gnade Allahs gegen euch und des Bundes, den Er mit euch schloss, als ihr spracht: „Wir hören und gehorchen.“ Und fürchtet Allah; wahrlich, Allah weiß, was die Herzen verbergen. (7) O ihr, die ihr glaubt! Setzt euch für Allah ein und seid Zeugen der Gerechtigkeit. Und der Hass gegen eine Gruppe soll euch nicht (dazu) verleiten, anders als gerecht zu handeln. Seid gerecht, das ist der Gottesfurcht näher. Und fürchtet Allah; wahrlich, Allah ist eures Tuns kundig. (8) Allah hat denen, die glauben und gute Werke tun, verheißen, dass sie Vergebung und großen Lohn erlangen werden. (9) Die aber ungläubig sind und Unsere Zeichen verleugnen, werden Insassen der Jahim sein. (10) O ihr, die ihr glaubt! Gedenkt der Gnade Allahs über euch, als eine Gruppe die Hände nach euch auszustrecken trachtete. Er aber hielt ihre Hände von euch zurück. Und fürchtet Allah; auf Allah sollen die Gläubigen vertrauen.“ (Der edle Koran 5:7-11)

5:7 - Der Vers bezieht sich auf den Bund, den der Prophet Muhammed (صلى الله عليه و سلم) durch die beiden Abmachungen, die er mit den Delegationen aus Yathrib, dem späteren Medina, bei Al-Aqaba (einem Tal in der Nähe von Mina), etwa 14 Monate vor der Hijra und etwas später schloss.

5:8-10 - Lieben und hassen ist eine Sache des Herzens, über die der Mensch keine Herrschaft hat. Gerecht zu sein ist dagegen immer möglich. Daher ist dies ein Gebot für diejenigen, die an Allah und den Jüngsten Tag glauben. Die Erfüllung dieses göttlichen Gebots wird von Allah belohnt. Wer zuwiderhandelt ist ungläubig und ihm erwartet eine schmerzliche Strafe.[10]

5:11: Es handelt sich hier um den Feldzug von Datu-r-Riqa. Nach dem Zug gegen die Banu Nadir blieb der Prophet, Allahs Segen und Friede auf ihm, den Monat Rabi’ul-Thani bzw. Rabi‘ul-Ahir [11] und einen Teil vom Jumasa, im Jahre 4 der Hijra, in Medina. Dann begab er sich auf den Feldzug nach Naǧd gegen die Banu Muharib und die Banu Ṯa‘laba, zwei Unterstämme des Großverbandes der Banu Gatafan. Er rückte bis Naḫl vor, wo er auf eine große Menge der Banu Gatafan stieß. Beide Seiten näherten sich einander, es kam jedoch nicht zum Kampf, da jeder den Gegner fürchtete. Schließlich verrichtete der Prophet, Allahs Segen und Friede auf ihm, Salatul-Hauf (das Gebet bei Furcht)[12] und zog mit seinen Leuten wieder ab. Der Feldzug wurde Datu-r-Riqā genannt, weil sie während des Zuges ihre Fahnen mit Flicken (Riqa) ausbesserten. Ein Mann vom Stamm Banu Muharib, namens Ġauraṯ, fragte seine Stammesgefährten von Banu Gatafan und Muḥārib: „Soll ich euch nicht Muhammed töten?“ „Doch, aber wie willst du das anstellen?“, entgegneten sie ihm. „Indem ich ihn heimtückisch ermorde.“ Ġauraṯ begab sich zum Propheten, der am Boden saß und sein Schwert auf dem Schoß liegen hatte, und fragte ihn: „Muhammed, darf ich mir einmal dein Schwert betrachten?“ Der Prophet bejahte. Ġauraṯ nahm das Schwert, zog es aus der Scheide und begann, es zu schwingen, um ihn zu erschlagen, doch Allah hielt ihn davor zurück. Dann fragte Ġauraṯ: „Muhammed, hast du denn keine Angst vor mir?“ „Nein!“, antwortete der Prophet, Allahs Segen und Friede auf ihm, „weshalb sollte ich denn vor dir Angst haben?“ „Fürchtest du mich denn nicht, wenn ich das Schwert in der Hand halte?“ „Nein, Allah wird mich vor dir schützen!“ Da gab Ġauraṯ dem Propheten, Allahs Segen und Friede auf ihm, das Schwert zurück. Darauf offenbarte Allah (t) diesen Koranvers.

 

وَلَقَدْ أَخَذَ اللَّـهُ مِيثَاقَ بَنِي إِسْرَائِيلَ وَبَعَثْنَا مِنْهُمُ اثْنَيْ عَشَرَ نَقِيبًا ۖ وَقَالَ اللَّـهُ إِنِّي مَعَكُمْ ۖ لَئِنْ أَقَمْتُمُ الصَّلَاةَ وَآتَيْتُمُ الزَّكَاةَ وَآمَنتُم بِرُسُلِي وَعَزَّرْتُمُوهُمْ وَأَقْرَضْتُمُ اللَّـهَ قَرْضًا حَسَنًا لَّأُكَفِّرَنَّ عَنكُمْ سَيِّئَاتِكُمْ وَلَأُدْخِلَنَّكُمْ جَنَّاتٍ تَجْرِي مِن تَحْتِهَا الْأَنْهَارُ ۚ فَمَن كَفَرَ بَعْدَ ذَٰلِكَ مِنكُمْ فَقَدْ ضَلَّ سَوَاءَ السَّبِيلِ ﴿١٢﴾ فَبِمَا نَقْضِهِم مِّيثَاقَهُمْ لَعَنَّاهُمْ وَجَعَلْنَا قُلُوبَهُمْ قَاسِيَةً ۖ يُحَرِّفُونَ الْكَلِمَ عَن مَّوَاضِعِهِ ۙ وَنَسُوا حَظًّا مِّمَّا ذُكِّرُوا بِهِ ۚ وَلَا تَزَالُ تَطَّلِعُ عَلَىٰ خَائِنَةٍ مِّنْهُمْ إِلَّا قَلِيلًا مِّنْهُمْ ۖ فَاعْفُ عَنْهُمْ وَاصْفَحْ ۚ إِنَّ اللَّـهَ يُحِبُّ الْمُحْسِنِينَ ﴿١٣﴾ وَمِنَ الَّذِينَ قَالُوا إِنَّا نَصَارَىٰ أَخَذْنَا مِيثَاقَهُمْ فَنَسُوا حَظًّا مِّمَّا ذُكِّرُوا بِهِ فَأَغْرَيْنَا بَيْنَهُمُ الْعَدَاوَةَ وَالْبَغْضَاءَ إِلَىٰ يَوْمِ الْقِيَامَةِ ۚ وَسَوْفَ يُنَبِّئُهُمُ اللَّـهُ بِمَا كَانُوا يَصْنَعُونَ ﴿١٤﴾ 

„Wahrlich, Allah hatte einen Bund mit den Kindern Israels geschlossen; und Wir erweckten aus ihnen zwölf Führer. Und Allah sprach: „Seht, Ich bin mit euch, wenn ihr das Gebet verrichtet und die Zekat entrichtet und an Meine Gesandten glaubt und sie unterstützt und Allah ein gutes Darlehen gebt, dann werde Ich eure Missetaten tilgen und euch in Gärten führen, in denen Bäche fließen. Wer von euch aber hierauf in den Unglauben zurückfällt, der ist vom rechten Weg abgeirrt.“ (12) Deshalb, weil sie ihren Bund brachen, haben Wir sie verflucht und haben ihre Herzen verhärtet. Sie entstellten die Schrift an ihren richtigen Stellen und sie haben einen Teil von dem vergessen, woran sie gemahnt wurden. Und du wirst nicht aufhören, auf ihrer Seite - bis auf einige von ihnen - Verrat zu entdecken. Also vergib ihnen und wende dich (von ihnen) ab. Wahrlich, Allah liebt jene, die Gutes tun. (13) Und auch mit denen, die sagen: „Wir sind Christen“, schlossen Wir einen Bund; auch diese haben dann einen Teil von dem vergessen, woran sie gemahnt wurden. Darum erregten Wir Feindschaft und Hass unter ihnen bis zum Tage der Auferstehung. Und Allah wird sie wissen lassen, was sie getan haben.“ (Der edle Koran 5:12-14)

5:12 - Wie Allah (t) in 5:11 vom Bund mit den Muslimen spricht, so erinnert Er hier, wie Er genauso mit den Kindern Israels am Berg Sinai verfuhr. In Seiner unendlichen Güte nennt Allah (t) die Spende auf Seinem Weg "Darlehen", da Er dies mehrfach vermehrt.[13]

5:13 - Verflucht heißt, dass Allah (t) wegen ihres Bündnisbruches ihnen Seine reichliche Gnade entzogen hat. Dies verhärtete ihre Herzen auf zwei Arten: Sie waren nicht mehr vor den Angriffen des Bösen geschützt und wurden unzugänglich selbst für die Botschaft von Barmherzigkeit und Vergebung, die allen Geschöpfen offensteht. Der Satz: "Und du wirst nicht aufhören, auf ihrer Seite ... Verrat zu entdecken" ist an den Propheten Muhammed (صلى الله عليه و سلم) gerichtet; dies beschreibt den Zustand der Juden in der islamischen Gesellschaft in Medina. Sie versuchten immer wieder, den Propheten zu täuschen. Dies war ihr Verhalten, solange sie in Medina waren und weiterhin auch in der ganzen arabischen Halbinsel. Vergebung für ihre betrügerische Haltung ist Großmut. Es kam jedoch die Zeit, in der Vergebung und Verzeihung verwirkt wurden und Allah (t) Seinem Gesandten befahl, sie aus Medina zu verbannen.[14]

5:14 - Die hier erwähnte Feindschaft unter Christen wird durch Verlust des wahren Monotheismus und Verleugnung des Prophetentum Muhammeds bis zum Jüngsten Tag andauern. Hätten die Juden die Botschaft des Korans anerkannt, so hätten sie die Entsendung Jesu zu ihnen als der verheißene Messias anerkannt. Hätten die Christen wiederum die Botschaft des Korans anerkannt, so hätten sie sich die Rache an den Juden als "Mörder des Herrn" ersparen können, weil der Koran die Kreuzigung Jesu verneint. Hinzu kommt die Spaltung der Christenheit in verschiedenen Konfessionen und Sekten durch Spannung in der Gelehrsamkeit.[15]

 

يَا أَهْلَ الْكِتَابِ قَدْ جَاءَكُمْ رَسُولُنَا يُبَيِّنُ لَكُمْ كَثِيرًا مِّمَّا كُنتُمْ تُخْفُونَ مِنَ الْكِتَابِ وَيَعْفُو عَن كَثِيرٍ ۚ قَدْ جَاءَكُم مِّنَ اللَّـهِ نُورٌ وَكِتَابٌ مُّبِينٌ ﴿١٥﴾ يَهْدِي بِهِ اللَّـهُ مَنِ اتَّبَعَ رِضْوَانَهُ سُبُلَ السَّلَامِ وَيُخْرِجُهُم مِّنَ الظُّلُمَاتِ إِلَى النُّورِ بِإِذْنِهِ وَيَهْدِيهِمْ إِلَىٰ صِرَاطٍ مُّسْتَقِيمٍ ﴿١٦﴾

„O Leute der Schrift, Unser Gesandter ist nunmehr zu euch gekommen, um euch vieles zu enthüllen, was ihr von der Schrift geheim gehalten habt, und (er ist zu euch gekommen) um gegen vieles Nachsicht zu üben. Wahrlich, zu euch sind ein Licht von Allah und ein klares Buch gekommen. (15) Damit leitet Allah jene, die Sein Wohlgefallen suchen, auf die Wege des Friedens, und Er führt sie mit Seiner Erlaubnis aus den Finsternissen zum Licht und führt sie auf einen geraden Weg.“ (Der edle Koran 5:15-16)

5:15 - Die an die Schriftbesitzer - u.a. Juden und Christen - gerichtete Rede wird hier fortgesetzt. Sowohl bei den Christen als auch bei den Juden ist der Kern des wahren Glaubens durch die Willkür ihrer Rabbiner und Priester untergegangen. Mit dem Wort "Licht" werden hier drei Komponente bezeichnet: Zunächst wird damit Bezug genommen auf die Wahrheit in der Offenbarung des Koran, da sie die Menschen aus den Finsternissen des Unglaubens rettet; ferner wird damit der Prophet Muhammed selbst als Empfänger der Botschaft und Verkünder der Wahrheit genannt. Anschließend wird der Islam als Ganzes damit gemeint.

