36. Sure: Ya-Sin

15-03-2020

36. Sure: Ya-Sin
Offenbart in Mekka
83 Ayat (Verse)

 

Die Sure behandelt die Auferstehung, die Versammlung am Tag des Jüngsten Gerichts, die Geschichte von den Bewohnern einer Stadt und die Beweise in der Schöpfung, die auf die Existenz des einzigen Schöpfers hinweisen. Diese Sure wurde in Mekka geoffenbart. In ihr wird folgendes behandelt: Der Glaube an die Auferstehung und die Versammlung am Tag des Jüngsten Gerichts; die Geschichte der Bewohner der Stadt Antiochia und die Anzeichen und Beweise in der Schöpfung. Die Sure fängt mit einem Schwur beim Koran an, der die Wahrhaftigkeit der Offenbarung und des Prophetentums Muhammeds, Allahs Segen und Friede auf ihm, bekräftigt. Daraufhin wird von den Ungläubigen vom Stamm der Banu Kuraysch berichtet, die sich weit auf dem Irrweg befanden. Daraufhin wird von den Bewohnern der Stadt Antiochia berichtet, die die Gesandten, die zu ihnen geschickt wurden, als Lügner bezeichneten. Der Koran warnt anhand dieser Geschichte vor der Strafe Allahs, die fällig sein wird, wenn man Seine Offenbarung leugnet. Es wird von einem Gläubigen berichtet, der sein Volk zum Guten riet, worauf sie ihn töteten. Allah (t) ließ ihn daraufhin ins Paradies eintreten. Danach gewährte Allah den Schuldigen keinen Aufschub, sondern Er erfasste sie mit einer schmerzhaften Vergeltung. Die Sure berichtet ferner von den Anzeichen, die auf die Allmacht Allahs hinweisen. Angefangen von der leblosen Erde, die langsam belebt wird, wird dann im Folgenden das Ereignis erwähnt, wie der Tag hinfort zieht, so dass die dunkle Nacht bleibt. Sodann wird von der Sonne berichtet, die Allah auf einer festen Bahn ziehen lässt, ohne dass sie die ihr vorgesehenen Spuren verlässt. Hierauf wird der Mond erwähnt, der in verschiedenen Phasen erscheint. Danach wird das beladene Schiff Noahs, die Arche Noah, erwähnt, die die Nachkommen der ersten Menschen  nach Adam (a.s.) mit sich getragen hat. All dies sind deutliche Zeichen, die auf die Allmacht Allahs hinweisen. Dann berichtet die Sure von der Auferstehung und ihren Schrecken, vom Hornstoß am Tag der Auferstehung, bei dem die Menschen aus ihren Gräbern geholt werden. Dann von den Bewohnern des Paradieses und denen des Höllenfeuers. Es wird ferner berichtet, wie die Ungläubigen von den Gläubigen an diesem gewaltigen Tag getrennt werden, bis dass die Glückseligen ihren Platz im Paradies, und die Elenden ihren Platz im Höllenfeuer einnehmen. Die Sure endet dann damit, dass sie nochmals das eigentliche, fundamentale Thema der Auferstehung und Abrechnung aufgreift. Die Sure wird "Ya Sin" genannt, weil Allah (t) sie mit den Buchstaben "Ya" und "Sin" beginnt. Diese Eröffnung deutet auf die Unnachahmlichkeit und das Wunder des Korans hin. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede auf ihm, hat gesagt: "Alles hat ein Herz, und das Herz des Koran ist Ya-Sin. Ich wünschte, dass jeder Mensch in meiner Gemeinde sie auswendig lernt.[1] Die kurze, prägnante Form der Prophetengeschichten und der Hinweis auf deren geistigen Inhalt und deren Geheimnis gehören sowohl in dieser Sure als auch in allen anderen Suren des Korans zu den trefflichen Eigenschaften und zu der gewaltigen Rhetorik der edlen Offenbarung. Die Prophetengeschichten werden in solch einer Form berichtet, weil die Geschichten der Ermahnung und Lehre dienen. Aus diesem Grund wird in dieser Geschichte weder der Name der Stadt, noch der Name des Mannes erwähnt, der die Bewohner der Stadt zu Allah aufgerufen hat, und auch nicht der Name der edlen Gesandten, weil all dies nicht der Zweck ist, der mit dieser Geschichte befolgt wird. Die übrigen Geschichten des Korans werden ebenfalls auf diese Art und Weise erzählt.[2]

 

 

بِسْمِ اللَّـهِ الرَّحْمَـٰنِ الرَّحِيمِ

Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen!

 

يس ﴿١﴾ وَالْقُرْآنِ الْحَكِيمِ ﴿٢﴾ إِنَّكَ لَمِنَ الْمُرْسَلِينَ ﴿٣﴾ عَلَىٰ صِرَاطٍ مُّسْتَقِيمٍ ﴿٤﴾ تَنزِيلَ الْعَزِيزِ الرَّحِيمِ ﴿٥﴾ لِتُنذِرَ قَوْمًا مَّا أُنذِرَ آبَاؤُهُمْ فَهُمْ غَافِلُونَ ﴿٦﴾

„Ya-Sin. (1) Beim vollkommenen Koran (2), du bist wahrlich einer der Gesandten (3), der auf einem geraden Weg ist. (4) (Dies ist) eine Offenbarung des Erhabenen, des Barmherzigen (5), auf dass du Leute warnst, deren Väter nicht gewarnt worden sind, und die daher achtlos sind. (6) Bereits hat sich das Wort gegen die meisten von ihnen als wahr erwiesen; denn sie glauben nicht.“ (Der edle Koran 36:1-7)

36:1 - "Ya-Sin": Die Einzelbuchstaben des arabischen Alphabets, die an den Anfängen einiger Suren stehen, weisen auf die Unnachahmlichkeit des Koran hin. Sie weisen auch darauf hin, dass der Koran aus diesen Buchstaben, die aus dem allgemein bekannten Alphabet stammen, zusammengesetzt ist. Dass diese allgemein bekannten Buchstaben jedoch auf wundervolle, einzigartige Art und Weise zusammengefügt sind, ist ein Zeichen dafür, dass der Koran von Allah (t) stammt.[3] Ibn Abbas sagte: "Ya-Sin ist im üblichen Sprachgebrauch eine Abkürzung für "Ya Insan" (o Mensch). Es wird gesagt, dies sei einer der Namen des Propheten Muhammed, Allahs Segen und Friede auf ihm, worauf der folgende Vers "Du bist wahrlich einer der Gesandten" hindeutet.[4]

36:2-4 - Die Fortführung des Schwurs bedeutet: O Muhammed, du bist wahrlich einer der Gesandten des Herrn der Welten. Du bist gesandt zur Rechtleitung der Geschöpfe Allahs. Ibn Abbas sagte: „Die Ungläubigen aus dem Stamm der Kuraysch sagten: „Du, Muhammed, bist kein Gesandter, und Allah hat dich nicht zu uns entsandt“, worauf Allah (t) bei dem vollkommenen Koran schwor, dass Muhammed, Allahs Segen und Friede auf ihm, einer Seiner Gesandten ist.“ "Auf einem geraden Weg" bedeutet: auf einem rechten Pfad, der keine Abweichung von der Rechtleitung hat. Damit ist der Islam, die Religion der früheren Gesandten, welche dem Menschen den Glauben und die Lehre vom reinen Monotheismus überbrachten, gemeint.[5]

36:5 - Dieser vollkommene Koran, der auf den rechten Weg leitet, ist eine Offenbarung vom Herrn der Welten, der Allmächtig in Seinem Reich und Barmherzig gegenüber Seinen Geschöpfen ist.[6]

36:6 - Auf dass du, o Muhammed, mit diesem Koran die Araber warnst, zu denen eine lange Zeit kein Gesandter und kein Buch von Allah gekommen sind. Ziel der Warnung ist, dass sie arglos im Hinblick auf das Jenseits leben.[7]

36:7 - Die meisten dieser Götzendiener sind nun der Strafe des Höllenfeuers ausgesetzt und zwar deswegen, weil sie hartnäckig auf ihren Unglauben beharren, und den Gesandten und die Wahrheit verleugnen, und sich nicht von der Botschaft Allahs ermahnen ließen.[8]

 

لَقَدْ حَقَّ الْقَوْلُ عَلَىٰ أَكْثَرِهِمْ فَهُمْ لَا يُؤْمِنُونَ ﴿٧﴾ إِنَّا جَعَلْنَا فِي أَعْنَاقِهِمْ أَغْلَالًا فَهِيَ إِلَى الْأَذْقَانِ فَهُم مُّقْمَحُونَ ﴿٨﴾ وَجَعَلْنَا مِن بَيْنِ أَيْدِيهِمْ سَدًّا وَمِنْ خَلْفِهِمْ سَدًّا فَأَغْشَيْنَاهُمْ فَهُمْ لَا يُبْصِرُونَ ﴿٩﴾ وَسَوَاءٌ عَلَيْهِمْ أَأَنذَرْتَهُمْ أَمْ لَمْ تُنذِرْهُمْ لَا يُؤْمِنُونَ ﴿١٠﴾ إِنَّمَا تُنذِرُ مَنِ اتَّبَعَ الذِّكْرَ وَخَشِيَ الرَّحْمَـٰنَ بِالْغَيْبِ ۖ فَبَشِّرْهُ بِمَغْفِرَةٍ وَأَجْرٍ كَرِيمٍ ﴿١١﴾ إِنَّا نَحْنُ نُحْيِي الْمَوْتَىٰ وَنَكْتُبُ مَا قَدَّمُوا وَآثَارَهُمْ ۚ وَكُلَّ شَيْءٍ أَحْصَيْنَاهُ فِي إِمَامٍ مُّبِينٍ ﴿١٢﴾

