35. Sure: Fatir (Der Schöpfer)

15-03-2020

35. Sure: Fatir (Der Schöpfer)
Offenbart in Mekka
45 Ayat (Verse)

 

Diese Sure handelt von den Wundern der Schöpfung und wie sie erhalten werden, dargestellt durch die Mitwirkung von Engeln. Entweder betrachten wir die Natur um uns herum, oder uns selbst; jede Schöpfungsart preist Allah, und schützt Allahs Diener vor dem Bösen. Ruhm gebührt Allah, Der die Quelle alles Guten ist. Er erschuf die Engel, welche Botschafter sind und Allahs Befehl ausführen; sie können nur Allahs Gesetze befolgen, die Allahs Schöpfung aufrechterhalten. Satan ist ein Feind; deshalb lasse dich von seiner Verführung nicht betören und widersetze dich. Diejenigen, die Allah ablehnen, werden eine strenge Strafe erleiden. Wenn du irgendetwas neben Allah anbetest, wird es dich nicht erhören, und wenn es dich hören könnte, kann es deinen Ruf nicht beantworten. Gutes und Schlechtes kann niemals gleich sein, so wie der Sehende und der Blinde nicht gleich sind; ähnlich wie Dunkelheit und Licht, kühler Schatten und Hitze, oder das Lebendige und das Tote. Wir brauchen Allah (t), aber Er ist frei von allen Bedürfnissen. So wie die Menschen und andere Geschöpfe aus verschiedenen Farben erschaffen sind, so gibt es verschiedene Rangstufen in der Glaubenswelt, von der nur diejenigen Wissen haben, die Allah fürchten. Die Guten werden ein glückliches Ende finden, während die Übeltäter keinen Helfer finden werden. Die Hochmütigen werden vernichtet werden. Die Übeltäter sollten aus den Schicksalen der Leute lernen, die vor ihnen da waren. Allah (t) gibt ihnen für eine bestimmte Zeit Aufschub: Wenn ihre Zeit abgelaufen ist, bestraft Er sie.

 

 

بِسْمِ اللَّـهِ الرَّحْمَـٰنِ الرَّحِيمِ

Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen!

 

الْحَمْدُ لِلَّـهِ فَاطِرِ السَّمَاوَاتِ وَالْأَرْضِ جَاعِلِ الْمَلَائِكَةِ رُسُلًا أُولِي أَجْنِحَةٍ مَّثْنَىٰ وَثُلَاثَ وَرُبَاعَ ۚ يَزِيدُ فِي الْخَلْقِ مَا يَشَاءُ ۚ إِنَّ اللَّـهَ عَلَىٰ كُلِّ شَيْءٍ قَدِيرٌ ﴿١﴾

„Alles Lob gebührt Allah, dem Schöpfer der Himmel und der Erde, Der die Engel, mit je zwei, drei und vier Flügeln, zu Boten gemacht hat. Er fügt der Schöpfung hinzu, was Ihm gefällt; Allah hat wahrlich Macht über alle Dinge.“ (Der edle Koran 35:1)

35:1 - Diese Sure trägt den Namen "Fatir" (Der Schöpfer)[1], Dem hier alles Lob gebührt. Er ist Allah (t), Der nicht nur Himmel und Erde erschaffen hat, sondern auch die Engel, über die Er hier etwas von ihrer Beschaffenheit entlüftet. Dieser Vers bestätigt schon das, was die Menschen durch viele Epochen hinweg angenommen haben, dass Engel Flügel haben. Es gibt leider einige Muslime, die über diesen Koran-Vers nicht informiert sind und meinen, Engel müssen nicht Flügel haben. Die Art und Weise, wie die Flügel in ihrer Zahl auf der Gestalt des Engels geteilt sind, ist nicht zu erfahren; denn Er fügt der Schöpfung hinzu, was Ihm gefällt; Allah hat wahrlich Macht über alle Dinge. Andere Aussagen über die Engel finden wir in 21:18; 7:206; 66:6.[2]

 