5:16 - Die Aussage im vorangegangenen Vers wird hier erläutert. Allah (t) leitet den, der Seinem Weg folgt, zum allumfassenden Heil. Dies schließt wiederum die Unversehrtheit des Glaubens, des gesellschaftlichen Lebens, des eigenen Heims, der Familie, des Staatswesens und aller Bereiche des menschlichen Daseins ein, und zwar, sowohl im Diesseits, als auch im Jenseits.[16]

 

لَّقَدْ كَفَرَ الَّذِينَ قَالُوا إِنَّ اللَّـهَ هُوَ الْمَسِيحُ ابْنُ مَرْيَمَ ۚ قُلْ فَمَن يَمْلِكُ مِنَ اللَّـهِ شَيْئًا إِنْ أَرَادَ أَن يُهْلِكَ الْمَسِيحَ ابْنَ مَرْيَمَ وَأُمَّهُ وَمَن فِي الْأَرْضِ جَمِيعًا ۗ وَلِلَّـهِ مُلْكُ السَّمَاوَاتِ وَالْأَرْضِ وَمَا بَيْنَهُمَا ۚ يَخْلُقُ مَا يَشَاءُ ۚ وَاللَّـهُ عَلَىٰ كُلِّ شَيْءٍ قَدِيرٌ ﴿١٧﴾ وَقَالَتِ الْيَهُودُ وَالنَّصَارَىٰ نَحْنُ أَبْنَاءُ اللَّـهِ وَأَحِبَّاؤُهُ ۚ قُلْ فَلِمَ يُعَذِّبُكُم بِذُنُوبِكُم ۖ بَلْ أَنتُم بَشَرٌ مِّمَّنْ خَلَقَ ۚ يَغْفِرُ لِمَن يَشَاءُ وَيُعَذِّبُ مَن يَشَاءُ ۚ وَلِلَّـهِ مُلْكُ السَّمَاوَاتِ وَالْأَرْضِ وَمَا بَيْنَهُمَا ۖ وَإِلَيْهِ الْمَصِيرُ ﴿١٨﴾ 

„Wahrlich, ungläubig sind diejenigen, die sagen: „Allah ist der Messias, der Sohn der Maria.“ Sprich: „Wer vermochte wohl etwas gegen Allah, wenn Er den Messias, den Sohn der Maria, seine Mutter und jene, die allesamt auf der Erde sind, vernichten will?“ Allahs ist das Königreich der Himmel und der Erde und dessen, was zwischen beiden ist. Er erschafft, was Er will; und Allah hat Macht über alle Dinge. (17) Und es sagten die Juden und die Christen: „Wir sind die Söhne Allahs und Seine Lieblinge.“ Sprich: „Warum bestraft Er euch dann für eure Sünden? Nein, ihr seid Menschen von denen, die Er erschuf.“ Er vergibt, wem Er will, und Er bestraft, wen Er will. Und Allahs ist das Königreich der Himmel und der Erde und dessen, was zwischen beiden ist, und zu Ihm ist die Heimkehr.“ (Der edle Koran 5:17-18)

5:17 - [17]

5:18: Eines Tages kamen Nu‘man Ibn Ada, Al-Bahryy und Ša‘ṣ zum Propheten (صلى الله عليه و سلم) und sprachen mit ihm. Er rief sie zum Glauben an Allah auf und warnte sie vor Seiner Vergeltung. Darauf entgegneten sie: „Du kannst uns keine Angst machen, Muhammed!“ und fuhren in der Art der Christen fort: „Wir sind die Kinder und Geliebten Allahs!“ Darüber offenbarte Allah diese Worte.

 

يَا أَهْلَ الْكِتَابِ قَدْ جَاءَكُمْ رَسُولُنَا يُبَيِّنُ لَكُمْ عَلَىٰ فَتْرَةٍ مِّنَ الرُّسُلِ أَن تَقُولُوا مَا جَاءَنَا مِن بَشِيرٍ وَلَا نَذِيرٍ ۖ فَقَدْ جَاءَكُم بَشِيرٌ وَنَذِيرٌ ۗ وَاللَّـهُ عَلَىٰ كُلِّ شَيْءٍ قَدِيرٌ ﴿١٩﴾

„O Leute der Schrift, zu euch ist nunmehr Unser Gesandter nach einer Zeitspanne zwischen den Gesandten gekommen, um euch aufzuklären, damit ihr nicht sagen könnt: „Kein Bringer froher Botschaft und kein Warner ist zu uns gekommen.“ So ist nun in Wahrheit ein Bringer froher Botschaft und ein Warner zu euch gekommen. Und Allah hat Macht über alle Dinge.“ (Der edle Koran 5:19)

5:19: Der Prophet (صلى الله عليه و سلم) forderte die Juden auf, den Islam anzunehmen, versuchte, sie dafür zu begeistern und warnte sie vor der Eifersucht und der Strafe Allahs. Sie aber wiesen ihn zurück und glaubten nicht an seine Botschaft. Da wandten sich die Gefährten des Propheten Mu‘as, Sa‘d Ibn Ubada und Uqba Ibn Wahb mit folgenden Worten an die Juden: „O Volk der Juden! Fürchtet Allah! Ihr wisst sehr wohl, dass Muhammed der Gesandte Allahs ist; denn ihr habt uns von Ihm erzählt und ihn uns beschrieben, als er noch gar nicht gesandt war.“ „Dies haben wir nie gesagt!“ erwiderten sie und behaupteten: „Seit Moses hat Allah keine Schrift mehr offenbart und keinen Verkünder froher Botschaft und keinen Warner mehr gesandt.“ Darüber sandte Allah den Koran-Vers herab.[18]

 

وَإِذْ قَالَ مُوسَىٰ لِقَوْمِهِ يَا قَوْمِ اذْكُرُوا نِعْمَةَ اللَّـهِ عَلَيْكُمْ إِذْ جَعَلَ فِيكُمْ أَنبِيَاءَ وَجَعَلَكُم مُّلُوكًا وَآتَاكُم مَّا لَمْ يُؤْتِ أَحَدًا مِّنَ الْعَالَمِينَ ﴿٢٠﴾ يَا قَوْمِ ادْخُلُوا الْأَرْضَ الْمُقَدَّسَةَ الَّتِي كَتَبَ اللَّـهُ لَكُمْ وَلَا تَرْتَدُّوا عَلَىٰ أَدْبَارِكُمْ فَتَنقَلِبُوا خَاسِرِينَ ﴿٢١﴾ قَالُوا يَا مُوسَىٰ إِنَّ فِيهَا قَوْمًا جَبَّارِينَ وَإِنَّا لَن نَّدْخُلَهَا حَتَّىٰ يَخْرُجُوا مِنْهَا فَإِن يَخْرُجُوا مِنْهَا فَإِنَّا دَاخِلُونَ ﴿٢٢﴾ قَالَ رَجُلَانِ مِنَ الَّذِينَ يَخَافُونَ أَنْعَمَ اللَّـهُ عَلَيْهِمَا ادْخُلُوا عَلَيْهِمُ الْبَابَ فَإِذَا دَخَلْتُمُوهُ فَإِنَّكُمْ غَالِبُونَ ۚ وَعَلَى اللَّـهِ فَتَوَكَّلُوا إِن كُنتُم مُّؤْمِنِينَ ﴿٢٣﴾ قَالُوا يَا مُوسَىٰ إِنَّا لَن نَّدْخُلَهَا أَبَدًا مَّا دَامُوا فِيهَا ۖ فَاذْهَبْ أَنتَ وَرَبُّكَ فَقَاتِلَا إِنَّا هَاهُنَا قَاعِدُونَ ﴿٢٤﴾ قَالَ رَبِّ إِنِّي لَا أَمْلِكُ إِلَّا نَفْسِي وَأَخِي ۖ فَافْرُقْ بَيْنَنَا وَبَيْنَ الْقَوْمِ الْفَاسِقِينَ ﴿٢٥﴾ قَالَ فَإِنَّهَا مُحَرَّمَةٌ عَلَيْهِمْ ۛ أَرْبَعِينَ سَنَةً ۛ يَتِيهُونَ فِي الْأَرْضِ ۚ فَلَا تَأْسَ عَلَى الْقَوْمِ الْفَاسِقِينَ ﴿٢٦﴾ 

„Und (damals) als Moses zu seinem Volk sagte: „O mein Volk, besinnt euch auf Allahs Huld gegen euch, als Er aus eurer Mitte Propheten erweckte und euch zu Königen machte und euch gab, was Er keinem anderen auf der Welt gegeben hat. (20) O mein Volk, betretet das Heilige Land, das Allah für euch bestimmt hat, und kehret (Ihm) nicht den Rücken; denn dann werdet ihr als Verlorene umkehren.“ (21) Sie sagten: „O Moses, siehe, dort lebt ein tyrannisches Volk, und wir werden es (das Land) nicht betreten, ehe jene es nicht verlassen haben. Doch wenn sie es verlassen, dann wollen wir dort einziehen.“ (22) Es sagten zwei Männer von denen, die gottesfürchtig waren, und denen Allah Seine Gnade erwiesen hatte: „Zieht durch das Tor ein und wendet euch gegen sie; seid ihr eingezogen, dann werdet ihr siegreich sein. Und vertraut auf Allah, wenn ihr Gläubige seid.“ (23) Sie sagten: „O Moses, nimmermehr werden wir es betreten, solange jene dort sind. Gehe denn du mit deinem Herrn und kämpft; wir bleiben hier sitzen.“ (24) Er sagte: „Mein Herr! Ich habe nur Macht über mich selbst und meinen Bruder; darum scheide Du uns von dem aufrührerischen Volk.“ (25) Er sprach: „Wahrlich, es (das Land) soll ihnen vierzig Jahre lang verwehrt sein; sie sollen auf der Erde umherirren. Und betrübe dich nicht wegen des aufrührerischen Volkes.“ (Der edle Koran 5:20-26)

5:20-21 - Mit diesen Worten nimmt der Koran die Geschichte der Kinder Israels wieder auf, auf die er in den Versen 12 und 13 hinweist, nämlich, dass sie ihren Bund gebrochen und ihren Glauben geschwächt haben. Darüber hinaus ist die folgende Geschichte direkt mit dem vorhergehenden Vers verbunden, indem Moses (a.s.) hier die Kinder Israels in seiner Eigenschaft als Überbringer froher Botschaft und Warner anspricht. Dies bezieht sich auf die lange Reihe der Propheten vor Moses, beispielsweise Abraham, Isaak, Ismael, Jakob und andere.[19]

5:22 - Die mit dem Kampf verbundenen Unannehmlichkeiten entsprachen nicht den Wunschvorstellungen der Kinder Israels. Denn in ihren Herzen fehlte der Glaube.[20]

5:23 - Auf Allah allein sollen die Gläubigen vertrauen. Gottesfurcht und Menschenfurcht können nicht nebeneinander in einem Herzen Platz finden.[21]

5:24 - Die Kinder Israels befanden sich im Aufstand gegen Moses und Aaron. Ihre Antwort an Moses mit den Worten: „Gehe denn du mit deinem Herrn und kämpft; wir bleiben hier sitzen“ war eine Gotteslästerung im wahrsten Sinne.

5:25 - Moses (a.s.) unternahm nur das Mögliche in seiner Macht, indem er die Entscheidung für sich und seinen Bruder Aaron (arab.: Harun) bezüglich des Aufruhrs gegen den Erhabenen traf; er distanzierte sich und seinen Bruder von der gewaltigen Sündhaftigkeit seines Volkes. Die ersten Muslime zur Zeit des Propheten Muhammed (صلى الله عليه و سلم) hatten sich diese Geschichte im Gedächtnis bewahrt und daraus eine Lehre gemacht als sie in der Schlacht von Badr gegen eine große Schar hoch ausgerüsteter Mekkaner kämpfen mussten. In dieser großen Not sagten sie zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede auf ihm: „O Gesandter Allahs! Wir sagen nicht zu dir, was die Kinder Israels zu ihrem Propheten gesagt hatten: »Gehe denn du mit deinem Herrn und kämpft; wir bleiben hier sitzen.“ Die koranische Erziehung für die Gläubigen zeigt hier ihre Erfolge.