„Um ihren Hals haben Wir Fesseln gelegt, die bis an das Kinn reichen, so dass ihr Haupt hoch gezwängt ist. (8) Und Wir haben vor ihnen einen Wall errichtet und ebenso hinter ihnen einen Wall (errichtet), und Wir haben sie verhüllt, so dass sie nicht sehen können. (9) Und ihnen ist es gleich, ob du sie warnst oder ob du sie nicht warnst; sie werden nicht glauben. (10) Du vermagst nur den zu warnen, der die Ermahnung befolgt und den Allerbarmer im Verborgenen fürchtet. Gib ihm darum die frohe Botschaft von Vergebung und einem ehrenvollen Lohn. (11) Wahrlich, Wir sind es, Die die Toten beleben, und Wir schreiben das auf, was sie begehen, zugleich mit dem, was sie zurücklassen; und alle Dinge haben Wir in einem deutlichen Buch verzeichnet.“ (Der edle Koran 36:8-12)

36:8 - Daraufhin zeigt der Erhabene den Grund ihres Unglaubens auf: Wir haben ihnen Fesseln an den Hals gelegt, so können sie nicht entrinnen; und diese Fesseln gehen ihnen bis zum Kinn, so dass sie den Kopf krampfhaft hochhalten und in ihrer Bewegung gehemmt sind. Dies ist ein Gleichnis und ein Bild für den Zustand der Götzendiener, die sich auf dem Irrweg befinden: Dies ist ein Gleichnis, welches zeigen soll, dass die Götzendiener sich nicht dem Erhabenen unterwerfen und nicht demütig ihre Häupter vor Ihm neigen.[9]

36:9 - Dies heißt: Und Wir legten vor sie eine Schranke und hinter sie eine Schranke. Dies ist eine Ergänzung und Vervollständigung des Gleichnisses mit der folgenden Bedeutung: Und Wir haben vor ihnen und hinter ihnen gewaltige Hindernisse, die ihre Blicke versperren, so dass sie nichts sehen können, da sie zwischen den zwei gewaltigen Wallen eingeschlossen sind. Dies zeigt das ganze schreckliche Ausmaß ihres Zustandes: Sie sind eingesperrt im Gefängnis der Unwissenheit und des Irrtums, und sie sind unfähig, die Zeichen und Hinweise wahrzunehmen.[10]

36:10-11 - Bei ihnen ist es gleichgültig, ob du sie warnst oder nicht; sie werden sowieso keine Gläubigen werden. Siehe, du, o Muhammed, kannst nur denjenigen warnen, der der Ermahnung folgt und den Erbarmer im Verborgenen fürchtet. Diesem verkünde, dass ihm Vergebung und edler Lohn zukommen wird. D.h. die Ungläubigen haben tote Herzen, und diese rühren sich nicht bei Ermahnungen. Vielmehr wird das lebendige Herz den Glauben aufnehmen und durch die Ermahnung aufgerüttelt. Dies soll ein Trost für den Propheten, Allahs Segen und Friede auf ihm, sein, und es deckt auf, was die Götzendiener in Wahrheit an Maßlosigkeit in ihren Herzen verbergen, d.h. deine Warnungen, o Muhammed, nutzen nur demjenigen, der glaubt und den Erbarmer im Verborgenen fürchtet, obwohl er Ihn nicht sieht; "im Verborgenen" drückt eine Eigenschaft des rechtschaffenen Menschen aus, der damit gekennzeichnet wird: Er fürchtet Allah, wenn er allein mit Ihm ist und nicht von den anderen Menschen gesehen wird. Diesem verkünde, dann Vergebung und edlen Lohn: Verkünde diesem, o Muhammed, dass Allah ihm großzügig seine Sünden vergeben wird, und dass er einen edlen Lohn im Jenseits in den Gärten der Wonne erhalten wird.[11]

36:12 - Siehe, Wir erwecken die Toten zum Leben, und Wir schreiben auf, was sie an Taten vorausgeschickt und was sie an Spuren hinterlassen haben. Sämtliche Dinge haben Wir in einem deutlichen Buch registriert. Nachdem Allah (t) die Angelegenheit der Botschaft des Propheten Muhammed, Allahs Segen und Friede auf ihm, erwähnt hat, geht Er nun dazu über, von der Auferstehung zu berichten: Wir erwecken die Toten aus ihren Gräbern zur Abrechnung und Vergeltung entweder mit Gutem im Paradies oder mit einer gewaltigen Strafe im Höllenfeuer. Und Wir schreiben auf, was sie an Taten vorausgeschickt und was sie an Spuren hinterlassen haben. D.h. Wir schreiben auf, was sie an Gutem und Schlechtem im irdischen Leben getan haben, und Wir schreiben die Spuren ihrer Schritte auf, wenn sie z.B. zu einer Moschee gehen. In einem von Muslim überlieferten Hadis berichtet Jabir, Allahs Wohlgefallen auf ihm: „Die Familie Salama wollte in die Nähe der Moschee ziehen, und zwar an eine Stelle, die noch nicht bebaut oder sonst irgendwie belegt war. Davon erfuhr der Prophet, Allahs Segen und Friede auf ihm, worauf er zu ihnen sprach: „O Familie Salama, bleibt in euren Häusern, damit eure Schritte zur Moschee euch als gute Taten aufgeschrieben werden“ und er wiederholte den Satz. Darauf sagten sie: „Wären wir umgezogen, wären wir bestimmt nicht froh darüber gewesen.“ Sämtliche Dinge haben Wir in einem deutlichen Buch registriert, d.h. sämtliche Angelegenheiten haben Wir in einem Buch aufgeschrieben und festgehalten, wie Allah (t) dies in 17:71 sagt.[12]

 

وَاضْرِبْ لَهُم مَّثَلًا أَصْحَابَ الْقَرْيَةِ إِذْ جَاءَهَا الْمُرْسَلُونَ ﴿١٣﴾ إِذْ أَرْسَلْنَا إِلَيْهِمُ اثْنَيْنِ فَكَذَّبُوهُمَا فَعَزَّزْنَا بِثَالِثٍ فَقَالُوا إِنَّا إِلَيْكُم مُّرْسَلُونَ ﴿١٤﴾ قَالُوا مَا أَنتُمْ إِلَّا بَشَرٌ مِّثْلُنَا وَمَا أَنزَلَ الرَّحْمَـٰنُ مِن شَيْءٍ إِنْ أَنتُمْ إِلَّا تَكْذِبُونَ ﴿١٥﴾ قَالُوا رَبُّنَا يَعْلَمُ إِنَّا إِلَيْكُمْ لَمُرْسَلُونَ ﴿١٦﴾ وَمَا عَلَيْنَا إِلَّا الْبَلَاغُ الْمُبِينُ ﴿١٧﴾

„Und präge ihnen das Gleichnis von den Leuten der Stadt, als die Abgesandten zu ihr kamen. (13) Als Wir zwei zu ihnen schickten und sie von ihnen für Lügner gehalten wurden, da stärkten Wir (sie) durch einen dritten, und sie sagten: „Wir sind zu euch entsandt worden.“ (14) Jene sagten: „Ihr seid nur Menschen wie wir; und der Allerbarmer hat nichts herabgesandt. Ihr sprecht nichts als Lügen.“ (15) Sie sagten: „Unser Herr weiß, dass wir wahrlich Abgesandte zu euch sind. (16) Und uns obliegt nur die klare Verkündigung.“ (Der edle Koran 36:13-17)