مَّا يَفْتَحِ اللَّـهُ لِلنَّاسِ مِن رَّحْمَةٍ فَلَا مُمْسِكَ لَهَا ۖ وَمَا يُمْسِكْ فَلَا مُرْسِلَ لَهُ مِن بَعْدِهِ ۚ وَهُوَ الْعَزِيزُ الْحَكِيمُ ﴿٢﴾

„Was Allah den Menschen an Barmherzigkeit gewährt, das kann keiner zurückhalten; und was Er zurückhält, das kann nach Ihm keiner freigeben; und Er ist der Allmächtige, der Allweise.“ (Der edle Koran 35:2)

35:2 - Dieser Vers knüpft unmittelbar an das Ende des vorigen Verses an, wovon Allahs Allmacht die Rede ist. Die Barmherzigkeit Allahs kann jeder erlangen, wenn er darum bittet. Abraham hat sie im Feuer gefunden. Yusuf fand sie in der Tiefe des Brunnens und in der Dunkelheit des Gefängnisses. Yunus fand sie in der Dunkelheit im Bauch eines Wahls. Moses fand sie im Fluss als schutzloser Säugling, aber auch im Palast des Pharao, seines Feindes, der auf ihn lauerte, und nach ihm suchte.[3]

 

يَا أَيُّهَا النَّاسُ اذْكُرُوا نِعْمَتَ اللَّـهِ عَلَيْكُمْ ۚ هَلْ مِنْ خَالِقٍ غَيْرُ اللَّـهِ يَرْزُقُكُم مِّنَ السَّمَاءِ وَالْأَرْضِ ۚ لَا إِلَـٰهَ إِلَّا هُوَ ۖ فَأَنَّىٰ تُؤْفَكُونَ ﴿٣﴾

„O ihr Menschen, gedenkt der Gnade Allahs gegen euch. Gibt es einen Schöpfer außer Allah, Der euch vom Himmel und von der Erde her versorgt? Es ist kein Gott außer Ihm. Wie könnt ihr euch da (von Ihm) abwenden?“ (Der edle Koran 35:3)

35:3 - Die Rede hier ist an alle Menschen zu allen Orten und Zeiten gerichtet. Dieser Vers soll uns Menschen davor warnen, undankbar Allah (t) gegenüber zu sein. Denn allein durch Seine Gnade und Fürsorge wird das menschliche Leben erhalten.[4] Zwischen dem ersten und dem zweiten Satz in diesem Vers ist eine kurze Pause zu denken.

 

وَإِن يُكَذِّبُوكَ فَقَدْ كُذِّبَتْ رُسُلٌ مِّن قَبْلِكَ ۚ وَإِلَى اللَّـهِ تُرْجَعُ الْأُمُورُ ﴿٤﴾ يَا أَيُّهَا النَّاسُ إِنَّ وَعْدَ اللَّـهِ حَقٌّ ۖ فَلَا تَغُرَّنَّكُمُ الْحَيَاةُ الدُّنْيَا ۖ وَلَا يَغُرَّنَّكُم بِاللَّـهِ الْغَرُورُ ﴿٥﴾ إِنَّ الشَّيْطَانَ لَكُمْ عَدُوٌّ فَاتَّخِذُوهُ عَدُوًّا ۚ إِنَّمَا يَدْعُو حِزْبَهُ لِيَكُونُوا مِنْ أَصْحَابِ السَّعِيرِ ﴿٦﴾

„Und wenn sie dich der Lüge bezichtigen: schon die Gesandten vor dir sind der Lüge bezichtigt worden; und zu Allah werden die Angelegenheiten zurückgebracht. (4) O ihr Menschen, wahrlich, die Verheißung Allahs ist wahr, darum lasst euch nicht vom diesseitigen Leben betören, und lasst euch nicht vom Betörer über Allah betören. (5) Wahrlich, Satan ist euer Feind; so haltet ihn für einen Feind. Er ruft seine Anhänger nur herbei, damit sie zu Bewohnern des flammenden Feuers werden.“ (Der edle Koran 35:4-6)