5:26 - Diese ziellose Wanderung war eine Strafe für alle, die das Gebot Moses nicht folgen wollten und ihn nicht im Kampf gegen die Amelekiter unterstützten. Die Wanderung dauerte etwa von 1440 bis 1400 v.Chr. Für die jüngere Generation war es anscheinend eine Art Training, bei dem sie sich an ein hartes Leben gewöhnen und Qualitäten entwickeln sollten, die ihnen die Erfüllung ihrer Aufgabe ermöglichten.[22]

 

وَاتْلُ عَلَيْهِمْ نَبَأَ ابْنَيْ آدَمَ بِالْحَقِّ إِذْ قَرَّبَا قُرْبَانًا فَتُقُبِّلَ مِنْ أَحَدِهِمَا وَلَمْ يُتَقَبَّلْ مِنَ الْآخَرِ قَالَ لَأَقْتُلَنَّكَ ۖ قَالَ إِنَّمَا يَتَقَبَّلُ اللَّـهُ مِنَ الْمُتَّقِينَ ﴿٢٧﴾ لَئِن بَسَطتَ إِلَيَّ يَدَكَ لِتَقْتُلَنِي مَا أَنَا بِبَاسِطٍ يَدِيَ إِلَيْكَ لِأَقْتُلَكَ ۖ إِنِّي أَخَافُ اللَّـهَ رَبَّ الْعَالَمِينَ ﴿٢٨﴾ إِنِّي أُرِيدُ أَن تَبُوءَ بِإِثْمِي وَإِثْمِكَ فَتَكُونَ مِنْ أَصْحَابِ النَّارِ ۚ وَذَٰلِكَ جَزَاءُ الظَّالِمِينَ ﴿٢٩﴾ فَطَوَّعَتْ لَهُ نَفْسُهُ قَتْلَ أَخِيهِ فَقَتَلَهُ فَأَصْبَحَ مِنَ الْخَاسِرِينَ ﴿٣٠﴾ فَبَعَثَ اللَّـهُ غُرَابًا يَبْحَثُ فِي الْأَرْضِ لِيُرِيَهُ كَيْفَ يُوَارِي سَوْءَةَ أَخِيهِ ۚ قَالَ يَا وَيْلَتَىٰ أَعَجَزْتُ أَنْ أَكُونَ مِثْلَ هَـٰذَا الْغُرَابِ فَأُوَارِيَ سَوْءَةَ أَخِي ۖ فَأَصْبَحَ مِنَ النَّادِمِينَ ﴿٣١﴾

„Und verlies ihnen in Wahrheit die Geschichte von den zwei Söhnen Adams, als sie beide ein Opfer darbrachten, und es von dem einen angenommen und von dem anderen nicht angenommen wurde. Da sagte dieser: „Wahrhaftig, ich schlage dich tot.“ Jener erwiderte: „Allah nimmt nur von den Gottesfürchtigen (Opfer) an. (27) Wenn du auch deine Hand nach mir ausstreckst, um mich zu erschlagen, so werde ich doch nicht meine Hand nach dir ausstrecken, um dich zu erschlagen. Ich fürchte Allah, den Herrn der Welten. (28) Ich will, dass du die Last meiner Sünde und deiner Sünde trägst und so unter den Bewohnern des Feuers bist, und dies ist der Lohn der Frevler.“ (29) Doch er erlag dem Trieb, seinen Bruder zu töten; also erschlug er ihn und wurde einer von den Verlierern. (30) Da sandte Allah einen Raben, der auf dem Boden scharrte, um ihm zu zeigen, wie er den Leichnam seines Bruders verbergen könne. Er sagte: „Wehe mir! Bin ich nicht einmal imstande, wie dieser Rabe zu sein und den Leichnam meines Bruders zu verbergen?“ Und da wurde er reumütig.“ (Der edle Koran 5:27-31)

5:27-31 - Der Fall von den beiden Söhnen Adams, die im Koran nicht namentlich genannt werden, wird historisch als der erste Mord in der Geschichte bezeichnet. Die Worte in 5:31 zeigen die Belehrung Allahs an den Menschen in hilflosen Lagen. Hier geht es um das erste Menschenbegräbnis auf Erden.[23]

 

مِنْ أَجْلِ ذَٰلِكَ كَتَبْنَا عَلَىٰ بَنِي إِسْرَائِيلَ أَنَّهُ مَن قَتَلَ نَفْسًا بِغَيْرِ نَفْسٍ أَوْ فَسَادٍ فِي الْأَرْضِ فَكَأَنَّمَا قَتَلَ النَّاسَ جَمِيعًا وَمَنْ أَحْيَاهَا فَكَأَنَّمَا أَحْيَا النَّاسَ جَمِيعًا ۚ وَلَقَدْ جَاءَتْهُمْ رُسُلُنَا بِالْبَيِّنَاتِ ثُمَّ إِنَّ كَثِيرًا مِّنْهُم بَعْدَ ذَٰلِكَ فِي الْأَرْضِ لَمُسْرِفُونَ ﴿٣٢﴾ إِنَّمَا جَزَاءُ الَّذِينَ يُحَارِبُونَ اللَّـهَ وَرَسُولَهُ وَيَسْعَوْنَ فِي الْأَرْضِ فَسَادًا أَن يُقَتَّلُوا أَوْ يُصَلَّبُوا أَوْ تُقَطَّعَ أَيْدِيهِمْ وَأَرْجُلُهُم مِّنْ خِلَافٍ أَوْ يُنفَوْا مِنَ الْأَرْضِ ۚ ذَٰلِكَ لَهُمْ خِزْيٌ فِي الدُّنْيَا ۖ وَلَهُمْ فِي الْآخِرَةِ عَذَابٌ عَظِيمٌ ﴿٣٣﴾ إِلَّا الَّذِينَ تَابُوا مِن قَبْلِ أَن تَقْدِرُوا عَلَيْهِمْ ۖ فَاعْلَمُوا أَنَّ اللَّـهَ غَفُورٌ رَّحِيمٌ ﴿٣٤﴾

„Deshalb haben Wir den Kindern Israels verordnet, dass, wenn jemand einen Menschen tötet, ohne dass dieser einen Mord begangen hätte, oder ohne dass ein Unheil im Lande geschehen wäre, es so sein soll, als hätte er die ganze Menschheit getötet; und wenn jemand einem Menschen das Leben erhält, es so sein soll, als hätte er der ganzen Menschheit das Leben erhalten. Und Unsere Gesandten kamen mit deutlichen Zeichen zu ihnen; dennoch, selbst danach begingen viele von ihnen Ausschreitungen im Land. (32) Der Lohn derer, die gegen Allah und Seinen Gesandten Krieg führen und Verderben im Lande zu erregen trachten, soll sein, dass sie getötet oder gekreuzigt werden oder dass ihnen Hände und Füße wechselweise abgeschlagen werden oder dass sie aus dem Lande vertrieben werden. Das wird für sie eine Schmach in dieser Welt sein, und im Jenseits wird ihnen eine schwere Strafe zuteil. (33) Ausgenommen davon sind jene, die bereuen, noch ehe ihr sie in eurer Gewalt habt. So wisst, dass Allah Allvergebend, Barmherzig ist.“ (Der edle Koran 5:32-34)

5:32 - Diese Belehrung aus dem ersten Mordfall leuchtet ein; denn die Tötung eines einzigen Menschen trägt mit sich die Tötung seiner gesamten Nachkommenschaft im Lauf der Jahrtausende in der Geschichte. Wir stellen uns vor, Adam hätte noch nicht Kinder gezeugt und wäre unmittelbar nach seiner Erschaffung durch irgendeine Ursache getötet worden. Dies würde bedeuten, dass die ganze Menschheit in ihrer heutigen Milliardenzahl nicht zustande kommen könnte. Folgerichtig ist hier der Gegensatz zum Mord, nämlich die Erhaltung des Menschenlebens. Aus diesen Aspekten der Vernichtung und Erhaltung des menschlichen Lebens hat Allah (t) es den Kindern Israels zum Gesetz gemacht.[24]

5:33-34 - Wir haben mit den Bestimmungen dieses Verses einige Züge aus dem islamischen Strafrecht: Wer die Gesellschaft terrorisiert und verunsichert, der hat in der Tat Allah und Seinem Gesandten den Krieg erklärt. Anas (r) berichtete von den Leuten aus dem Stamm Uqal und Uraina, die zum Propheten (صلى الله عليه و سلم) kamen und ihre Bekennung zum Islam angaben. Der Prophet stellte ihnen aus Gastfreundschaft einige Kamelstuten als Versorgung zur Verfügung und forderte sie auf, ihr Zeltlager am Stadtrand von Medina aufzuschlagen. Als sie damit weggezogen waren, zeigten sie ihre wahre Absicht als Lügner und Räuber: Sie stachen den Hirten, die sie im Auftrag des Propheten begleitet hatten, die Augen aus, töteten sie, verstümmelten ihre Leichen und nahmen die Kamelherde als Beute mit. Als der Prophet (صلى الله عليه و سلم) dies erfuhr, schickte er eine Reitertrupp nach ihnen, die die Übeltäter zu ihm zurückholte. Als er sie für ihr Verbrechen an die friedfertige Bevölkerung bestrafen wollte, wurden diese Verse offenbart.[25]

 

يَا أَيُّهَا الَّذِينَ آمَنُوا اتَّقُوا اللَّـهَ وَابْتَغُوا إِلَيْهِ الْوَسِيلَةَ وَجَاهِدُوا فِي سَبِيلِهِ لَعَلَّكُمْ تُفْلِحُونَ ﴿٣٥﴾ إِنَّ الَّذِينَ كَفَرُوا لَوْ أَنَّ لَهُم مَّا فِي الْأَرْضِ جَمِيعًا وَمِثْلَهُ مَعَهُ لِيَفْتَدُوا بِهِ مِنْ عَذَابِ يَوْمِ الْقِيَامَةِ مَا تُقُبِّلَ مِنْهُمْ ۖ وَلَهُمْ عَذَابٌ أَلِيمٌ ﴿٣٦﴾ يُرِيدُونَ أَن يَخْرُجُوا مِنَ النَّارِ وَمَا هُم بِخَارِجِينَ مِنْهَا ۖ وَلَهُمْ عَذَابٌ مُّقِيمٌ ﴿٣٧﴾ 

„O ihr, die ihr glaubt, fürchtet Allah und trachtet danach, Ihm nahezukommen und kämpft auf Seinem Weg, auf dass ihr Erfolg haben mögt. (35) Wahrlich, die Ungläubigen - hätten sie auch alles, was auf der Erde ist, und dann nochmal so viel, um sich damit am Tage der Auferstehung von der Strafe loszukaufen - es würde doch nicht von ihnen angenommen werden; und ihnen wird eine schmerzliche Strafe zuteil sein. (36) Sie wollen dem Feuer entrinnen, doch sie werden nicht daraus entrinnen können, und ihre Pein wird immerwährend sein.“ (Der edle Koran 5:35-37)

5:35-37 - Mit Gottesfurcht ist der Wunsch verbunden, alles zu unterlassen, das dem Herrn der Welten missfällig ist, und das zu begehen, was Ihn wohlwollend macht. Nur dadurch wird man Ihm nahekommen. Zu der Suche Seiner Nähe gehört das Beste von allen Dingen, nämlich der persönliche Einsatz auf Seinem Weg.[26]

 

وَالسَّارِقُ وَالسَّارِقَةُ فَاقْطَعُوا أَيْدِيَهُمَا جَزَاءً بِمَا كَسَبَا نَكَالًا مِّنَ اللَّـهِ ۗ وَاللَّـهُ عَزِيزٌ حَكِيمٌ ﴿٣٨﴾ فَمَن تَابَ مِن بَعْدِ ظُلْمِهِ وَأَصْلَحَ فَإِنَّ اللَّـهَ يَتُوبُ عَلَيْهِ ۗ إِنَّ اللَّـهَ غَفُورٌ رَّحِيمٌ ﴿٣٩﴾ أَلَمْ تَعْلَمْ أَنَّ اللَّـهَ لَهُ مُلْكُ السَّمَاوَاتِ وَالْأَرْضِ يُعَذِّبُ مَن يَشَاءُ وَيَغْفِرُ لِمَن يَشَاءُ ۗ وَاللَّـهُ عَلَىٰ كُلِّ شَيْءٍ قَدِيرٌ ﴿٤٠﴾

„Dem Dieb und der Diebin schneidet ihr die Hände ab, als Vergeltung für das, was sie begangen haben, und als abschreckende Strafe von Allah. Und Allah ist Allmächtig, Allweise. (38) Aber wer es bereut nach seiner Freveltat und sich bessert, von dem wird Allah die Reue annehmen; denn Allah ist Allvergebend, Barmherzig. (39) Hast du nicht gewusst, dass Allah es ist, Dem das Königreich der Himmel und der Erde gehört? Er bestraft, wen Er will, und Er vergibt, wem Er will; und Allah hat Macht über alle Dinge.“ (Der edle Koran 5:38-40)

5:38 - Wie in 5:33-34 finden wir hier weitere Bestimmungen des islamischen Strafrechts. Durch seine Sozialgesetze garantiert der Islam jedem Individuum in der Gesellschaft das Recht auf Schutz seines Lebens, seines Eigentums, seiner Ehre usw., und setzt seine Mittel und Gesetze ein, um diesen Schutz wirksam zu realisieren. Zu diesen Mitteln und Gesetzen gehört die intensive Bekämpfung von Armut und Bedürftigkeit durch staatliche und gesellschaftliche Fürsorge, so dass die Begehung von Diebstahl als Notwendigkeit zum Überleben keine Rechtfertigung für das Verbrechen darstellt. Dennoch - wenn der Verdacht auf die derartige widerrechtliche Handlung auf die Not des Täters führt, so werden dafür die Bestimmungen der Notstandsgesetzgebung im Islam angewendet. Umar (r), der zweite Kalif des Islam, hat von diesen Notstandsgesetzen im sog. "Jahr der Hungersnot" Gebrauch gemacht und die Strafe im Fall der zwei Diener von Balta‘a ausgesetzt, die eine Kamelstute aus Muzaina gestohlen hatten. Er wollte zunächst die Strafe des Diebstahls vollstrecken; als ihm aber berichtet wurde, dass der Dienstherr der beiden Diener sie hungern ließ, sah er von ihrer Bestrafung ab und verurteilte ihren Dienstherrn zu einer Geldstrafe in doppelter Höhe des Wertes der gestohlenen Kamelstute. Abu Hanifa sieht bei Obst, Gemüse, Fleisch, gekochten Speisen, noch nicht eingesammeltem Getreide, Unterhaltungsartikeln und Musikinstrumenten, sowie bei herrenlosen Tieren im Wildnis und bei öffentlichem Eigentum, an dem der Dieb selbst Anteil hat, eine Ausnahme bei der Diebstahlstrafe im islamischen Recht.