36:13-17 - Allah (t) teilt den Götzendienern die Geschichte von den Bewohnern der Stadt mit, welche die Gesandten der Lüge bezichtigten, worauf Allah eine Strafe vom Himmel herabschickte, mit der Er sie vernichtete: Und erwähne, o Muhammed, gegenüber deinem Volk, das dich der Lüge bezichtigt, die Geschichte der Bewohner der Stadt Antiochia (arab. Antakya, eine Stadt in der heutigen Türkei). Im Text ist nicht der Name der Stadt erwähnt, sondern es wird nur von den "Bewohnern der Stadt" gesprochen. Trotzdem wusste man jedoch sofort, dass damit die Stadt Antiochia gemeint ist, da deren Geschichte so bekannt war, dass man nur eine Andeutung machen brauchte, damit jeder gleich wusste, von wem die Rede ist; Unsere Gesandten haben Wir zu ihrer Rechtleitung geschickt. Kurtubi schreibt: "Zu dieser Stadt hat Allah (t) die drei Gesandten Sadiq, Maṣdūq und Šam‘ūn gesandt. Muhammed, Allahs Segen und Friede auf ihm, wird hier aufgefordert, die Götzendiener seines Volkes davor zu warnen, dass mit ihnen das gleiche geschehen könnte wie mit den Bewohnern der genannten Stadt, zu der die drei Gesandten geschickt wurden. Es wird gesagt, dass die drei Gesandten Botschafter waren, die Jesus (a.s.) entsandt hat.'' Als Wir zwei Gesandte zu ihnen schickten, bezichtigten sie beide sogleich der Lüge, so dass Wir sie mit einem dritten stärkten, d.h. da standen Wir ihnen mit einem dritten Gesandten bei. Und sie sprachen: "Seht, wir wurden zu euch gesandt. Die Bewohner der Stadt sprachen: "Ihr seid nur Menschen wie wir", d.h. "Ihr habt keinen Vorzug gegenüber uns, und ihr seid nur Menschen wie wir; wie soll also Allah ausschließlich euch etwas offenbart haben, und nicht auch uns? Ihr seid nichts als Lügner". Die Gesandten erwiderten: "Unser Herr weiß, dass wir gewisslich zu euch entsandt wurden." D.h.: "Würden wir lügen, so würde Allah uns dies mit der härtesten Strafe vergelten. Wir haben nichts anderes vor, als euch die Botschaft Allahs in einer klaren und deutlichen Weise zu übermitteln. Wenn ihr daraufhin Gläubige werdet, so wird euch Glück beschieden sein, solltet ihr aber die Botschaft leugnen, so werdet ihr dem Leiden ausgesetzt sein." Die Antwort der Stadtbewohner lautete: "Wir sehen ein schlechtes Vorzeichen in euch." Die Tatsache, dass sie in den Gesandten ein schlechtes Vorzeichen sahen, zeigt, dass sie zu einer anderen Religion gehörten als der, zu der sie aufgefordert wurden, so dass sie die Religion der Gesandten für unannehmbar hielten. Sodann drohten sie den Gesandten: Bei Allah (t), wenn ihr nicht aufhört mit eurem Gerede und damit, uns zum Glaube an einen einzigen Gott und der Verwerfung unserer eigenen Religion einzuladen, so werden wir euch bis zum Tode steinigen.[13]

 

قَالُوا إِنَّا تَطَيَّرْنَا بِكُمْ ۖ لَئِن لَّمْ تَنتَهُوا لَنَرْجُمَنَّكُمْ وَلَيَمَسَّنَّكُم مِّنَّا عَذَابٌ أَلِيمٌ ﴿١٨﴾ قَالُوا طَائِرُكُم مَّعَكُمْ ۚ أَئِن ذُكِّرْتُم ۚ بَلْ أَنتُمْ قَوْمٌ مُّسْرِفُونَ ﴿١٩﴾

„Sie sagten: „Wir ahnen Böses von euch. Wenn ihr (davon) nicht ablasst, so werden wir euch gewiss steinigen, und euch wird sicher unsere schmerzliche Strafe treffen.“ (18) Sie sagten: „Euer Unheil liegt bei euch selbst. Liegt es daran, dass ihr ermahnt werdet? Nein, ihr seid Leute, die das Maß überschreiten.“ (Der edle Koran 36:18-19)

36:18-19: s. 36:13-17 und die Anmerkung dazu.

 

وَجَاءَ مِنْ أَقْصَى الْمَدِينَةِ رَجُلٌ يَسْعَىٰ قَالَ يَا قَوْمِ اتَّبِعُوا الْمُرْسَلِينَ ﴿٢٠﴾ اتَّبِعُوا مَن لَّا يَسْأَلُكُمْ أَجْرًا وَهُم مُّهْتَدُونَ ﴿٢١﴾ وَمَا لِيَ لَا أَعْبُدُ الَّذِي فَطَرَنِي وَإِلَيْهِ تُرْجَعُونَ ﴿٢٢﴾ أَأَتَّخِذُ مِن دُونِهِ آلِهَةً إِن يُرِدْنِ الرَّحْمَـٰنُ بِضُرٍّ لَّا تُغْنِ عَنِّي شَفَاعَتُهُمْ شَيْئًا وَلَا يُنقِذُونِ ﴿٢٣﴾ إِنِّي إِذًا لَّفِي ضَلَالٍ مُّبِينٍ ﴿٢٤﴾ إِنِّي آمَنتُ بِرَبِّكُمْ فَاسْمَعُونِ ﴿٢٥﴾

„Und es kam vom entferntesten Teil der Stadt ein Mann angelaufen. Er sagte: „O meine Leute, folgt den Gesandten! (20) Folgt denen, die keinen Lohn von euch fordern und die rechtgeleitet sind. (21) Und warum sollte ich nicht Dem dienen, Der mich erschaffen hat und zu Dem ihr zurückgebracht werdet? (22) Soll ich etwa andere außer Ihm zu Göttern nehmen? Wenn der Allerbarmer mir ein Leid zufügen will, so wird ihre Fürsprache mir nichts nützen, noch können sie mich retten. (23) Dann befände ich mich wahrlich in einem offenkundigen Irrtum. (24) Ich glaube an euren Herrn; darum hört mich an.“ (Der edle Koran 36:20-25)

36:20-25 - Die Gesandten sprachen zu ihnen: "Der Grund eures aufziehenden Unheils liegt nicht bei uns, sondern bei euch und eurem Unglauben, sowie eurer Widerspenstigkeit und eurem schlechten Handeln. Liegt es etwa daran, dass wir euch ermahnen und warnen und euch zum Glauben an den einen Gott aufrufen? Ahnt ihr deswegen von uns Böses, und droht uns an, uns zu steinigen und zu bestrafen. Die Gesandten tadeln sie und weisen sie vorwurfsvoll so: Die Tatsachen liegen nicht so, wie ihr es behauptet; ihr seid vielmehr Leute, deren Gewohnheit es ist, maßlos in Widerspenstigkeit und im Begehren von Verbrechen und Schandtaten zu sein. Und es kam vom äußersten Ende der Stadt ein Mann mit eiligen Schritten. Sein Name bei den Koranexegeten ist "Ḥabīb An-Najjar". Diese Aussage wird von Ibn Abbas bei Ibn Kathir bestätigt. Als sein Volk beabsichtigte, die Gesandten zu töten, kam er eilends zu seinem Volk gelaufen und sprach zu seinem Volk die Worte, wie sie im Koran wiedergegeben sind: Folgt denen, die keinen Lohn von euch fordern, und die rechtgeleitet sind, d.h. folgt diesen wahrhaften und aufrichtigen Gesandten, die von euch keine Gebühr für den Glauben verlangen, und die rechtgeleitet sind und Einsicht besitzen in Bezug auf den Glauben an den Einen und Einzigen Gott, zu Dem sie euch einladen. Er fügt hinzu: "Und warum sollte ich nicht einem dienen, Der mich erschaffen hat, und zu Dem ihr zurückgebracht werdet?" In seinem Aufruf an sein Volk liegt Freundlichkeit und Liebenswürdigkeit. Es ist so, als ob er sich selbst zum Guten raten würde; er wünscht für sie dasselbe, was er sich selbst wünscht. In dem Aufruf liegt aber auch ein Unterton des Tadels, weil sie von der Anbetung ihres Schöpfers abgelassen haben. Nachdem er seinem Volk zum Guten geraten und es ermahnt hatte, gab er öffentlich seine Annahme des Glaubens bekannt: Ich glaube an euren Herrn, der euch erschaffen hat, so hört euch meine Worte an und handelt nach dem, wozu ich euch geraten habe.[14]

 

قِيلَ ادْخُلِ الْجَنَّةَ ۖ قَالَ يَا لَيْتَ قَوْمِي يَعْلَمُونَ ﴿٢٦﴾ بِمَا غَفَرَ لِي رَبِّي وَجَعَلَنِي مِنَ الْمُكْرَمِينَ ﴿٢٧﴾ وَمَا أَنزَلْنَا عَلَىٰ قَوْمِهِ مِن بَعْدِهِ مِن جُندٍ مِّنَ السَّمَاءِ وَمَا كُنَّا مُنزِلِينَ ﴿٢٨﴾ إِن كَانَتْ إِلَّا صَيْحَةً وَاحِدَةً فَإِذَا هُمْ خَامِدُونَ ﴿٢٩﴾ 

„Da wurde (zu ihm) gesprochen: „Geh in das Paradies ein.“ Er sagte: „O wenn doch meine Leute wüssten (26), wie mein Herr mir vergeben und mich zu einem der Geehrten gemacht hat!“ (27) Und nach ihm sandten Wir gegen seine Leute kein Heer vom Himmel herab, noch pflegten Wir (eins) zu senden. (28) Es war nur ein einziger Schrei, und siehe, sie lagen reglos da.“ (Der edle Koran 36:26-29)