35:4 - Damit ist der Prophet Muhammed, Allahs Segen und Friede auf ihm, angesprochen. Die Entscheidung über die Wahrheit liegt allein bei Allah (t). Er wird letztendlich darüber urteilen, wer ein Lügner war, und diesem entsprechend vergelten.[5]

35:5-6 - Hier kehrt die Rede zurück an alle Menschen in Bezug auf Vers 35:3 [6], um sie vor Satan, ihrem Erzfeind zu warnen; er lauert nur, um sie durch seinen schmackhaft gemachten Betrug von der Verheißung Allahs zu entfernen.[7]

                                                                                                                   

الَّذِينَ كَفَرُوا لَهُمْ عَذَابٌ شَدِيدٌ ۖ وَالَّذِينَ آمَنُوا وَعَمِلُوا الصَّالِحَاتِ لَهُم مَّغْفِرَةٌ وَأَجْرٌ كَبِيرٌ ﴿٧﴾ أَفَمَن زُيِّنَ لَهُ سُوءُ عَمَلِهِ فَرَآهُ حَسَنًا ۖ فَإِنَّ اللَّـهَ يُضِلُّ مَن يَشَاءُ وَيَهْدِي مَن يَشَاءُ ۖ فَلَا تَذْهَبْ نَفْسُكَ عَلَيْهِمْ حَسَرَاتٍ ۚ إِنَّ اللَّـهَ عَلِيمٌ بِمَا يَصْنَعُونَ ﴿٨﴾

„Denjenigen, die ungläubig sind, wird eine strenge Strafe zuteil sein. Denen aber, die glauben und gute Werke tun, wird Vergebung und großer Lohn zuteil sein. (7) Ist etwa der, dem das Böse seines Tuns verschönt wird, so dass er es als gut ansieht, (rechtgeleitet)? Gewiss, Allah lässt in die Irre gehen, wen Er will, und leitet recht, wen Er will. Lass darum deine Seele nicht in Seufzern über sie hinschwinden. Wahrlich, Allah weiß, was sie tun.“ (Der edle Koran 35:7-8)

35:7 - Hier handelt es sich um die bekannte Parallele des Korans, durch die Allah (t) die Warnung und die frohe Botschaft verkündet.

35:8 - Die Verse 35:3-7 waren an die Menschen allgemein gerichtet. In diesem Abschnitt wurden die Hauptverantwortlichen für Irrtum und Abweichungen erwähnt, die ihr Äußerstes taten, um den Auftrag des Propheten (صلى الله عليه و سلم) zunichtezumachen. Aber der Gesandte Allahs sollte über die Haltung solcher Menschen nicht traurig oder entmutigt sein.[8] Allah (t) tröstet ihn mit diesen Worten und fordert ihn auf, Ihm allein die Sache anheimzustellen. Dieser Satz enthält die Drohung, dass Allah (t) sie für ihre Übeltaten bestrafen wird, wenn die Zeit gekommen ist.[9]

 

وَاللَّـهُ الَّذِي أَرْسَلَ الرِّيَاحَ فَتُثِيرُ سَحَابًا فَسُقْنَاهُ إِلَىٰ بَلَدٍ مَّيِّتٍ فَأَحْيَيْنَا بِهِ الْأَرْضَ بَعْدَ مَوْتِهَا ۚ كَذَٰلِكَ النُّشُورُ ﴿٩﴾ مَن كَانَ يُرِيدُ الْعِزَّةَ فَلِلَّـهِ الْعِزَّةُ جَمِيعًا ۚ إِلَيْهِ يَصْعَدُ الْكَلِمُ الطَّيِّبُ وَالْعَمَلُ الصَّالِحُ يَرْفَعُهُ ۚ وَالَّذِينَ يَمْكُرُونَ السَّيِّئَاتِ لَهُمْ عَذَابٌ شَدِيدٌ ۖ وَمَكْرُ أُولَـٰئِكَ هُوَ يَبُورُ ﴿١٠﴾ وَاللَّـهُ خَلَقَكُم مِّن تُرَابٍ ثُمَّ مِن نُّطْفَةٍ ثُمَّ جَعَلَكُمْ أَزْوَاجًا ۚ وَمَا تَحْمِلُ مِنْ أُنثَىٰ وَلَا تَضَعُ إِلَّا بِعِلْمِهِ ۚ وَمَا يُعَمَّرُ مِن مُّعَمَّرٍ وَلَا يُنقَصُ مِنْ عُمُرِهِ إِلَّا فِي كِتَابٍ ۚ إِنَّ ذَٰلِكَ عَلَى اللَّـهِ يَسِيرٌ ﴿١١﴾