5:39 - Die Tür zur Vergebung durch tätige Reue bleibt bei Allah (t) immer offen. Vorausgesetzt im Fall des Diebstahls, dass der reumütige Täter das Diebesgut seinem Besitzer zurückgibt, oder dieser auf sein Recht der Rückgabe verzichtet und dem Täter verzeiht.

5:40 - Die absolute Herrschaft in Bestrafung und Vergebung wird dadurch begründet, "dass Allah es ist, Dem das Königreich der Himmel und der Erde gehört". Dennoch muss jeder Mensch vor Augen halten, dass Allah (t) ihn nicht nur bestrafen, sondern ihm in erster Linie vergeben will. Denn Er ist der "Vergebende", und dieses Attribut gehört zu Seinen Schönsten Namen. Unser Prophet (صلى الله عليه و سلم) sagte: „Allah hat den Menschen nicht in schöner Gestalt erschaffen, um ihn im Höllenfeuer zu verbrennen.“[27]

 

يَا أَيُّهَا الرَّسُولُ لَا يَحْزُنكَ الَّذِينَ يُسَارِعُونَ فِي الْكُفْرِ مِنَ الَّذِينَ قَالُوا آمَنَّا بِأَفْوَاهِهِمْ وَلَمْ تُؤْمِن قُلُوبُهُمْ ۛ وَمِنَ الَّذِينَ هَادُوا ۛ سَمَّاعُونَ لِلْكَذِبِ سَمَّاعُونَ لِقَوْمٍ آخَرِينَ لَمْ يَأْتُوكَ ۖ يُحَرِّفُونَ الْكَلِمَ مِن بَعْدِ مَوَاضِعِهِ ۖ يَقُولُونَ إِنْ أُوتِيتُمْ هَـٰذَا فَخُذُوهُ وَإِن لَّمْ تُؤْتَوْهُ فَاحْذَرُوا ۚ وَمَن يُرِدِ اللَّـهُ فِتْنَتَهُ فَلَن تَمْلِكَ لَهُ مِنَ اللَّـهِ شَيْئًا ۚ أُولَـٰئِكَ الَّذِينَ لَمْ يُرِدِ اللَّـهُ أَن يُطَهِّرَ قُلُوبَهُمْ ۚ لَهُمْ فِي الدُّنْيَا خِزْيٌ ۖ وَلَهُمْ فِي الْآخِرَةِ عَذَابٌ عَظِيمٌ ﴿٤١﴾ سَمَّاعُونَ لِلْكَذِبِ أَكَّالُونَ لِلسُّحْتِ ۚ فَإِن جَاءُوكَ فَاحْكُم بَيْنَهُمْ أَوْ أَعْرِضْ عَنْهُمْ ۖ وَإِن تُعْرِضْ عَنْهُمْ فَلَن يَضُرُّوكَ شَيْئًا ۖ وَإِنْ حَكَمْتَ فَاحْكُم بَيْنَهُم بِالْقِسْطِ ۚ إِنَّ اللَّـهَ يُحِبُّ الْمُقْسِطِينَ ﴿٤٢﴾ وَكَيْفَ يُحَكِّمُونَكَ وَعِندَهُمُ التَّوْرَاةُ فِيهَا حُكْمُ اللَّـهِ ثُمَّ يَتَوَلَّوْنَ مِن بَعْدِ ذَٰلِكَ ۚ وَمَا أُولَـٰئِكَ بِالْمُؤْمِنِينَ ﴿٤٣﴾ إِنَّا أَنزَلْنَا التَّوْرَاةَ فِيهَا هُدًى وَنُورٌ ۚ يَحْكُمُ بِهَا النَّبِيُّونَ الَّذِينَ أَسْلَمُوا لِلَّذِينَ هَادُوا وَالرَّبَّانِيُّونَ وَالْأَحْبَارُ بِمَا اسْتُحْفِظُوا مِن كِتَابِ اللَّـهِ وَكَانُوا عَلَيْهِ شُهَدَاءَ ۚ فَلَا تَخْشَوُا النَّاسَ وَاخْشَوْنِ وَلَا تَشْتَرُوا بِآيَاتِي ثَمَنًا قَلِيلًا ۚ وَمَن لَّمْ يَحْكُم بِمَا أَنزَلَ اللَّـهُ فَأُولَـٰئِكَ هُمُ الْكَافِرُونَ ﴿٤٤﴾ 

„O du Gesandter, es sollen dich nicht jene betrüben, die hastig dem Unglauben verfallen, die mit dem Munde sagen: „Wir glauben“, jedoch im Herzen nicht glauben. Und unter den Juden sind solche, die auf jede Lüge hören; sie hören auf andere, die noch nicht zu dir gekommen sind. Sie rücken die Worte von ihren richtigen Stellen ab und sagen: „Wenn euch dies, (was wir gutheißen wollen) vorgebracht wird, so nehmt es an, doch wenn es euch nicht vorgebracht wird, dann seid auf der Hut!“ Und wen Allah in Versuchung führen will, dem wirst du mit keiner Macht gegen Allah helfen können. Das sind die, deren Herzen Allah nicht reinigen wollte; für sie ist in dieser Welt Schande, und im Jenseits wird ihnen eine große Strafe zuteil sein. (41) Sie sind notorische Lauscher hinsichtlich der Falschheit, Verschlinger von Unerlaubtem. Wenn sie nun zu dir kommen, so richte zwischen ihnen oder wende dich von ihnen ab. Und wenn du dich von ihnen abwendest, so können sie dir keinerlei Schaden zufügen; richtest du aber, so richte zwischen ihnen in Gerechtigkeit. Wahrlich, Allah liebt die Gerechten. (42) Wie aber wollen sie dich zum Richter berufen, während sie doch die Thora in ihrem Besitz haben, worin Allahs Richtspruch ist? Hierauf, und trotz alledem, kehren sie (Ihm) den Rücken; und sie sind nicht als Gläubige zu bezeichnen. (43) Wahrlich, Wir hatten die Thora, in der Führung und Licht war, herabgesandt. Damit haben die Propheten, die sich (Allah) hingaben, den Juden Recht gesprochen, und so auch die Rabbiner und die Gelehrten; denn ihnen wurde aufgetragen, das Buch Allahs zu bewahren, und sie waren seine Hüter. Darum fürchtet nicht die Menschen, sondern fürchtet Mich; und gebt nicht Meine Zeichen um einen geringen Preis hin. Und wer nicht nach dem richtet, was Allah herabgesandt hat - das sind die Ungläubigen.“ (Der edle Koran 5:41-44)

5:41 - "Und wen Allah in Versuchung führen will, dem wirst du mit keiner Macht gegen Allah helfen können": Wenn Allah jemand im Zustand der Versuchung belassen und ihn im Stich lassen will, vermagst du für ihn nichts vom Wohlwollen und Beistand Allahs zu erlangen. Das sind die, von denen Allah nicht wollte, dass Er ihnen von Seinem Wohlwollen jenes gewährt, wodurch Er ihnen die Herzen reinigen würde. Sie gehören nämlich nicht zu den Leuten, die des Wohlwollens würdig sind; denn Allah (t) weiß, dass das Wohlwollen bei ihnen ohne Nutzen und Erfolg bleiben wird.[28]

5:41ff. - Diese Verse wurden in den ersten Jahren der Hijra offenbart, als die Juden noch in Medina lebten. In dieser Periode, als sie fortwährend gegen die Muslime intrigierten, wurden sie von den Heuchlern unterstützt. Beide Gruppen verstrickten sich immer mehr im Unglauben, was den Propheten traurig machte. Allah (t) tröstet Seinen Gesandten, enthüllt der muslimischen Gemeinschaft das Streben dieser beiden Parteien und zeigt dem Propheten, wie er mit ihnen umzugehen hat. Zwei Personengruppen werden geschildert, nämlich die Heuchler und die Juden. Für beide setzte der Prophet (صلى الله عليه و سلم) sich ernsthaft und eifrig ein, und es muss eine große Enttäuschung für ihn gewesen sein, dass einige von ihnen so viel Starrsinn und Herzenskälte an den Tag legten. Allah (t) fordert Seinen Gesandten nicht auf, seine Trauer zu unterdrücken, sondern tröstet ihn, dass er durch ihre üblen Machenschaften nicht den Mut verlieren soll, und ermutigt ihn, weiter geduldig für die Umerziehung eines Volkes zu arbeiten, von dem kein anderes Verhalten zu erwarten ist. Unter den Juden gab es solche, die bereitwillig jede Verleumdung gegen den Propheten aufnahmen. Sie hörten auf Berichte von Leuten, die ihn nicht einmal gesehen hatten. Sie sagen z.B. zu denen, die zu dem Gesandten geschickt wurden, um ihn nach dem Urteil zu fragen, über einen Mann und eine Frau von ihnen, die Ehebruch begangen hatten, und die sie nicht steinigen lassen wollten, wie es ihr Gesetz vorschrieb: „Wenn euch von Mohammed die Erlaubnis gegeben wird, die beiden auszupeitschen, statt sie zu steinigen, so akzeptiert es, und wenn nicht, dann hütet euch davor, es anzunehmen oder zu billigen.“ Als sie zum Propheten kamen, fragte er sie nach der Strafe für Ehebruch, wie sie in der Thora steht, und sie sagten: „Sie werden bloßgestellt und ausgepeitscht.“ Als sie aber die Thora aufschlugen, verbarg einer von ihnen den Vers über die Steinigung und las, was davor und danach stand. Da befahl ihm Abdullah Ibn Sallam, die Hand hochzuheben, und der Vers wurde sichtbar, und sie gestanden, dass Muhammed, der Gesandte Allahs die Wahrheit gesagt hatte.[29]

5:44 - Die Propheten zwischen Moses und Jesus sollten nach den Bestimmungen der Thora für die Juden entscheiden, indem sie sie zum Beachten dieser Bestimmung anhielten und keine Abweichung davon zuließen. Genauso machte es der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede auf ihm, als er die Muslime zum Beachten der Steinigungsbestimmung für Ehebrecher anhielt, ihnen trotzte und ihnen das Auspeitschen abschlug, das sie als eine mildere Strafe eingesetzt haben wollten. In derselben Weise sollte die Entscheidung der Rabbiner, Gelehrten und Muslime erfolgen, weil die Propheten die Schrift Allahs und die Erfüllung ihrer Bestimmungen ihrer Obhut anvertraut haben und weil sie zu Zeugen darüber geworden sind. Nach Ibn Abbas (r) sind die Ungläubigen, Frevler und Ruchlosen die Leute der Schrift. Von ihm ist folgendes Wort überliefert: Muslime! Gute Leute seid ihr! Das Angenehme gehört euch, das Unangenehme den Leuten der Schrift. Wer die Bestimmung Allahs leugnet, ist ein Ungläubiger. Wer nicht nach ihr entscheidet, sie aber anerkennt, ist ein ruchloser Frevler.[30]

 