36:26-29 - Als er ihnen dies gesagt und geraten hat und sich öffentlich zum Glauben bekannte, stürzten sie sich wie ein einziger Mann auf ihn und töteten ihn.[15] Ibn Abbas sagte: "Er riet seinem Volk zum Guten, während er lebte, und er riet ihnen nach seinem Tode." In diesem Vers liegt ein Hinweis auf die Banu Kuraysch, dem Stamm, dem Muhammed, Allahs Segen und Friede auf ihm, gehört. Nachdem Allah (t) den Zustand der Ungläubigen Mekkas mit dem der Bewohner der Stadt Antiochia verglichen hat, tadelt Er die Götzendiener, weil sie keine Lehre aus dem ziehen, was mit denen geschehen ist, die vor ihnen gelebt haben. Abu Hayyan sagt: "Allah bringt diese Worte, nachdem Er von ihrer Vernichtung berichtet hat, um zu verdeutlichen, dass Er die Vernichteten keineswegs in Ruhe lässt, vielmehr werden sie nach ihrer Vernichtung versammelt und zur Rechenschaft gezogen werden; und dann wird es Vergeltung und Bestrafung geben."[16]

 

يَا حَسْرَةً عَلَى الْعِبَادِ ۚ مَا يَأْتِيهِم مِّن رَّسُولٍ إِلَّا كَانُوا بِهِ يَسْتَهْزِئُونَ ﴿٣٠﴾ أَلَمْ يَرَوْا كَمْ أَهْلَكْنَا قَبْلَهُم مِّنَ الْقُرُونِ أَنَّهُمْ إِلَيْهِمْ لَا يَرْجِعُونَ ﴿٣١﴾ وَإِن كُلٌّ لَّمَّا جَمِيعٌ لَّدَيْنَا مُحْضَرُونَ ﴿٣٢﴾

„Wehe den Menschen! Kein Gesandter kommt zu ihnen, den sie nicht verspotteten. (30) Haben sie nicht gesehen, wie viele Geschlechter Wir schon vor ihnen vernichtet haben (und) dass sie nicht zu ihnen zurückkehren. (31) Jedoch sie alle, allesamt versammelt, werden sicher vor Uns gebracht werden.“ (Der edle Koran 36:30-32)

36:30-32: siehe 36:26-29 und die Anmerkung dazu.

 

وَآيَةٌ لَّهُمُ الْأَرْضُ الْمَيْتَةُ أَحْيَيْنَاهَا وَأَخْرَجْنَا مِنْهَا حَبًّا فَمِنْهُ يَأْكُلُونَ ﴿٣٣﴾ وَجَعَلْنَا فِيهَا جَنَّاتٍ مِّن نَّخِيلٍ وَأَعْنَابٍ وَفَجَّرْنَا فِيهَا مِنَ الْعُيُونِ ﴿٣٤﴾ لِيَأْكُلُوا مِن ثَمَرِهِ وَمَا عَمِلَتْهُ أَيْدِيهِمْ ۖ أَفَلَا يَشْكُرُونَ ﴿٣٥﴾ سُبْحَانَ الَّذِي خَلَقَ الْأَزْوَاجَ كُلَّهَا مِمَّا تُنبِتُ الْأَرْضُ وَمِنْ أَنفُسِهِمْ وَمِمَّا لَا يَعْلَمُونَ ﴿٣٦﴾

„Und ein Zeichen ist ihnen die tote Erde. Wir beleben sie und bringen aus ihr Korn hervor, von dem sie essen. (33) Und Wir haben auf ihr Gärten mit Dattelpalmen und Beeren angelegt, und Wir ließen Quellen aus ihr entspringen (34), damit sie von ihren Früchten essen; und ihre Hände schufen sie nicht. Wollen sie da nicht dankbar sein? (35) Preis (sei) Ihm, Der die Arten alle paarweise erschaffen hat von dem, was die Erde sprießen lässt, und von ihnen selber und von dem, was sie nicht kennen.“ (Der edle Koran 36:33-36)

36:33-36 - Zu den offenkundigen Anzeichen, die auf die Allmacht Allahs hinweisen, gehört die leblose Erde. Der Tod der Erde ist ihr unfruchtbarer Zustand; durch den Regen wird sie zum Leben erweckt; denn wenn Allah (t) auf sie das Wasser herabsendet, dann regt sie sich, schwillt an und lässt prächtige Arten paarweise hervorsprießen. Er ist Allah der Allerhöchste und Erhabene, Der alle möglichen Arten erschaffen hat, die sich in Farbe, Geschmack und Aussehen unterscheiden.[17]

 

وَآيَةٌ لَّهُمُ اللَّيْلُ نَسْلَخُ مِنْهُ النَّهَارَ فَإِذَا هُم مُّظْلِمُونَ ﴿٣٧﴾ وَالشَّمْسُ تَجْرِي لِمُسْتَقَرٍّ لَّهَا ۚ ذَٰلِكَ تَقْدِيرُ الْعَزِيزِ الْعَلِيمِ ﴿٣٨﴾ وَالْقَمَرَ قَدَّرْنَاهُ مَنَازِلَ حَتَّىٰ عَادَ كَالْعُرْجُونِ الْقَدِيمِ ﴿٣٩﴾ لَا الشَّمْسُ يَنبَغِي لَهَا أَن تُدْرِكَ الْقَمَرَ وَلَا اللَّيْلُ سَابِقُ النَّهَارِ ۚ وَكُلٌّ فِي فَلَكٍ يَسْبَحُونَ ﴿٤٠﴾

„Und ein Zeichen ist ihnen die Nacht. Wir entziehen ihr das Tageslicht, und siehe, sie sind in Finsternis. (37) Und die Sonne eilt dem ihr gesetztes Ziel zu. Das ist die Anordnung des Erhabenen, des Allwissenden. (38) Und für den Mond haben Wir Stationen bestimmt, bis er wie der alte Dattelrispenstiel wiederkehrt. (39) Weder hat die Sonne den Mond einzuholen, noch eilt die Nacht dem Tage voraus; und alle schweben auf einer Umlaufbahn.“ (Der edle Koran 36:37-40)

36:37-40 - Ein weiteres Zeichen für sie ist die Sonne, die mit Hilfe der Allmacht Allahs für eine bestimmte Zeit auf einer festen Bahn wandert, die sie nicht verlässt, bis diese Bewegung bei Ihm zu einem bestimmten Zeitpunkt endet und dies geschieht am Tag der Auferstehung, wenn das Ende der Welt kommt - dann findet auch ihre Bewegung ein Ende. Diese Bewegung ist eine Kombination aus Vorwärtsbewegung und Rotationsbewegung; sie geht mit Genauigkeit nach der Bestimmung Allahs. Dieses feste Ziel, dem die Sonne entgegen eilt, kennt nur Er, gepriesen sei Seine Majestät und Größe. Nachdem der Mond so wie ein alter, krummer Dattelrispenstiel geworden ist, beginnt er wieder am Ersten des Monats von neuem an zu wachsen. Es steht der Sonne nicht zu, den Mond einzuholen. Dies bedeutet, dass es für die Sonne nicht zulässig ist, den Mond zu erreichen, so dass ihre Leuchtkraft dessen Licht überstrahlt und ihn so unsichtbar macht, und es folglich zu allen Zeiten Tag und niemals Nacht wäre. Auch der Nacht steht es nicht zu, dem Tag nachzueilen, bis sie ihn erreicht und sein Licht hinfort nimmt, so dass es dann zu allen Zeiten Nacht wäre; denn jedes schwebt in einer Himmelssphäre. Katada hat gesagt: "Ein jeder hat seine Grenze, die er nicht überschreitet", bis schließlich der festgesetzte Termin mit der Zerstörung der Welt eintritt.[18]

 

وَآيَةٌ لَّهُمْ أَنَّا حَمَلْنَا ذُرِّيَّتَهُمْ فِي الْفُلْكِ الْمَشْحُونِ ﴿٤١﴾ وَخَلَقْنَا لَهُم مِّن مِّثْلِهِ مَا يَرْكَبُونَ ﴿٤٢﴾ وَإِن نَّشَأْ نُغْرِقْهُمْ فَلَا صَرِيخَ لَهُمْ وَلَا هُمْ يُنقَذُونَ ﴿٤٣﴾ إِلَّا رَحْمَةً مِّنَّا وَمَتَاعًا إِلَىٰ حِينٍ ﴿٤٤﴾

„Und ein Zeichen ist es ihnen, dass Wir ihre Nachkommenschaft in dem beladenen Schiff trugen. (41) Und Wir schufen ihnen etwas von gleicher Art, worauf sie fahren. (42) Und wenn Wir wollten, so könnten Wir sie ertrinken lassen; dann würden sie weder Helfer haben, noch könnten sie gerettet werden (43) außer durch Unsere Barmherzigkeit und zu einem Nießbrauch auf gewisse Zeit.“ (Der edle Koran 36:41-44)

36:41-44 - Und ein weiteres offenkundiges Zeichen, das auf Unsere vollkommene Allmacht hinweist, ist, dass Wir ihre Vorväter, die Nachkommen Adams, in dem Schiff Noahs trugen. Und Wir haben für sie die gewaltigen Schiffe nach Art des Schiffs von Noah erschaffen, die sie besteigen, und mit denen sie die entferntesten Länder erreichen. Deren Erschaffung geht natürlich auf Allah (t) zurück, da sie mit Hilfe des Wissens erbaut wurden, das Allah (t) dem Menschen zukommen ließ. Ibn Abbas sagte: "Gemeint sind die Kamele und die übrigen Reittiere; denn sie sind Transportmittel zu Lande wie die Schiffe Transportmittel zu Wasser sind." Allah (t) zeigt hier auf, dass die Schifffahrt zu Wasser zu den gewaltigen Zeichen gehört; denn das Fortbewegen des mit Menschen und Lasten beladenen Schiffs ist wirklich ein offenkundiges Zeichen, das auf die Allmacht Allahs hinweist. Sie werden getragen mit Hilfe Allahs und Seiner Naturgesetze, die das Universum verwalten, und zwar mit Hilfe der speziellen Eigenschaften der Schiffe, des Wassers und des Windes. All dies geschieht auf Befehl Allahs und ist von Ihm so bestimmt.[19]