وَكَتَبْنَا عَلَيْهِمْ فِيهَا أَنَّ النَّفْسَ بِالنَّفْسِ وَالْعَيْنَ بِالْعَيْنِ وَالْأَنفَ بِالْأَنفِ وَالْأُذُنَ بِالْأُذُنِ وَالسِّنَّ بِالسِّنِّ وَالْجُرُوحَ قِصَاصٌ ۚ فَمَن تَصَدَّقَ بِهِ فَهُوَ كَفَّارَةٌ لَّهُ ۚ وَمَن لَّمْ يَحْكُم بِمَا أَنزَلَ اللَّـهُ فَأُولَـٰئِكَ هُمُ الظَّالِمُونَ ﴿٤٥﴾

„Wir hatten ihnen darin vorgeschrieben: Leben um Leben, Auge um Auge, Nase um Nase, Ohr um Ohr und Zahn um Zahn; und für Verwundungen gerechte Vergeltung. Wer aber darauf verzichtet, dem soll das eine Sühne sein; und wer nicht nach dem richtet, was Allah herabgesandt hat - das sind die Ungerechten.“ (Der edle Koran 5:45)

5:45 - Diese strafrechtlichen Bestimmungen der Thora gelten entsprechend im islamischen Recht und werden in ihrem Kern verwendet, jedoch unter Vorbehalt, dass das Opfer einer verbrecherischen Tat dem Täter als Sühne für sich selbst vergeben kann. Dies entspricht der Vergebungslehre von Jesus und Muhammed. Denn unser Prophet (صلى الله عليه و سلم) sagte: „Wenn jemand einen anderen verletzt und dieser auf die Vergeltung verzichtet, werden ihm so viel von seinen Sünden getilgt, wie seine Vergebung ausmacht.“[31]

 

وَقَفَّيْنَا عَلَىٰ آثَارِهِم بِعِيسَى ابْنِ مَرْيَمَ مُصَدِّقًا لِّمَا بَيْنَ يَدَيْهِ مِنَ التَّوْرَاةِ ۖ وَآتَيْنَاهُ الْإِنجِيلَ فِيهِ هُدًى وَنُورٌ وَمُصَدِّقًا لِّمَا بَيْنَ يَدَيْهِ مِنَ التَّوْرَاةِ وَهُدًى وَمَوْعِظَةً لِّلْمُتَّقِينَ ﴿٤٦﴾ وَلْيَحْكُمْ أَهْلُ الْإِنجِيلِ بِمَا أَنزَلَ اللَّـهُ فِيهِ ۚ وَمَن لَّمْ يَحْكُم بِمَا أَنزَلَ اللَّـهُ فَأُولَـٰئِكَ هُمُ الْفَاسِقُونَ ﴿٤٧﴾

„Und Wir ließen ihnen Jesus, den Sohn der Maria, folgen; zur Bestätigung dessen, was vor ihm in der Thora war; und Wir gaben ihm das Evangelium, worin Rechtleitung und Licht war, zur Bestätigung dessen, was vor ihm in der Thora war und als Rechtleitung und Ermahnung für die Gottesfürchtigen. (46) Und die Leute des Evangeliums sollen sich nach dem richten, was Allah darin offenbart hat; und die sich nicht nach dem richten, was Allah herabgesandt hat - das sind die (wahren) Frevler.“ (Der edle Koran 5:46-47)

5:46-47 - Jesus (a.s.) hat keine neue Religion gegründet; er bestätigte lediglich, was den Propheten vor ihm offenbart wurde. Allah (t) gab Jesus das Evangelium als frohe Botschaft, Licht und Rechtleitung, die von den Juden befolgt werden muss.[32]

 

وَأَنزَلْنَا إِلَيْكَ الْكِتَابَ بِالْحَقِّ مُصَدِّقًا لِّمَا بَيْنَ يَدَيْهِ مِنَ الْكِتَابِ وَمُهَيْمِنًا عَلَيْهِ ۖ فَاحْكُم بَيْنَهُم بِمَا أَنزَلَ اللَّـهُ ۖ وَلَا تَتَّبِعْ أَهْوَاءَهُمْ عَمَّا جَاءَكَ مِنَ الْحَقِّ ۚ لِكُلٍّ جَعَلْنَا مِنكُمْ شِرْعَةً وَمِنْهَاجًا ۚ وَلَوْ شَاءَ اللَّـهُ لَجَعَلَكُمْ أُمَّةً وَاحِدَةً وَلَـٰكِن لِّيَبْلُوَكُمْ فِي مَا آتَاكُمْ ۖ فَاسْتَبِقُوا الْخَيْرَاتِ ۚ إِلَى اللَّـهِ مَرْجِعُكُمْ جَمِيعًا فَيُنَبِّئُكُم بِمَا كُنتُمْ فِيهِ تَخْتَلِفُونَ ﴿٤٨﴾ وَأَنِ احْكُم بَيْنَهُم بِمَا أَنزَلَ اللَّـهُ وَلَا تَتَّبِعْ أَهْوَاءَهُمْ وَاحْذَرْهُمْ أَن يَفْتِنُوكَ عَن بَعْضِ مَا أَنزَلَ اللَّـهُ إِلَيْكَ ۖ فَإِن تَوَلَّوْا فَاعْلَمْ أَنَّمَا يُرِيدُ اللَّـهُ أَن يُصِيبَهُم بِبَعْضِ ذُنُوبِهِمْ ۗ وَإِنَّ كَثِيرًا مِّنَ النَّاسِ لَفَاسِقُونَ ﴿٤٩﴾ أَفَحُكْمَ الْجَاهِلِيَّةِ يَبْغُونَ ۚ وَمَنْ أَحْسَنُ مِنَ اللَّـهِ حُكْمًا لِّقَوْمٍ يُوقِنُونَ ﴿٥٠﴾

„Und Wir haben das Buch mit der Wahrheit zu dir herabgesandt, das bestätigt, was von der Schrift vor ihm da war und darüber Gewissheit gibt; richte also zwischen ihnen nach dem, was Allah herabgesandt hat und folge nicht ihren Neigungen, von der Wahrheit abzuweichen, die zu dir gekommen ist. Für jeden von euch haben Wir Richtlinien und eine Laufbahn bestimmt. Und wenn Allah gewollt hätte, hätte Er euch zu einer einzigen Gemeinde gemacht. Er wollte euch aber in alledem, was Er euch gegeben hat, auf die Probe stellen. Darum sollt ihr um die guten Dinge wetteifern. Zu Allah werdet ihr allesamt zurückkehren; und dann wird Er euch das kundtun, worüber ihr uneins wart. (48) Und du sollst zwischen ihnen nach dem richten, was von Allah herabgesandt wurde; und folge nicht ihren Neigungen, und sei vor ihnen auf der Hut, damit sie dich nicht bedrängen und von einem Teil dessen, was Allah zu dir herabgesandt hat, wegtreiben. Wenden sie sich jedoch (von dir) ab, so wisse, dass Allah sie für etliche ihrer Sünden zu treffen gedenkt. Wahrlich, viele der Menschen sind Frevler. (49) Wünschen sie etwa die Richtlinien der Jahiliyya? Und wer ist ein besserer Richter als Allah für ein Volk, das fest im Glauben ist?“ (Der edle Koran 5:48-50)

5:48-49 - Der Koran bestätigt die Wahrheit früherer Offenbarungen. Sowohl der Koran als auch die anderen Schriften, die Allah (t) in verschiedenen Epochen offenbart hat, sind in ihrer Kernaussage eine und dasselbe "Schrift" gewesen. "Gewissheit" bedeutet: Garantie und Unversehrtheit. Der Koran ermahnt in diesem Vers, der Prophet (صلى الله عليه و سلم) soll stets wachsam sein und nach der offenbarten Schrift richten.[33]

5:50 - "Jahiliyya" =  Die Unwissenheit - ist Terminus technicus für die Zeit vor dem Islam.

 

يَا أَيُّهَا الَّذِينَ آمَنُوا لَا تَتَّخِذُوا الْيَهُودَ وَالنَّصَارَىٰ أَوْلِيَاءَ ۘ بَعْضُهُمْ أَوْلِيَاءُ بَعْضٍ ۚ وَمَن يَتَوَلَّهُم مِّنكُمْ فَإِنَّهُ مِنْهُمْ ۗ إِنَّ اللَّـهَ لَا يَهْدِي الْقَوْمَ الظَّالِمِينَ ﴿٥١﴾ فَتَرَى الَّذِينَ فِي قُلُوبِهِم مَّرَضٌ يُسَارِعُونَ فِيهِمْ يَقُولُونَ نَخْشَىٰ أَن تُصِيبَنَا دَائِرَةٌ ۚ فَعَسَى اللَّـهُ أَن يَأْتِيَ بِالْفَتْحِ أَوْ أَمْرٍ مِّنْ عِندِهِ فَيُصْبِحُوا عَلَىٰ مَا أَسَرُّوا فِي أَنفُسِهِمْ نَادِمِينَ ﴿٥٢﴾ وَيَقُولُ الَّذِينَ آمَنُوا أَهَـٰؤُلَاءِ الَّذِينَ أَقْسَمُوا بِاللَّـهِ جَهْدَ أَيْمَانِهِمْ ۙ إِنَّهُمْ لَمَعَكُمْ ۚ حَبِطَتْ أَعْمَالُهُمْ فَأَصْبَحُوا خَاسِرِينَ ﴿٥٣﴾

„O ihr, die ihr glaubt! Nehmt nicht die Juden und die Christen zu Beschützern. Sie sind einander Beschützer. Und wer sie von euch zu Beschützern nimmt, der gehört wahrlich zu ihnen. Wahrlich, Allah weist nicht dem Volk der Ungerechten den Weg. (51) Und du wirst jene sehen, deren Herzen von Krankheit befallen sind, (und die) zu ihnen hineilen; sie sagen: „Wir fürchten, es könnte uns ein Unglück befallen.“ Möge Allah den Sieg oder sonst ein Ereignis herbeiführen. Dann werden sie bereuen, was sie in ihren Herzen verbargen. (52) Und die Gläubigen werden sagen: „Sind das etwa jene, die mit ihren feierlichsten Eiden bei Allah schworen, dass sie unverbrüchlich zu euch stünden?“ Eitel sind ihre Werke, und sie sind zu Verlierern geworden.“ (Der edle Koran 5:51-53)

5:51-52 - Derartiges Verbot bezieht sich nicht auf das friedliche Zusammenleben innerhalb der Gesellschaft, der Nachbarschaft und der sozialen Beziehungen; denn unser Prophet selbst hat solche Beziehungen in voller Güte gepflegt, und der Koran bestätigt dies wie folgt: „Allah verbietet euch nicht, gegen jene, die euch nicht des Glaubens wegen bekämpft haben und euch nicht aus euren Häusern vertrieben haben, gütig zu sein und redlich mit ihnen zu verfahren ...“ (60:8).[34]

5:53 - Als die Entscheidung fiel und Allah (t) dem Islam den Sieg gab, war ihre Lage peinlich. Nicht nur wurden sie von den Muslimen abgelehnt, sondern die Muslime konnten ihren Feinden vorwerfen: "Sind das die Leute, die euch ihre Freundschaft beteuert haben? Was war euch ihre Freundschaft wert? Wo stehen sie jetzt?" Ihre Freundschaft mit den Juden brachte ihnen keinen Gewinn: von Juden und Muslimen gleichermaßen beargwöhnt, hatten die Heuchler sich überall unglaubwürdig gemacht. Alle dem islamischen Gesetz entsprechenden Handlungen waren für die Heuchler hinfällig, weil keine Aufrichtigkeit darin lag. Ihre Loyalität war zwischen Allah (t) und Seinen Feinden zugunsten ihrer eigenen weltlichen Interessen geteilt.[35]

 

يَا أَيُّهَا الَّذِينَ آمَنُوا مَن يَرْتَدَّ مِنكُمْ عَن دِينِهِ فَسَوْفَ يَأْتِي اللَّـهُ بِقَوْمٍ يُحِبُّهُمْ وَيُحِبُّونَهُ أَذِلَّةٍ عَلَى الْمُؤْمِنِينَ أَعِزَّةٍ عَلَى الْكَافِرِينَ يُجَاهِدُونَ فِي سَبِيلِ اللَّـهِ وَلَا يَخَافُونَ لَوْمَةَ لَائِمٍ ۚ ذَٰلِكَ فَضْلُ اللَّـهِ يُؤْتِيهِ مَن يَشَاءُ ۚ وَاللَّـهُ وَاسِعٌ عَلِيمٌ ﴿٥٤﴾ إِنَّمَا وَلِيُّكُمُ اللَّـهُ وَرَسُولُهُ وَالَّذِينَ آمَنُوا الَّذِينَ يُقِيمُونَ الصَّلَاةَ وَيُؤْتُونَ الزَّكَاةَ وَهُمْ رَاكِعُونَ ﴿٥٥﴾ وَمَن يَتَوَلَّ اللَّـهَ وَرَسُولَهُ وَالَّذِينَ آمَنُوا فَإِنَّ حِزْبَ اللَّـهِ هُمُ الْغَالِبُونَ ﴿٥٦﴾

„O ihr, die ihr glaubt, wer sich von euch von seinem Glauben abkehrt, wisst, Allah wird bald ein anderes Volk bringen, das Er liebt und das Ihn liebt, (das) demütig gegen die Gläubigen und hart gegen die Ungläubigen (ist); sie werden auf Allahs Weg kämpfen und werden den Vorwurf des Tadelnden nicht fürchten. Das ist Allahs Huld; Er gewährt sie, wem Er will; denn Allah ist Allumfassend, Allwissend. (54) Eure Beschützer sind wahrlich Allah und Sein Gesandter und die Gläubigen, die das Gebet verrichten, die Zekat entrichten und sich (vor Allah) verneigen. (55) Und wer Allah und Seinen Gesandten und die Gläubigen zu Beschützern nimmt, der soll wissen, dass Allahs Schar es ist, die siegreich sein wird.“ (Der edle Koran 5:54-56)

5:54-56 - [36]

 

يَا أَيُّهَا الَّذِينَ آمَنُوا لَا تَتَّخِذُوا الَّذِينَ اتَّخَذُوا دِينَكُمْ هُزُوًا وَلَعِبًا مِّنَ الَّذِينَ أُوتُوا الْكِتَابَ مِن قَبْلِكُمْ وَالْكُفَّارَ أَوْلِيَاءَ ۚ وَاتَّقُوا اللَّـهَ إِن كُنتُم مُّؤْمِنِينَ ﴿٥٧﴾ وَإِذَا نَادَيْتُمْ إِلَى الصَّلَاةِ اتَّخَذُوهَا هُزُوًا وَلَعِبًا ۚ ذَٰلِكَ بِأَنَّهُمْ قَوْمٌ لَّا يَعْقِلُونَ ﴿٥٨﴾ 

„O ihr, die ihr glaubt, nehmt euch nicht die zu Beschützern - von jenen, denen vor euch die Schrift gegeben wurde, und von den Ungläubigen, die mit eurem Glauben Spott und Scherz treiben - und fürchtet Allah, wenn ihr Gläubige seid. (57) Und wenn ihr zum Gebet ruft, treiben sie damit ihren Spott und Scherz. Dies (ist so), weil sie Leute sind, die es nicht begreifen.“ (Der edle Koran 5:57-58)

5:57-58 - Es ist nicht richtig, eine enge Verbindung mit Menschen einzugehen, für die Religion lächerlich oder nicht ernstzunehmend ist. Eine Verbindung mit ihnen stellt den Ernst des Glaubens in Frage und macht den Menschen verletzend und unaufrichtig. In 5:56 ist eine Warnung an die Heuchler, die sich als Muslime ausgaben, in Wirklichkeit jedoch ihren eigenen Interessen dienten und voller Skepsis und Zweifel an der Zukunft des Islam den Lauf der Dinge beobachteten. Sie werden aufgefordert, alle Ängste und Befürchtungen aufzugeben und als aufrichtige Muslime zu leben, die nur Allah (t) fürchten. Die Spötter unter den Götzendienern wie auch unter den Schriftbesitzern. Ihre Handlungsweise selbst beweist ihre Unverständigkeit.[37]

 

قُلْ يَا أَهْلَ الْكِتَابِ هَلْ تَنقِمُونَ مِنَّا إِلَّا أَنْ آمَنَّا بِاللَّـهِ وَمَا أُنزِلَ إِلَيْنَا وَمَا أُنزِلَ مِن قَبْلُ وَأَنَّ أَكْثَرَكُمْ فَاسِقُونَ ﴿٥٩﴾ قُلْ هَلْ أُنَبِّئُكُم بِشَرٍّ مِّن ذَٰلِكَ مَثُوبَةً عِندَ اللَّـهِ ۚ مَن لَّعَنَهُ اللَّـهُ وَغَضِبَ عَلَيْهِ وَجَعَلَ مِنْهُمُ الْقِرَدَةَ وَالْخَنَازِيرَ وَعَبَدَ الطَّاغُوتَ ۚ أُولَـٰئِكَ شَرٌّ مَّكَانًا وَأَضَلُّ عَن سَوَاءِ السَّبِيلِ ﴿٦٠﴾ وَإِذَا جَاءُوكُمْ قَالُوا آمَنَّا وَقَد دَّخَلُوا بِالْكُفْرِ وَهُمْ قَدْ خَرَجُوا بِهِ ۚ وَاللَّـهُ أَعْلَمُ بِمَا كَانُوا يَكْتُمُونَ ﴿٦١﴾ وَتَرَىٰ كَثِيرًا مِّنْهُمْ يُسَارِعُونَ فِي الْإِثْمِ وَالْعُدْوَانِ وَأَكْلِهِمُ السُّحْتَ ۚ لَبِئْسَ مَا كَانُوا يَعْمَلُونَ ﴿٦٢﴾ لَوْلَا يَنْهَاهُمُ الرَّبَّانِيُّونَ وَالْأَحْبَارُ عَن قَوْلِهِمُ الْإِثْمَ وَأَكْلِهِمُ السُّحْتَ ۚ لَبِئْسَ مَا كَانُوا يَصْنَعُونَ ﴿٦٣﴾

„Sprich: „O Leute der Schrift, ihr grollt uns nur deswegen, weil wir an Allah und an das glauben, was zu uns herabgesandt und was schon vorher herabgesandt wurde, und weil die meisten von euch Frevler sind.“ (59) Sprich: „Soll ich euch über die belehren, deren Lohn bei Allah noch schlimmer ist als das? Es sind jene, die Allah verflucht hat und denen Er zürnt und aus denen Er Affen, Schweine und Götzendiener gemacht hat. Diese befinden sich in einer noch schlimmeren Lage und sind noch weiter vom rechten Weg abgeirrt.“ (60) Und wenn sie zu euch kommen, sagen sie: „Wir glauben“, während sie doch mit Unglauben eintreten und in diesem fortgehen; und Allah weiß am besten, was sie verborgen halten. (61) Und du siehst, wie viele von ihnen in Sünde und Übertretung und im Verzehr verbotener Dinge wetteifern. Übel ist wahrlich, was sie getan haben. (62) Warum untersagen ihnen die Rabbiner und die Schriftgelehrten nicht ihre sündige Rede und ihren Verzehr von Verbotenem? Übel ist wahrlich, was sie getrieben haben.“ (Der edle Koran 5:59-63)

5:59: Bei der Erwähnung Jesu leugneten die Juden seine Prophetenschaft und sprachen: „Wir glauben nicht an Jesus, den Sohn der Maria, und an niemanden, der an diesen glaubt.2 Darüber offenbarte Allah (t) den Koranvers.

5:60-62 - Bei manchen Kommentatoren wird der Satz "... und aus denen Er Affen, Schweine und Götzendiener gemacht hat" im wahrsten Sinne verstanden.[38]

5:63 - Ibn Abbas berichtete: „Es gibt keinen schlimmeren Tadel im Koran, als in diesem Vers.“ Somit gilt dieser Vers als ein Beweismittel gegen die Gelehrten, wenn sie ihre Aufgabe rechtzuleiten und zu betreuen vernachlässigen und das Verbot von Ungerechtigkeiten und Schlechtigkeiten umgehen. Dies ist fürwahr die Stimme des Warners für die Anhänger aller Religionen. Denn die Rechtschaffenheit oder die Fehlerhaftigkeit einer Gesellschaft hängt von der Beharrlichkeit der Wahrer des Gesetzes Allahs und ihrem Pflichtbewusstsein ab, das Gute zu gebieten und das Böse zu verbieten.[39]

 

وَقَالَتِ الْيَهُودُ يَدُ اللَّـهِ مَغْلُولَةٌ ۚ غُلَّتْ أَيْدِيهِمْ وَلُعِنُوا بِمَا قَالُوا ۘ بَلْ يَدَاهُ مَبْسُوطَتَانِ يُنفِقُ كَيْفَ يَشَاءُ ۚ وَلَيَزِيدَنَّ كَثِيرًا مِّنْهُم مَّا أُنزِلَ إِلَيْكَ مِن رَّبِّكَ طُغْيَانًا وَكُفْرًا ۚ وَأَلْقَيْنَا بَيْنَهُمُ الْعَدَاوَةَ وَالْبَغْضَاءَ إِلَىٰ يَوْمِ الْقِيَامَةِ ۚ كُلَّمَا أَوْقَدُوا نَارًا لِّلْحَرْبِ أَطْفَأَهَا اللَّـهُ ۚ وَيَسْعَوْنَ فِي الْأَرْضِ فَسَادًا ۚ وَاللَّـهُ لَا يُحِبُّ الْمُفْسِدِينَ ﴿٦٤﴾ وَلَوْ أَنَّ أَهْلَ الْكِتَابِ آمَنُوا وَاتَّقَوْا لَكَفَّرْنَا عَنْهُمْ سَيِّئَاتِهِمْ وَلَأَدْخَلْنَاهُمْ جَنَّاتِ النَّعِيمِ ﴿٦٥﴾ وَلَوْ أَنَّهُمْ أَقَامُوا التَّوْرَاةَ وَالْإِنجِيلَ وَمَا أُنزِلَ إِلَيْهِم مِّن رَّبِّهِمْ لَأَكَلُوا مِن فَوْقِهِمْ وَمِن تَحْتِ أَرْجُلِهِم ۚ مِّنْهُمْ أُمَّةٌ مُّقْتَصِدَةٌ ۖ وَكَثِيرٌ مِّنْهُمْ سَاءَ مَا يَعْمَلُونَ ﴿٦٦﴾ 

„Und die Juden sagen: „Die Hand Allahs ist gefesselt.“ Ihre Hände sollen gefesselt sein, und sie sollen verflucht sein um dessentwillen, was sie da sprechen. Nein, Seine Hände sind weit offen; Er spendet, wie Er will. Und was auf dich von deinem Herrn herabgesandt wurde, wird gewiss viele von ihnen in ihrem Aufruhr und Unglauben noch bestärken. Und Wir haben unter ihnen Hass und Zwietracht bis zum Tage der Auferstehung gesät. Sooft sie ein Feuer für den Krieg anzündeten, löschte Allah es aus, und sie trachteten nur nach Unheil auf Erden; und Allah liebt nicht die Unheilstifter. (64) Wenn die Leute der Schrift geglaubt hätten und gottesfürchtig gewesen wären, hätten Wir gewiss ihre Übel von ihnen hinweggenommen und Wir hätten sie gewiss in die Gärten der Wonne geführt. (65) Und hätten sie die Thora befolgt und das Evangelium und das, was zu ihnen von ihrem Herrn herabgesandt wurde, würden sie sicherlich über sich und zu ihren Füßen Nahrung finden. Es gibt unter ihnen Leute, die Mäßigung üben; doch viele von ihnen verrichten üble Dinge.“ (Der edle Koran 5:64-66)

5:64-66 - Die Aussage der Juden bezieht sich auf die Armut der Muslime in Medina zur Zeit des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede auf ihm.[40]

 

يَا أَيُّهَا الرَّسُولُ بَلِّغْ مَا أُنزِلَ إِلَيْكَ مِن رَّبِّكَ ۖ وَإِن لَّمْ تَفْعَلْ فَمَا بَلَّغْتَ رِسَالَتَهُ ۚ وَاللَّـهُ يَعْصِمُكَ مِنَ النَّاسِ ۗ إِنَّ اللَّـهَ لَا يَهْدِي الْقَوْمَ الْكَافِرِينَ ﴿٦٧﴾

„O du Gesandter! Verkünde, was zu dir von deinem Herrn herabgesandt wurde; und wenn du es nicht tust, so hast du Seine Botschaft nicht verkündigt. Und Allah wird dich vor den Menschen schützen. Wahrlich, Allah weist den ungläubigen Leuten nicht den Weg.“ (Der edle Koran 5:67)

5:67 - Der Vers ist an Muhammed, den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede auf ihm, gerichtet. Die Satzaussage umreißt die Art des Verkündungsauftrags des Propheten. Von Jabir und Ibn Abbas wurde überliefert, dass der Prophet (صلى الله عليه و سلم) ständig von seinen Gefährten bewacht wurde, und dass sein Onkel täglich zu seiner Bewachung Männer der Banu Haschim mit ihm geschickt hat, bis dieser Vers offenbart wurde. Der Prophet selbst sagte dann: „O mein Onkel, da Allah mich beschützt, brauche ich deine Männer nicht mehr.“ Mit dem Wort "Menschen" in diesem Vers sind jene Ungläubigen gemeint. Hier wird Bezug genommen auf die Ereignisse der "Hijra".[41]