 

وَإِذَا قِيلَ لَهُمُ اتَّقُوا مَا بَيْنَ أَيْدِيكُمْ وَمَا خَلْفَكُمْ لَعَلَّكُمْ تُرْحَمُونَ ﴿٤٥﴾ وَمَا تَأْتِيهِم مِّنْ آيَةٍ مِّنْ آيَاتِ رَبِّهِمْ إِلَّا كَانُوا عَنْهَا مُعْرِضِينَ ﴿٤٦﴾ وَإِذَا قِيلَ لَهُمْ أَنفِقُوا مِمَّا رَزَقَكُمُ اللَّـهُ قَالَ الَّذِينَ كَفَرُوا لِلَّذِينَ آمَنُوا أَنُطْعِمُ مَن لَّوْ يَشَاءُ اللَّـهُ أَطْعَمَهُ إِنْ أَنتُمْ إِلَّا فِي ضَلَالٍ مُّبِينٍ ﴿٤٧﴾

„Und wenn zu ihnen gesprochen wird: „Hütet euch vor dem, was vor euch ist und was hinter euch ist, auf dass ihr Erbarmen finden möget“, (so beachten sie die Warnung nicht). (45) Und es kommt kein Zeichen von den Zeichen ihres Herrn zu ihnen, ohne dass sie sich davon abwenden. (46) Und wenn zu ihnen gesprochen wird: „Spendet von dem, was Allah euch gegeben hat“, sagen die Ungläubigen zu den Gläubigen: „Sollen wir einen speisen, den Allah hätte speisen können, wenn Er es gewollt hätte? Ihr befindet euch da zweifellos in einem offenkundigen Irrtum.“ (Der edle Koran 36:45-47)

36:45-47 - Nachdem Allah (t) sie an die Anzeichen Seiner Allmacht und die Auswirkungen Seiner Barmherzigkeit erinnert hat, verweist Er hier auf ihre Blindheit gegenüber der Wahrheit und auf ihre Widerspenstigkeit gegenüber der Rechtleitung und dem Glauben. Ibn Abbas sagte: „Es gab damals in Mekka Ketzer, die, wenn sie aufgefordert wurden, für Bedürftige zu spenden, sagten: „Nein, bei Allah, das werden wir nicht tun. Sollen wir sie etwa ernähren, wo doch Allah sie arm sein lässt!“ Dies hat Allah gemacht, um die Menschen zu prüfen. So hat Er also die irdischen Güter den Armen nicht aus Geiz vorenthalten und die Reichen nicht zum Spenden aufgefordert, weil Er deren Geld braucht, sondern lediglich, um sie damit zu prüfen. Und Allah (t) macht, was Er will, ohne dabei irgendjemanden bezüglich Seinen Entscheidungen und Seines Willen ein Einspruchsrecht zu gewähren: Er wird nicht befragt nach dem, was Er tut; aber sie werden befragt nach dem, was sie tun.[20]

 

وَيَقُولُونَ مَتَىٰ هَـٰذَا الْوَعْدُ إِن كُنتُمْ صَادِقِينَ ﴿٤٨﴾ مَا يَنظُرُونَ إِلَّا صَيْحَةً وَاحِدَةً تَأْخُذُهُمْ وَهُمْ يَخِصِّمُونَ ﴿٤٩﴾ فَلَا يَسْتَطِيعُونَ تَوْصِيَةً وَلَا إِلَىٰ أَهْلِهِمْ يَرْجِعُونَ ﴿٥٠﴾

„Und sie sagen: „Wann wird diese Verheißung (in Erfüllung gehen), wenn ihr die Wahrheit sagt?“ (48) Sie warten nur auf einen einzigen Schrei, der sie erfassen wird, während sie noch streiten. (49) Und sie werden weder imstande sein, ein Vermächtnis zu treffen, noch werden sie zu ihren Angehörigen zurückkehren.“ (Der edle Koran 36:48-50)

36:48-50 - Ibn Kathir schreibt: Während die Menschen noch auf den Märkten und in ihrem Alltagsleben miteinander auf ihre gewohnte Art und Weise streiten und zanken, gibt Allah (t) dem Engel Israfil den Befehl, und dieser macht einen langen und ausgedehnten Stoß in das Horn, in Folge dessen keiner mehr auf der Erde übrig bleibt, der nicht seinen Kopf zum Himmel gedreht hat und dem Ton lauscht, der vom Himmel herab kommt." Weil sie der Schrei so plötzlich überkommt, haben sie keine Zeit mehr, sich gegenseitig etwas aufzutragen und auch nicht, zu ihren Familien und Wohnungen zurückzukehren. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede auf ihm, hat gesagt: „Die Stunde wird eintreffen, während zwei Männer gerade ein Kleidungsstück zum Verkauf ausgebreitet haben, und es kommt nicht zum Verkauf und es wird auch nicht mehr zusammengelegt. Und die Stunde wird eintreffen, während jemand gerade sein Wasserbecken mit Lehm ausbessert, und er wird es nicht mehr mit Wasser füllen. Und die Stunde wird eintreffen, während jemand gerade etwas zum Essen in seinen Mund stecken will, und er wird es nicht mehr essen.“ Daraufhin ertönt der zweite Hornstoß, bei dem alle Lebewesen sterben, außer Allah, dem Ewiglebenden. Danach ertönt der dritte Hornstoß, bei dem die Menschen aus ihren Gräbern heraus kommen.[21]

 

وَنُفِخَ فِي الصُّورِ فَإِذَا هُم مِّنَ الْأَجْدَاثِ إِلَىٰ رَبِّهِمْ يَنسِلُونَ ﴿٥١﴾ قَالُوا يَا وَيْلَنَا مَن بَعَثَنَا مِن مَّرْقَدِنَا ۜ ۗ هَـٰذَا مَا وَعَدَ الرَّحْمَـٰنُ وَصَدَقَ الْمُرْسَلُونَ ﴿٥٢﴾ إِن كَانَتْ إِلَّا صَيْحَةً وَاحِدَةً فَإِذَا هُمْ جَمِيعٌ لَّدَيْنَا مُحْضَرُونَ ﴿٥٣﴾ فَالْيَوْمَ لَا تُظْلَمُ نَفْسٌ شَيْئًا وَلَا تُجْزَوْنَ إِلَّا مَا كُنتُمْ تَعْمَلُونَ ﴿٥٤﴾

„Und in den Sur wird gestoßen, und siehe, sie eilen aus ihren Gräbern zu ihrem Herrn hervor. (51) Sie werden sagen: „O wehe uns! Wer hat uns von unserer Liegestelle erweckt? Das ist es, was der Allerbarmer (uns) verheißen hatte, und die Gesandten sagten doch die Wahrheit.“ (52) Es wird nur ein einziger Schrei sein, und siehe, sie werden alle vor Uns gebracht werden. (53) Nun, heute wird keine Seele im Geringsten ein Unrecht erleiden; und ihr sollt nur für das entlohnt werden, was ihr zu tun pflegtet.“ (Der edle Koran 36:51-54)

36:51-54 - Und an diesem Tag - also am Tag der Auferstehung - wird keiner Seele auch nur das geringste Unrecht geschehen, ganz gleich ob diese Seele rechtschaffen oder sündig gewesen ist; und kein Mensch wird mit der Last eines anderen beladen werden, sondern jedem wird nur gemäß seiner eigenen Taten vergolten werden.[22]

 

إِنَّ أَصْحَابَ الْجَنَّةِ الْيَوْمَ فِي شُغُلٍ فَاكِهُونَ ﴿٥٥﴾ هُمْ وَأَزْوَاجُهُمْ فِي ظِلَالٍ عَلَى الْأَرَائِكِ مُتَّكِئُونَ ﴿٥٦﴾ لَهُمْ فِيهَا فَاكِهَةٌ وَلَهُم مَّا يَدَّعُونَ ﴿٥٧﴾ سَلَامٌ قَوْلًا مِّن رَّبٍّ رَّحِيمٍ ﴿٥٨﴾

„Wahrlich, die Bewohner des Paradieses sind heute beschäftigt und erfreuen sich am Genuss. (55) Sie und ihre Gattinnen liegen im Schatten auf Ruhebetten gestützt. (56) Früchte werden sie darin haben, und sie werden bekommen, was immer sie (auch) begehren. (57) „Frieden!“ - (dies ist) eine Botschaft von einem Sich Erbarmenden Herrn.“ (Der edle Koran 36:55-58)

36:55-58 - Nachdem Allah (t) über den Zustand der Übeltäter berichtet hat, zeigt Er nun den Zustand der Rechtschaffenen, Gottesfürchtigen, auf: Die Paradiesbewohner werden an diesem Tag - am Tag der Vergeltung - zu beschäftigt sein mit den Freuden und Gnadenfüllen, in denen sie sich befinden, um an die Bewohner des Feuers zu denken. Sie erfreuen sich an den großäugigen Paradiesjungfrauen und genießen das Essen und Trinken und das Hören der Musik. In den ausgedehnten Schatten der Gärten, wo es keine brennende Sonne und keine schneidende Kälte gibt, liegen sie und ihre Ehefrauen auf Ruhebetten gelehnt, die mit Tüchern und Vorhängen geschmückt sind. Sie werden im Paradies haben, was sie sich immer wünschen und begehren, wie es in einem anderen Vers heißt: "In ihm ist, was die Seele begehrt, und an was sich die Augen erfreuen...“.[23] Sie bekommen einen Friedensgruß von ihrem Herrn, dem Barmherzigen. Im Hadis heißt es: „Während sich die Bewohner des Paradieses in ihren Gnadenfüllen befinden, die ihnen beschert wurden, strahlt auf sie ein Licht herab, worauf sie ihre Köpfe heben. Der Erhabene blickt auf sie herab und spricht: „Der Friede sei auf euch, ihr Bewohner des Paradieses!“ Und dies ist die Bedeutung des Koran-Verses: "Frieden! ein Wort von einem Barmherzigen Herrn". So blickt Er sie an und sie blicken Ihn an, und sie wenden nicht den Blick zur Seite auf irgendetwas von den Gnadenfüllen senken, sondern blicken solange zu Ihm, bis Er sich wieder vor ihnen verbirgt, und Sein Licht und Sein Segen bleiben auf ihnen, während sie in ihren Wohnungen sind.“[24]

 

وَامْتَازُوا الْيَوْمَ أَيُّهَا الْمُجْرِمُونَ ﴿٥٩﴾  أَلَمْ أَعْهَدْ إِلَيْكُمْ يَا بَنِي آدَمَ أَن لَّا تَعْبُدُوا الشَّيْطَانَ ۖ إِنَّهُ لَكُمْ عَدُوٌّ مُّبِينٌ ﴿٦٠﴾ وَأَنِ اعْبُدُونِي ۚ هَـٰذَا صِرَاطٌ مُّسْتَقِيمٌ ﴿٦١﴾ وَلَقَدْ أَضَلَّ مِنكُمْ جِبِلًّا كَثِيرًا ۖ أَفَلَمْ تَكُونُوا تَعْقِلُونَ ﴿٦٢﴾

„Und (es wird gesprochen): „Sondert euch heute ab, o ihr Schuldigen. (59) Habe Ich euch, ihr Kinder Adams, nicht geboten, nicht Satan zu dienen - denn er ist euer offenkundiger Feind (60), sondern Mir allein zu dienen? Das ist der gerade Weg. (61) Und doch hat er eine große Menge von euch irregeführt. Hattet ihr denn keinen Verstand?“ (Der edle Koran 36:59-62)

36:59-62 - Nachdem Allah (t) vom Zustand der Rechtschaffenen berichtet hat und von dem, was sie im Paradies an ewigwährenden Freuden haben, berichtet Er daraufhin vom Zustand der elenden Schuldigen und der Schande, die sie zu erleiden haben. Er berichtet dies in der gewohnten Weise des Korans, nämlich zum Ansporn, gläubig und rechtschaffen zu sein und zur Abschreckung davor, sündig zu sein und die Taten des Unglaubens zu begehen. Schließlich beendet Allah (t) die Sure mit einer Darlegung von Hinweisen, die auf die Auferstehung nach dem Tode und die Abrechnung hinweisen. Es wird berichtet, dass Ubaiyy Ibn Ḫalaf, einer der Führer der Ungläubigen im Stamm der Kuraysch, zum Propheten, Allahs Segen und Friede auf ihm, mit einem halbverwesten Knochen kam, ihn mit der Hand zerbröselte und daraufhin sagte: "Behauptest du etwa, dass Allah (t) diesen Knochen hier wiederbelebt, nachdem er morsch und faul geworden ist?" Der Prophet, Allahs Segen und Friede auf ihm, antwortete ihm: "Ja, Er wird ihn wieder beleben, und dann wird Er dich auferstehen und ins Feuer eintreten lassen".[25]

 

هَـٰذِهِ جَهَنَّمُ الَّتِي كُنتُمْ تُوعَدُونَ ﴿٦٣﴾ اصْلَوْهَا الْيَوْمَ بِمَا كُنتُمْ تَكْفُرُونَ ﴿٦٤﴾ الْيَوْمَ نَخْتِمُ عَلَىٰ أَفْوَاهِهِمْ وَتُكَلِّمُنَا أَيْدِيهِمْ وَتَشْهَدُ أَرْجُلُهُم بِمَا كَانُوا يَكْسِبُونَ ﴿٦٥﴾ وَلَوْ نَشَاءُ لَطَمَسْنَا عَلَىٰ أَعْيُنِهِمْ فَاسْتَبَقُوا الصِّرَاطَ فَأَنَّىٰ يُبْصِرُونَ ﴿٦٦﴾ وَلَوْ نَشَاءُ لَمَسَخْنَاهُمْ عَلَىٰ مَكَانَتِهِمْ فَمَا اسْتَطَاعُوا مُضِيًّا وَلَا يَرْجِعُونَ ﴿٦٧﴾

„Das ist Jahannam, die euch angedroht wurde (63); brennt heute in ihr dafür, dass ihr ungläubig wart.“ (64) Heute versiegeln Wir ihre Münder, jedoch ihre Hände werden zu Uns sprechen, und ihre Füße werden all das bezeugen, was sie erworben haben. (65) Und hätten Wir gewollt, hätten Wir ihr Augenlicht auslöschen können; dann würden sie versuchen, möglichst schnell auf den Weg zu kommen. Aber wie hätten sie etwas sehen können? (66) Und hätten Wir gewollt, hätten Wir sie verwandeln können, wo sie waren; dann wären sie nicht imstande gewesen, vorwärts oder rückwärts zu gehen.“ (Der edle Koran 36:63-67)

36:63-67 - vgl. 36:59-62 und die Anmerkung dazu. Tabari berichtet von Abu Musa Al-Asch´ari, dass dieser gesagt hat: "Der Ungläubige und der Heuchler werden am Tag der Auferstehung zur Abrechnung aufgerufen; sodann legt ihm sein Herr seine Taten vor, worauf er diese abstreitet und sagt: "Mein Herr, ich schwöre bei Deiner Allmacht! Dieser Engel hat etwas über mich aufgeschrieben, was ich gar nicht getan habe", worauf der Engel sagt: "Hast du dies nicht an jenem Tage und an jenem Ort getan?", worauf er, d.h. der Ungläubige bzw. der Heuchler, antwortet: "Nein, mein Herr, ich schwöre bei Deiner Allmacht, dies habe ich nicht getan." Wenn er dies gemacht hat, wird sein Mund versiegelt und seine Glieder beginnen zu sprechen." In einer Überlieferung vom Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede auf ihm, heißt es: „Der Knecht sagt: "Mein Herr, hast Du mich nicht vor ungerechter Behandlung bewahrt?" Er antwortet: "Doch!" Da sagt der Knecht: "Dann will ich nur einen Zeugen von mir selbst akzeptieren, der meine Taten bezeugt", worauf Er spricht: "Heute genügst du selbst als Zeuge gegen dich!" Dann wird sein Mund versiegelt und zu seinen Körpergliedern wird gesagt: "Sprecht!", worauf sie seine Taten aussagen. Sodann wird es ihm wieder möglich gemacht zu sprechen. Da sagt er: "Hinfort mit euch, um euretwillen habe ich dies doch getan und bin für euch eingetreten!"“ Und wenn Wir es wollten, dann hätten Wir sie blind gemacht, dann würden sie ihrer Gewohnheit gemäß auf ihrem Weg dahineilen; aber wie könnten sie dann etwas sehen? Ibn Abbas hat gesagt: „Gemeint ist damit: Und hätten Wir es gewollt, dann hätten Wir sie blind gemacht gegenüber der Rechtleitung, und dann würden sie niemals zum Weg der Wahrheit finden.“ Dies ist eine Drohung an die Kuraysch. Wenn Wir es gewollt hätten, dann hätten Wir sie derart verwandelt, dass sie an ihrem Platz sitzen blieben. Dies ist eine weitere Drohung, die an die nicht-gottergebenen Sünder gerichtet ist. Hierauf erwähnt Allah (t) als Anzeichen, welches darauf hinweist, dass Er dazu fähig ist, die Ungläubigen zu verwandeln, das Phänomen der Alterung: Wessen Leben Wir lang machen, den lassen Wir in andere Phasen des Lebens zurückfallen, so dass Er wieder wie ein Kind wird, dass nichts weiß. Begreifen sie denn nicht, dass derjenige, der fähig ist, dies zu tun, auch in der Lage ist, sie blind zu machen oder sie zu verwandeln?[26]

 