 

قُلْ يَا أَهْلَ الْكِتَابِ لَسْتُمْ عَلَىٰ شَيْءٍ حَتَّىٰ تُقِيمُوا التَّوْرَاةَ وَالْإِنجِيلَ وَمَا أُنزِلَ إِلَيْكُم مِّن رَّبِّكُمْ ۗ وَلَيَزِيدَنَّ كَثِيرًا مِّنْهُم مَّا أُنزِلَ إِلَيْكَ مِن رَّبِّكَ طُغْيَانًا وَكُفْرًا ۖ فَلَا تَأْسَ عَلَى الْقَوْمِ الْكَافِرِينَ ﴿٦٨﴾ إِنَّ الَّذِينَ آمَنُوا وَالَّذِينَ هَادُوا وَالصَّابِئُونَ وَالنَّصَارَىٰ مَنْ آمَنَ بِاللَّـهِ وَالْيَوْمِ الْآخِرِ وَعَمِلَ صَالِحًا فَلَا خَوْفٌ عَلَيْهِمْ وَلَا هُمْ يَحْزَنُونَ ﴿٦٩﴾

„Sprich: „O Leute der Schrift, ihr fußt auf nichts, ehe ihr nicht die Thora und das Evangelium und das in die Tat umsetzt, was von eurem Herrn zu euch herabgesandt wurde.“ Aber gewiss, das, was von deinem Herrn zu dir herabgesandt wurde, wird viele von ihnen in ihrem Aufruhr und Unglauben bestärken. Darum betrübe dich nicht über die ungläubigen Leute. (68) Jene, die geglaubt haben, und die Juden und die Sabäer und die Christen - wer an Allah glaubt, den Jüngsten Tag und gute Werke tut, keine Furcht soll über sie kommen, noch sollen sie traurig sein.“ (Der edle Koran 5:68-69)

5:68-69 - Mit dem Ausdruck "Leute der Schrift" sind u.a. Juden und Christen gemeint. Hätten Juden und Christen zur Zeit der Offenbarung des Korans ihre wahren Lehren in der Thora und im Evangelium befolgt, dann wären sie dem Islam gegenüber nicht feindlich gesinnt gewesen.[42]

 

لَقَدْ أَخَذْنَا مِيثَاقَ بَنِي إِسْرَائِيلَ وَأَرْسَلْنَا إِلَيْهِمْ رُسُلًا ۖ كُلَّمَا جَاءَهُمْ رَسُولٌ بِمَا لَا تَهْوَىٰ أَنفُسُهُمْ فَرِيقًا كَذَّبُوا وَفَرِيقًا يَقْتُلُونَ ﴿٧٠﴾ وَحَسِبُوا أَلَّا تَكُونَ فِتْنَةٌ فَعَمُوا وَصَمُّوا ثُمَّ تَابَ اللَّـهُ عَلَيْهِمْ ثُمَّ عَمُوا وَصَمُّوا كَثِيرٌ مِّنْهُمْ ۚ وَاللَّـهُ بَصِيرٌ بِمَا يَعْمَلُونَ ﴿٧١﴾ 

„Wahrlich, Wir hatten einen Bund mit den Kindern Israels geschlossen und Gesandte zu ihnen geschickt. Sooft aber Gesandte zu ihnen mit etwas kamen, was ihre Herzen nicht begehrten, erklärten sie einige von ihnen für Lügner und brachten andere um. (70) Und sie dachten, dies würde keine Verwirrung zur Folge haben; so wurden sie blind und taub. Dann wandte Sich Allah ihnen gnädig wieder zu; trotzdem wurden viele von ihnen abermals blind und taub; und Allah sieht wohl, was sie tun.“ (Der edle Koran 5:70-71)

5:70-71 - Allah (t) schildert hier den Muslimen Beispiele der Vergangenheit. "... so wurden sie blind und taub" bedeutet "sie sind taub geworden gegenüber den Ermahnungen, die ihnen die Propheten überbracht haben und mit denen sie sie vor Allahs Strafe warnten. Allah (t) befreite die Juden durch Cyrus aus der babylonischen Gefangenschaft und gab ihnen Gelegenheit, sich wieder auf ehrenvolle Weise in Palästina anzusiedeln. Allah (t) verzieh ihnen und wandte Sich ihnen gnädig zu. Doch dies hat sie weder zur Umkehr bewogen noch konnten sie Nutzen daraus ziehen. Diese Haltung der blinden Ablehnung behielten die Juden bis zur Zeit des Propheten Muhammed (صلى الله عليه و سلم) bei.[43]

 

لَقَدْ كَفَرَ الَّذِينَ قَالُوا إِنَّ اللَّـهَ هُوَ الْمَسِيحُ ابْنُ مَرْيَمَ ۖ وَقَالَ الْمَسِيحُ يَا بَنِي إِسْرَائِيلَ اعْبُدُوا اللَّـهَ رَبِّي وَرَبَّكُمْ ۖ إِنَّهُ مَن يُشْرِكْ بِاللَّـهِ فَقَدْ حَرَّمَ اللَّـهُ عَلَيْهِ الْجَنَّةَ وَمَأْوَاهُ النَّارُ ۖ وَمَا لِلظَّالِمِينَ مِنْ أَنصَارٍ ﴿٧٢﴾ لَّقَدْ كَفَرَ الَّذِينَ قَالُوا إِنَّ اللَّـهَ ثَالِثُ ثَلَاثَةٍ ۘ وَمَا مِنْ إِلَـٰهٍ إِلَّا إِلَـٰهٌ وَاحِدٌ ۚ وَإِن لَّمْ يَنتَهُوا عَمَّا يَقُولُونَ لَيَمَسَّنَّ الَّذِينَ كَفَرُوا مِنْهُمْ عَذَابٌ أَلِيمٌ ﴿٧٣﴾ أَفَلَا يَتُوبُونَ إِلَى اللَّـهِ وَيَسْتَغْفِرُونَهُ ۚ وَاللَّـهُ غَفُورٌ رَّحِيمٌ ﴿٧٤﴾ مَّا الْمَسِيحُ ابْنُ مَرْيَمَ إِلَّا رَسُولٌ قَدْ خَلَتْ مِن قَبْلِهِ الرُّسُلُ وَأُمُّهُ صِدِّيقَةٌ ۖ كَانَا يَأْكُلَانِ الطَّعَامَ ۗ انظُرْ كَيْفَ نُبَيِّنُ لَهُمُ الْآيَاتِ ثُمَّ انظُرْ أَنَّىٰ يُؤْفَكُونَ ﴿٧٥﴾

„Wahrlich, ungläubig sind diejenigen, die sagen: „Allah ist der Messias, der Sohn der Maria“, während der Messias doch selbst gesagt hat: „O ihr Kinder Israels, betet zu Allah, meinem Herrn und eurem Herrn.“ Wer Allah Götter zur Seite stellt, dem hat Allah das Paradies verwehrt, und das Feuer wird seine Herberge sein. Und die Frevler sollen keine Helfer finden. (72) Wahrlich, ungläubig sind diejenigen, die sagen: „Allah ist der Dritte von dreien“; und es ist kein Gott da außer einem Einzigen Gott. Und wenn sie nicht von dem, was sie sagen, Abstand nehmen, wahrlich, so wird diejenigen unter ihnen, die ungläubig bleiben, eine schmerzliche Strafe ereilen. (73) Wollen sie sich denn nicht reumütig Allah wieder zuwenden und Ihn um Verzeihung bitten? Und Allah ist Allverzeihend, Barmherzig. (74) Der Messias, der Sohn der Maria, war nur ein Gesandter; gewiss, andere Gesandte sind vor ihm dahingegangen. Und seine Mutter war eine Wahrhaftige; beide pflegten Speise zu sich zu nehmen. Siehe, wie Wir die Zeichen für sie erklären, und siehe, wie sie sich abwenden.“ (Der edle Koran 5:72-75)

5:72-75 - Hier verdeutlicht der Koran seine Vorhaltungen gegen die Christen. Allah (t) bezeichnet diese Behauptung als Unglaube. Wer Speise zu sich nimmt, der hat es nötig, sein Leben nach dem Gesetz der Schöpfung zu erhalten. Ferner hat er ein menschliches Bedürfnis, seine Notdurft zu verrichten. Sowohl die Aufnahme der Nahrung als auch die Verrichtung der Notdurft vereinbaren sich nicht mit der Unabhängigkeit und Reinheit der göttlichen Natur.[44]

 

قُلْ أَتَعْبُدُونَ مِن دُونِ اللَّـهِ مَا لَا يَمْلِكُ لَكُمْ ضَرًّا وَلَا نَفْعًا ۚ وَاللَّـهُ هُوَ السَّمِيعُ الْعَلِيمُ ﴿٧٦﴾ قُلْ يَا أَهْلَ الْكِتَابِ لَا تَغْلُوا فِي دِينِكُمْ غَيْرَ الْحَقِّ وَلَا تَتَّبِعُوا أَهْوَاءَ قَوْمٍ قَدْ ضَلُّوا مِن قَبْلُ وَأَضَلُّوا كَثِيرًا وَضَلُّوا عَن سَوَاءِ السَّبِيلِ ﴿٧٧﴾ 

„Sprich: „Wollt ihr statt Allah das anbeten, was nicht die Macht hat, euch zu schaden oder zu nützen?“ Und Allah allein ist der Allhörende, der Allwissende. (76) Sprich: „O Leute der Schrift, übertreibt nicht zu Unrecht in eurem Glauben und folgt nicht den bösen Neigungen von Leuten, die schon vordem irregingen und viele irregeführt haben und weit vom rechten Weg abgeirrt sind.“ (Der edle Koran 5:76-77)

5:76-77 - Dieser Vers wird ferner an die Christen gerichtet. Durch Übertreibung in Glaubensfragen wird Gotteslästerung hervorgerufen, und der wahre Weg der Rechtschaffenheit wird verlassen.[45]

 

لُعِنَ الَّذِينَ كَفَرُوا مِن بَنِي إِسْرَائِيلَ عَلَىٰ لِسَانِ دَاوُودَ وَعِيسَى ابْنِ مَرْيَمَ ۚ ذَٰلِكَ بِمَا عَصَوا وَّكَانُوا يَعْتَدُونَ ﴿٧٨﴾ كَانُوا لَا يَتَنَاهَوْنَ عَن مُّنكَرٍ فَعَلُوهُ ۚ لَبِئْسَ مَا كَانُوا يَفْعَلُونَ ﴿٧٩﴾ تَرَىٰ كَثِيرًا مِّنْهُمْ يَتَوَلَّوْنَ الَّذِينَ كَفَرُوا ۚ لَبِئْسَ مَا قَدَّمَتْ لَهُمْ أَنفُسُهُمْ أَن سَخِطَ اللَّـهُ عَلَيْهِمْ وَفِي الْعَذَابِ هُمْ خَالِدُونَ ﴿٨٠﴾ وَلَوْ كَانُوا يُؤْمِنُونَ بِاللَّـهِ وَالنَّبِيِّ وَمَا أُنزِلَ إِلَيْهِ مَا اتَّخَذُوهُمْ أَوْلِيَاءَ وَلَـٰكِنَّ كَثِيرًا مِّنْهُمْ فَاسِقُونَ ﴿٨١﴾

„Verflucht wurden die Ungläubigen von den Kindern Israels durch die Zunge Davids und Jesus', des Sohnes der Maria. Dies, weil sie ungehorsam waren und (gegen die Gebote) verstießen. (78) Sie hinderten einander nicht an den Missetaten, die sie begingen. Übel wahrlich war das, was sie zu tun pflegten. (79) Du siehst, wie sich viele von ihnen die Ungläubigen zu Beschützern nehmen. Wahrlich, übel ist das, was sie selbst für sich vorausgeschickt haben, so dass Allah ihnen zürnt; und in der Strafe werden sie auf ewig bleiben. (80) Und hätten sie an Allah geglaubt und an den Propheten und an das, was zu ihm herabgesandt wurde, hätten sie sich jene nicht zu Beschützern genommen; aber viele von ihnen sind Frevler.“ (Der edle Koran 5:78-81)