وَمَن نُّعَمِّرْهُ نُنَكِّسْهُ فِي الْخَلْقِ ۖ أَفَلَا يَعْقِلُونَ ﴿٦٨﴾ وَمَا عَلَّمْنَاهُ الشِّعْرَ وَمَا يَنبَغِي لَهُ ۚ إِنْ هُوَ إِلَّا ذِكْرٌ وَقُرْآنٌ مُّبِينٌ ﴿٦٩﴾ لِّيُنذِرَ مَن كَانَ حَيًّا وَيَحِقَّ الْقَوْلُ عَلَى الْكَافِرِينَ ﴿٧٠﴾

„Und den, dem Wir ein langes Leben geben, setzen wir körperlichem Verfall aus. Wollen sie es denn nicht begreifen? (68) Und Wir haben ihn nicht die Dichtung gelehrt, noch ziemte sie sich für ihn. Dies ist nichts als eine Ermahnung und ein deutlicher Koran (69), auf dass er jeden warne, der am Leben ist und auf dass das Wort gegen die Ungläubigen in Erfüllung gehe.“ (Der edle Koran 36:68-70)

36:68-70 - s. 36:63-67. Man nannte den Gesandten Allahs einen Dichter, und zwar ist überliefert, dass der Mekkaner Uqba Ibn Abi Mu‘aiṭ das getan hat.[27] Kurtubi schreibt: "Dies ist eine Antwort auf die Behauptung der Ungläubigen, dass er ein Dichter sei. Was Muhammed (صلى الله عليه و سلم) rezitiert, ist nichts anders als Warnung und Ermahnung von Allah (t), Dem Herrn der Welten an Seine Diener; und ein klarer und deutlicher Koran, der nirgends stellenweise mit Dichtung vermischt. Mit diesem Koran sind diejenigen zu warnen, deren Herzen lebendig sind, und die einen aufgeklärten Einblick in die Wahrheit haben, und das sind die Gläubigen, weil sie aus dem Koran Nutzen ziehen, d.h. dass die Strafe für die Ungläubigen fällig werde, weil sie, als ob sie Tote wären, nicht begreifen, womit sie angesprochen werden. Sehen sie denn nicht mit einem nachdenkenden Blick, und denken sie denn nicht nach darüber, was Unsere Hände erschaffen haben unmittelbar, ohne Teilhaber und ohne jeden Helfer, was Wir für sie erschaffen haben an Tieren und damit sind die Kamele, Kühe und Schafe gemeint? Und über das sie frei verfügen können wie ein Eigentümer über sein Hab und Gut. Das bedeutet, dass Allah (t) das Vieh für sie unterwürfig und fügsam gemacht hat, ohne dass es sich ihnen verweigert. Wenn ein kleiner Junge zu einem Kamel kommt, kann er es niederknien und aufstehen lassen, es vor sich hertreiben, und es wird sich unterwürfig von ihm führen lassen; und genauso ist es bei einer Karawane von hundert Kamelen, sie alle folgen in ihrer Bewegung dem Jungen. Darum sei Der gepriesen, Der dies Seinen Dienern dienstbar gemacht hat![28]

 

أَوَلَمْ يَرَوْا أَنَّا خَلَقْنَا لَهُم مِّمَّا عَمِلَتْ أَيْدِينَا أَنْعَامًا فَهُمْ لَهَا مَالِكُونَ ﴿٧١﴾ وَذَلَّلْنَاهَا لَهُمْ فَمِنْهَا رَكُوبُهُمْ وَمِنْهَا يَأْكُلُونَ ﴿٧٢﴾ وَلَهُمْ فِيهَا مَنَافِعُ وَمَشَارِبُ ۖ أَفَلَا يَشْكُرُونَ ﴿٧٣﴾

„Haben sie nicht gesehen, dass Wir von den Dingen, die Unsere Hände gemacht haben, für sie das Vieh erschufen, dessen Besitzer sie geworden sind? (71) Und Wir haben es ihnen dienstbar gemacht, so dass manche von ihnen zum Reiten dienen und manche Nahrung geben. (72) Und sie haben an ihnen noch (anderen) Nutzen und (auch) Trank. Wollen sie also nicht dankbar sein?“ (Der edle Koran 36:71-73)

36:71-73 - Von diesen Tieren gibt es welche, die sie als Reit- und Lasttiere auf ihren Reisen benutzen, wie etwa die Kamele, und von anderen wieder essen sie das Fleisch, wie etwa von den Kühen und den Schafen.[29] Sie haben von ihnen neben dem Essen und der Benutzung als Reittiere weitere Nutzen, wie z.B. Leder, Wolle, Haar und Fell; und sie haben auch zu Trinken von ihnen: Wir geben euch zu trinken von dem, was in ihren Bäuchen ist, zwischen Mageninhalt und Blut reine Milch, wohlschmeckend für die Trinkenden.[30] Sind sie denn nicht ihrem Herrn dankbar für diese großen Gaben? Der Sinn der Verse ist, von den Gaben Allahs aufzuzählen und den Götzendienern eine Beweisführung darzulegen.[31]

 

وَاتَّخَذُوا مِن دُونِ اللَّـهِ آلِهَةً لَّعَلَّهُمْ يُنصَرُونَ ﴿٧٤﴾ لَا يَسْتَطِيعُونَ نَصْرَهُمْ وَهُمْ لَهُمْ جُندٌ مُّحْضَرُونَ ﴿٧٥﴾ فَلَا يَحْزُنكَ قَوْلُهُمْ ۘ إِنَّا نَعْلَمُ مَا يُسِرُّونَ وَمَا يُعْلِنُونَ ﴿٧٦﴾

„Und sie haben sich statt Allah Götter genommen, damit ihnen geholfen würde. (74) Sie vermögen ihnen nicht zu helfen; vielmehr sind sie selbst als eine Heerschar für sie im Einsatz (75); so lass dich daher von ihrer Rede nicht betrüben. Wir wissen, was sie verbergen und was sie offenkundig tun.“ (Der edle Koran 36:74-76)

36:74-76 - Dann tadelt Allah (t) sie und weist sie zurecht, weil sie dem Schlimmsten an Fehlverhalten und Abweichen vom geraden Weg nachgehen: Diese Götzendiener sind wie ein dienstbereites Heer für ihre Götzenbilder. So sei nicht traurig darüber, o Muhammed, dass sie dich der Lüge zeihen und dich beschuldigen, ein Dichter oder Zauberer zu sein. Dies ist eine Tröstung für den Propheten (صلى الله عليه و سلم).[32]

 

أَوَلَمْ يَرَ الْإِنسَانُ أَنَّا خَلَقْنَاهُ مِن نُّطْفَةٍ فَإِذَا هُوَ خَصِيمٌ مُّبِينٌ ﴿٧٧﴾ وَضَرَبَ لَنَا مَثَلًا وَنَسِيَ خَلْقَهُ ۖ قَالَ مَن يُحْيِي الْعِظَامَ وَهِيَ رَمِيمٌ ﴿٧٨﴾ قُلْ يُحْيِيهَا الَّذِي أَنشَأَهَا أَوَّلَ مَرَّةٍ ۖ وَهُوَ بِكُلِّ خَلْقٍ عَلِيمٌ ﴿٧٩﴾ الَّذِي جَعَلَ لَكُم مِّنَ الشَّجَرِ الْأَخْضَرِ نَارًا فَإِذَا أَنتُم مِّنْهُ تُوقِدُونَ ﴿٨٠﴾

„Weiß der Mensch denn nicht, dass Wir ihn aus einem Samentropfen erschufen? Und siehe da, er ist ein offenkundiger Widersacher! (77) Und er prägt Uns Gleichnisse und vergisst seine eigene Erschaffung. Er sagt: „Wer kann die Gebeine beleben, wenn sie morsch geworden sind?“ (78) Sprich: „Er, Der sie das erste Mal erschuf - Er wird sie beleben; denn Er kennt jegliche Schöpfung. (79) Er, Der für euch Feuer aus den grünen Bäumen hervorbringt; und siehe, davon habt ihr dann Brennmaterial.“ (Der edle Koran 36:77-80)

36:77-80: vgl. 16:3- 4 und die Anmerkung dazu.

 

أَوَلَيْسَ الَّذِي خَلَقَ السَّمَاوَاتِ وَالْأَرْضَ بِقَادِرٍ عَلَىٰ أَن يَخْلُقَ مِثْلَهُم ۚ بَلَىٰ وَهُوَ الْخَلَّاقُ الْعَلِيمُ ﴿٨١﴾ إِنَّمَا أَمْرُهُ إِذَا أَرَادَ شَيْئًا أَن يَقُولَ لَهُ كُن فَيَكُونُ ﴿٨٢﴾ فَسُبْحَانَ الَّذِي بِيَدِهِ مَلَكُوتُ كُلِّ شَيْءٍ وَإِلَيْهِ تُرْجَعُونَ ﴿٨٣﴾

„Ist Er, Der die Himmel und die Erde erschuf, nicht imstande, ihresgleichen zu erschaffen?“ Doch, und Er ist der Erschaffer, der Allwissende. (81) Wenn Er etwas will, spricht Er zu ihm nur: „Sei!“ - und es ist. (82) Also gepriesen sei Der, in Dessen Hand die Herrschaft über alle Dinge ruht und zu Dem ihr zurückgebracht werdet!“ (Der edle Koran 36:81-83)

36:81 - Allahs Wort "ihresgleichen zu schaffen" kann zwei Bedeutungen haben: Er schafft etwas, das den Menschen, wenn man sie an den Himmeln und der Erde misst, in seiner Kleinheit und Verächtlichkeit gleicht. Oder: Er lässt die Menschen wiederkehren; denn das Wiedergekehrte gleicht zwar dem Ursprünglichen, ist aber nicht mit ihm identisch.[33]

36:82-83 - Der mit Seiner Allmacht für euch aus den grünen Bäumen Feuer machte, das wiederum Bäume verbrennen kann. Denn manche grünen Bäume und Wüstensträucher enthalten ätherische Substanzen, die entflammbar sind, auch dann wenn sie grün sind, d.h. wenn sie Feuchtigkeit enthalten. Man kann auch sagen, dass der Mensch von grünen Bäumen Feuer machen kann, wenn diese durch das Naturgesetz Allahs durch Sonnenstrahlen, die auch von Ihm gemacht sind, ausgetrocknet sind. So macht Allah, was Er will; und ebenso kann Er die verwesten Knochen beleben und zu einer neuen Schöpfung zusammenfügen. Siehst du nicht, dass das Wasser das Feuer löscht, und trotzdem kommt das Feuer aus etwas hervor, was Wasser enthält. Die Beduinen entzünden das Feuer, indem sie das Holz von zwei Baumarten, Marh und Ufar, gegeneinander reiben. Und in einem ihrer Sprichwörter heißt es: In jedem Ding liegt Feuer, aber im Marh und Ufar liegt mehr davon. Die Vereinigung des Gegensätzlichen gehört zu den Geheimnissen Seiner Allmacht, In den Wolken ist Wasser und Feuer zugleich. Ist nicht Der, Der die Himmel und die Erde mit ihren gewaltigen und großartigen Beschaffenheit und ihren überdimensionalen Massen erschaffen hat, fähig, die Körper der Kinder Adams neu zu erschaffen, nachdem sie schon vergangen sind? Doch, Er ist Derjenige, Der fähig dazu ist; denn Er ist schließlich der perfekte und beste Schöpfer und Former Seiner Schöpfung und Der, Der über alles Bescheid weiß. Sein Befehl ist nur ein einziges Wort; wenn Er etwas erschaffen will: "Sei!", und es ist. Also gepriesen ist Der, in Dessen Hand die Herrschaft über alle Dinge ruht. Er ist Der, in Dessen Hand das große Reich ist, und Der die vollkommene Allmacht über alle Dinge besitzt. Zu Ihm allein ist die Heimkehr der Geschöpfe zur Abrechnung und Belohnung bzw. Bestrafung. Allah (t) beendet diese edle Sure mit diesem wunderbaren Abschluss, der auf die vollkommene Allmacht und die hocherhabene Majestät der Herrschaftsgewalt hinweist, die einzig und allein Ihm, Dem Schöpfer des Universums, gehört.[34]


 

Alles Lob gebührt Allah, Dem Herrn der Welten.

 


[1] Überliefert bei Al-Bazzār

 

[2] Erläuterungen zur Sura Yā Sīn von Muḥammad Ali As-Sabuni (aus dem Titel: "Ṣafwat At-Tafāsīr"), Karlsruhe 1420 / 1999

 

[3] vgl. Erläuterung der Termini, s.u. "Alif"

 

[4] Erläuterungen zur Sura Yā Sīn von Muḥammad Ali As-Sabuni (aus dem Titel: "Ṣafwat At-Tafāsīr"), Karlsruhe 1420 / 1999

 

[5] Erläuterungen zur Sura Yā Sīn von Muḥammad Ali As-Sabuni (aus dem Titel: "Ṣafwat At-Tafāsīr"), Karlsruhe 1420 / 1999

 

[6] Erläuterungen zur Sura Yā Sīn von Muḥammad Ali As-Sabuni (aus dem Titel: "Ṣafwat At-Tafāsīr"), Karlsruhe 1420 / 1999

 

[7] Erläuterungen zur Sura Yā Sīn von Muḥammad Ali As-Sabuni (aus dem Titel: "Ṣafwat At-Tafāsīr"), Karlsruhe 1420 / 1999

 

[8] Erläuterungen zur Sura Yā Sīn von Muḥammad Ali As-Sabuni (aus dem Titel: "Ṣafwat At-Tafāsīr"), Karlsruhe 1420 / 1999

 

[9] Erläuterungen zur Sura Yā Sīn von Muḥammad Ali As-Sabuni (aus dem Titel: "Ṣafwat At-Tafāsīr"), Karlsruhe 1420 / 1999

 

[10] Erläuterungen zur Sura Yā Sīn von Muḥammad Ali As-Sabuni (aus dem Titel: "Ṣafwat At-Tafāsīr"), Karlsruhe 1420 / 1999 / vgl. 17:45-46 und die Anmerkung dazu

 

[11] Erläuterungen zur Sura Yā Sīn von Muḥammad Ali As-Sabuni (aus dem Titel: "Ṣafwat At-Tafāsīr"), Karlsruhe 1420 / 1999

 

[12] Tafsīr Al-Ǧalālain von Ǧalālu-dDīn As-Suyūṭyy / Tafsīr Ibn Kaṯīr / Erläuterungen zur Sura Yā Sīn von Muḥammad Ali As-Sabuni (aus dem Titel: "Ṣafwat At-Tafāsīr"), Karlsruhe 1420 / 1999 / TAB Tafsīr Aṭ-Ṭabaryy

 

[13] Erläuterungen zur Sura Yā Sīn von Muḥammad Ali As-Sabuni (aus dem Titel: "Ṣafwat At-Tafāsīr"), Karlsruhe 1420 / 1999 / vgl. 36:18-19

 

[14] Erläuterungen zur Sura Yā Sīn von Muḥammad Ali As-Sabuni (aus dem Titel: "Ṣafwat At-Tafāsīr"), Karlsruhe 1420 / 1999 / vgl. dazu 7:130-131

 

[15] vgl. 36:20-25

 

[16] Erläuterungen zur Sura Yā Sīn von Muḥammad Ali As-Sabuni (aus dem Titel: "Ṣafwat At-Tafāsīr"), Karlsruhe 1420 / 1999 / vgl. 37:11-19 und die Anmerkung dazu

 

[17] vgl. dazu 51:49

 

[18] Erläuterungen zur Sura Yā Sīn von Muḥammad Ali As-Sabuni (aus dem Titel: "Ṣafwat At-Tafāsīr"), Karlsruhe 1420 / 1999 / vgl. 75:9

 

[19] Erläuterungen zur Sura Yā Sīn von Muḥammad Ali As-Sabuni (aus dem Titel: "Ṣafwat At-Tafāsīr"), Karlsruhe 1420 / 1999

 

[20] vgl. 21:23 / Erläuterungen zur Sura Yā Sīn von Muḥammad Ali As-Sabuni (aus dem Titel: "Ṣafwat At-Tafāsīr"), Karlsruhe 1420 / 1999 / vgl. 75:9

 

[21] Erläuterungen zur Sura Yā Sīn von Muḥammad Ali As-Sabuni (aus dem Titel: "Ṣafwat At-Tafāsīr"), Karlsruhe 1420 / 1999 / vgl. 36:51; ferner 37:11-19 und die Anmerkung dazu

 

[22] s. 36:48-50 und die Anmerkung dazu

 

[23] siehe 43:71

 

[24] Tafsīr Ibn Kaṯīr / Erläuterungen zur Sura Yā Sīn von Muḥammad Ali As-Sabuni (aus dem Titel: "Ṣafwat At-Tafāsīr"), Karlsruhe 1420 / 1999 / vgl. 10:9-10; 37:11-19 und die Anmerkung dazu

 

[25] siehe 44:49 / Erläuterungen zur Sura Yā Sīn von Muḥammad Ali As-Sabuni (aus dem Titel: "Ṣafwat At-Tafāsīr"), Karlsruhe 1420 / 1999

 

[26] Erläuterungen zur Sura Yā Sīn von Muḥammad Ali As-Sabuni (aus dem Titel: "Ṣafwat At-Tafāsīr"), Karlsruhe 1420 / 1999

 

[27] vgl. 26:221-227 und die Anmerkung dazu

 

[28] vgl. ferner 36:71-73

 

[29] vgl. dazu 36:68-70

 

[30] vgl. 16:66

 

[31] Erläuterungen zur Sura Yā Sīn von Muḥammad Ali As-Sabuni (aus dem Titel: "Ṣafwat At-Tafāsīr"), Karlsruhe 1420 / 1999 / vgl. 26:221-227 und die Anmerkung dazu

 

[32] Erläuterungen zur Sura Yā Sīn von Muḥammad Ali As-Sabuni (aus dem Titel: "Ṣafwat At-Tafāsīr"), Karlsruhe 1420 / 1999

 

[33] Tafsīr Az-Zamaḫšaryy / Gätje, Helmut: Koran und Koranexegese, Zürich, Stuttgart 1971

 

[34] Erläuterungen zur Sura Yā Sīn von Muḥammad Ali As-Sabuni (aus dem Titel: "Ṣafwat At-Tafāsīr"), Karlsruhe 1420 / 1999

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


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