5:78-80 - Der Fluch ist die Ausdrucksweise, womit Allah (t) Seinen Zorn gegen Seine Feinde zum Ausdruck bringt. Denn der Verfluchte wird von Allahs Gnade und Barmherzigkeit ausgeschlossen sein. Der Prophet Muhammed (صلى الله عليه و سلم) sagte: „Wer von euch ein Übel sieht, der soll es mit seiner Hand ändern. Wenn er dazu nicht in der Lage ist, dann mit seiner Zunge. Wenn er auch dazu nicht in der Lage ist, dann mit seinem Herzen. Und das ist die schwächste Form des Glaubens.“ Die Juden hatten sich gegen den Propheten (صلى الله عليه و سلم) aufgelehnt und mit den Götzendienern gegen ihn verbündet. Dies machte sich während der Schlacht von Ahzab bemerkbar.[46]

5:81 - Hier handelt es sich um den Propheten Muhammed (صلى الله عليه و سلم). D.h., dass von den Juden erwartet wurde, an die Botschaft des Koran zu glauben und den Propheten (صلى الله عليه و سلم) zu unterstützen, statt sich mit den Götzendienern gegen ihn zu verbünden.[47]

 

لَتَجِدَنَّ أَشَدَّ النَّاسِ عَدَاوَةً لِّلَّذِينَ آمَنُوا الْيَهُودَ وَالَّذِينَ أَشْرَكُوا ۖ وَلَتَجِدَنَّ أَقْرَبَهُم مَّوَدَّةً لِّلَّذِينَ آمَنُوا الَّذِينَ قَالُوا إِنَّا نَصَارَىٰ ۚ ذَٰلِكَ بِأَنَّ مِنْهُمْ قِسِّيسِينَ وَرُهْبَانًا وَأَنَّهُمْ لَا يَسْتَكْبِرُونَ ﴿٨٢﴾ وَإِذَا سَمِعُوا مَا أُنزِلَ إِلَى الرَّسُولِ تَرَىٰ أَعْيُنَهُمْ تَفِيضُ مِنَ الدَّمْعِ مِمَّا عَرَفُوا مِنَ الْحَقِّ ۖ يَقُولُونَ رَبَّنَا آمَنَّا فَاكْتُبْنَا مَعَ الشَّاهِدِينَ ﴿٨٣﴾ وَمَا لَنَا لَا نُؤْمِنُ بِاللَّـهِ وَمَا جَاءَنَا مِنَ الْحَقِّ وَنَطْمَعُ أَن يُدْخِلَنَا رَبُّنَا مَعَ الْقَوْمِ الصَّالِحِينَ ﴿٨٤﴾ فَأَثَابَهُمُ اللَّـهُ بِمَا قَالُوا جَنَّاتٍ تَجْرِي مِن تَحْتِهَا الْأَنْهَارُ خَالِدِينَ فِيهَا ۚ وَذَٰلِكَ جَزَاءُ الْمُحْسِنِينَ ﴿٨٥﴾ وَالَّذِينَ كَفَرُوا وَكَذَّبُوا بِآيَاتِنَا أُولَـٰئِكَ أَصْحَابُ الْجَحِيمِ ﴿٨٦﴾ 

„Sicherlich findest du, dass unter allen Menschen die Juden und die Götzendiener die erbittertsten Gegner der Gläubigen sind. Und du wirst zweifellos finden, dass die, welche sagen: „Wir sind Christen“ den Gläubigen am freundlichsten gegenüberstehen. Dies (ist so), weil es unter ihnen Priester und Mönche gibt und weil sie nicht hochmütig sind. (82) Und wenn sie hören, was zu dem Gesandten herabgesandt worden ist, siehst du ihre Augen von Tränen überfließen ob der Wahrheit, die sie erkannt haben. Sie sagen: „Unser Herr, wir glauben, so schreibe uns unter die Bezeugenden. (83) Und weshalb sollten wir nicht an Allah glauben und an die Wahrheit, die zu uns gekommen ist, wo wir innig wünschen, dass unser Herr uns zu den Rechtschaffenen zählen möge?“ (84) Und um dessentwillen, was sie da gesagt haben, wird Allah sie mit Gärten belohnen, durch die Bäche fließen. Darin sollen sie ewig verweilen; und das ist der Lohn derer, die Gutes tun. (85) Die aber, die nicht glauben und Unsere Zeichen verwerfen, das sind die Insassen der Jahim.“ (Der edle Koran 5:82-86)

5:82f. - Allah (t) schildert hier, dass die Juden unnachgiebig sind und sich nur schwer zur Wahrheit bekennen, während die Christen von sanfter Gemütsart sind, sich leicht lenken lassen und einen Hang zum Islam haben. Wegen ihrer heftigen Feindschaft gegen die Gläubigen stellt Allah (t) die Juden mit den Heiden zusammen, ja Er weist sogar darauf hin, dass sie in dieser Hinsicht an der Spitze stehen, da Er sie vor den Heiden nennt. Dasselbe tut Allah in 2:96. So und schlimmer ist es wahrhaftig mit den Juden! Vom Propheten (صلى الله عليه و سلم) ist folgendes Wort überliefert: "Wenn zwei Juden mit einem Muslim allein sind, suchen sie ihn zu töten." Dass die Christen leicht zu behandeln sind und den Gläubigen in Liebe nahestehen, begründet Allah (t) damit, dass es unter ihnen Priester und Mönche, das heißt Gelehrte und Diener gibt, und dass sie bescheidene und demütige Leute sind, die keinen Hochmut kennen, während es bei den Juden gerade umgekehrt ist. Es liegt hier ein klarer Hinweis darauf vor, dass das Bemühen um Wissen äußerst nützlich ist, am ehesten zum Guten hinführt und zum Erfolg leitet, selbst bei den Priestern. Dasselbe gilt für das Sorgen um das Jenseits und das Sprechen über das Ende, mögen diese auch durch einen Mönch erfolgen, und ebenso für die Freiheit von Hochmut, auch wenn es sich um einen Christen handelt. Wenn Allah (t) die Christen dadurch charakterisiert, dass sie ein weiches Herz haben und weinen, wenn sie den Koran vernehmen, so entspricht das dem, was man von dem Negus von Abessinien berichtet. Als sich die Auswanderer nach Abessinien bei ihm einstellten und die Heiden Verwünschungen aussprachen und ihn gegen die Auswanderer aufhetzten und Zwangsmaßnahmen gegen sie von ihm forderten, sagte er zu Jafar Ibn Abi Talib: "Ist Maria in eurer Schrift erwähnt?" Darauf antwortete Jafar: "Es gibt in unserer Schrift eine Sure, die Maria gewidmet ist", und rezitierte diese Sure Nr. 19 bis zum Wort "Solcher Art ist Jesus, der Sohn der Maria" (Vers 34). Sodann rezitierte er die Sure Ta Ha (Nr. 20) bis zum Wort "Ist dir nicht die Geschichte von Moses zu Ohren gekommen?" (Vers 9), und der Negus weinte. Dasselbe taten auch seine siebzig Männer, die als Abgesandte zum Gesandten Allahs kamen, als dieser ihnen die Sure Ya Sin (Nr. 36) rezitierte und sie dann weinten.[48]

5:82 - Als unser Prophet (صلى الله عليه و سلم) mit seinen Schreiben die Könige und Oberhäupter zum Islam aufforderte, waren die Reaktionen der Christen unter ihnen die freundlichsten. Als Jafar Ibn Abi Talib, der Vetter des Propheten und Sprecher der muslimischen Auswanderer beim abessinischen Kaiser von den Veränderungen in ihrem Leben durch den Islam berichtete, wünschte der Kaiser, etwas von der koranischen Offenbarung zu hören. Jafar trug ihm dann einige Anfangsverse aus der Sure Maryam. Davon waren der Kaiser und mit ihm die anwesenden Bischöfe zu Tränen gerührt, und der Kaiser rief: ”Diese Worte und die Worte Jesu scheinen mir als Lichtstrahlen aus derselben Niesche.“ Der Koran weist in diesem Vers auf den Grund für die Zuneigung der Christen hin, verzichtet aber, auf die nähere Begründung der Feindschaft der Juden und der Götzendiener, da dies in vielen Koran-Versen genügend erklärt wird.[49]

5:83-86 - Dies bezieht sich auf die freundlich gesinnten Christen zur Zeit des Propheten, die sich allmählich dem Islam zuwandten. Sie begnügten sich nicht mit Tränen der Rührung und ihre Haltung der Wahrheit gegenüber, die sie so aufs Äußerste rührte, als sie den Koran hörten, war nicht passiv. Nein! Sie nahmen eine eindeutig bejahende Haltung zu dieser Wahrheit ein. Sie bekannten sich zu ihr und riefen ihren Herrn an, sie zu denen zu rechnen, die diese Wahrheit bezeugten, und sie in die Gemeinschaft einzufügen, die sich für diese Wahrheit einsetzt, nämlich die Muslime. Jesus selbst sagte die Ankunft des Propheten Muhammed voraus, wobei er ihn mit dem Namen "Geist der Wahrheit" bezeichnete.[50]

 

يَا أَيُّهَا الَّذِينَ آمَنُوا لَا تُحَرِّمُوا طَيِّبَاتِ مَا أَحَلَّ اللَّـهُ لَكُمْ وَلَا تَعْتَدُوا ۚ إِنَّ اللَّـهَ لَا يُحِبُّ الْمُعْتَدِينَ ﴿٨٧﴾ وَكُلُوا مِمَّا رَزَقَكُمُ اللَّـهُ حَلَالًا طَيِّبًا ۚ وَاتَّقُوا اللَّـهَ الَّذِي أَنتُم بِهِ مُؤْمِنُونَ ﴿٨٨﴾

„O ihr, die ihr glaubt, erklärt die guten Dinge, die Allah euch erlaubt hat, nicht für verboten; doch übertretet auch nicht. Denn Allah liebt die Übertreter nicht. (87) Und esst von dem, was Allah euch gegeben hat: Erlaubtes, Gutes. Und fürchtet Allah, an Den ihr glaubt.“ (Der edle Koran 5:87-88)

5:87-88 - Damit will Allah (t) uns klarmachen, dass Er uns das Asketentum als Art Gottesverehrung nicht vorschreibt. Somit dürfen Genüsse, die Allah uns erlaubt hat, von keinem Menschen verboten werden. Zur Zeit des Propheten Muhammed, Allahs Segen und Friede auf ihm, kamen Leute zu seinen Frauen und erkundigten sich nach seinen Lebensgewohnheiten. Als seine Frauen von seinem bescheidenen Lebensstil berichteten, erschienen dieser ihnen nicht genügend; sie sagten: „Was sind wir im Verhältnis zum Gesandten Allahs, dem Allah (t) schon alle seine vergangenen und zukünftigen Fehler vergeben hat?“[51] Einer von den Leuten sagte: „Ich verbringe die ganze Nacht hindurch im Beten.“ Ein anderer sagte: „Ich faste die Zeit hintereinander, ohne mein Fasten zu brechen.“ Ein dritter sagte: „Und ich halte mich von den Frauen fern und werde niemals heiraten.“ Da kam der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede auf ihm, zu ihnen aus seiner Wohnung und sprach zu ihnen: „Ihr habt dies und jenes gesagt; ich bin bei Allah derjenige unter euch, der Ihn am meisten fürchtet und Seinen Geboten nachkommt. Dennoch faste ich und breche mein Fasten; ich verrichte meine Gebete und gehe ich schlafen, und ich heirate die Frauen. Wer sich von meiner Sunna distanziert, der gehört nicht zu mir.“ Der Hadis weist eindeutig hin, dass der Prophet (صلى الله عليه و سلم) nach den Geboten Allahs gelebt hat.[52]

 

لَا يُؤَاخِذُكُمُ اللَّـهُ بِاللَّغْوِ فِي أَيْمَانِكُمْ وَلَـٰكِن يُؤَاخِذُكُم بِمَا عَقَّدتُّمُ الْأَيْمَانَ ۖ فَكَفَّارَتُهُ إِطْعَامُ عَشَرَةِ مَسَاكِينَ مِنْ أَوْسَطِ مَا تُطْعِمُونَ أَهْلِيكُمْ أَوْ كِسْوَتُهُمْ أَوْ تَحْرِيرُ رَقَبَةٍ ۖ فَمَن لَّمْ يَجِدْ فَصِيَامُ ثَلَاثَةِ أَيَّامٍ ۚ ذَٰلِكَ كَفَّارَةُ أَيْمَانِكُمْ إِذَا حَلَفْتُمْ ۚ وَاحْفَظُوا أَيْمَانَكُمْ ۚ كَذَٰلِكَ يُبَيِّنُ اللَّـهُ لَكُمْ آيَاتِهِ لَعَلَّكُمْ تَشْكُرُونَ ﴿٨٩﴾

RISALE

Hilafet-i İslamiyye
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