„Und Allah ist es, Der die Winde sendet, die das Gewölk hochtreiben. Dann treiben Wir es über eine tote Stadt und beleben damit die Erde nach ihrem Tode. Ebenso wird es bei der Auferstehung der (Toten) sein. (9) Wer da Erhabenheit begehrt, (der wisse), dass alle Erhabenheit Allah gehört. Zu Ihm steigt das gute Wort empor, und rechtschaffenes Werk wird es hochtreiben lassen. Und diejenigen, die Böses planen - für sie ist eine strenge Strafe (bestimmt); und ihr Planen wird unwirksam sein. (10) Und Allah hat euch aus Erde erschaffen, dann aus einem Samentropfen, dann machte Er euch zu Paaren. Und kein weibliches Wesen wird schwanger oder entbindet ohne Sein Wissen. Und keinem, der ein langes Leben hat, wird sein Leben verlängert, noch wird sein Leben irgendwie verringert, ohne dass es in einem Buch stünde. Das ist ein leichtes für Allah.“ (Der edle Koran 35:9-11)

35:9 - Wasser ist die Grundlage für alles Lebendige. Man versteht darunter, dass Allah (t) die Wolken mit dem Wind steuert. Alles ist keinem Zufall überlassen; denn Zufall in Glaubensfragen gibt es überhaupt nicht. Die Belebung einer toten Stadt ist also eine gottgewollte Sache, genauso wie die Wiederbelebung der Toten. Das ist die Antwort darauf, dass die Götzendiener das Leben nach dem Tod für unmöglich halten.

35:10 - Die guten Worte zum Wohlwollen Allahs werden von Ihm angenommen; sie werden zu Ihm emporsteigen und die guten Taten wirken für sie wie eine Treibkraft, um diese zu beschleunigen.[10] Das allerbeste unter allen guten Worten ist das Glaubensbekenntnis im Islam: "Kein Gott ist da außer Allah; Muhammed ist der Gesandte Allahs." Gute Worte ähneln guten Pflanzen, die wachsen und gesunde Früchte tragen. Gute Worte sind das Produkt des Glaubens und werden reichlich belohnt. Aus dem Unglauben kommt nichts Gutes heraus, weder das Wort noch die Handlung. Für Menschen, die solches begehen, ist eine schwere Strafe bereitet, und über dies hinaus tragen ihre Pläne keine Früchte und werden vereitelt.[11]

35:11 - Die Erschaffung des ersten Menschen geschah aus der irdischen Substanz. Die weitere Erschaffung geschieht durch einen Samentropfen in Verbindung mit seiner Gattin, die aus ihm selbst erschaffen wurde. Jede weitere Erschaffung von den beiden bis zum Weltende geschieht nach einer Gesetzmäßigkeit durch Vermehrung, ebenfalls durch Samentropfen.[12] Ehre, Macht und Wissen sind nicht in seinem niedrigen Ursprung enthalten, sondern in Allahs Allmacht, Der diese gibt und nimmt, wie und wem Er will.[13]

 

وَمَا يَسْتَوِي الْبَحْرَانِ هَـٰذَا عَذْبٌ فُرَاتٌ سَائِغٌ شَرَابُهُ وَهَـٰذَا مِلْحٌ أُجَاجٌ ۖ وَمِن كُلٍّ تَأْكُلُونَ لَحْمًا طَرِيًّا وَتَسْتَخْرِجُونَ حِلْيَةً تَلْبَسُونَهَا ۖ وَتَرَى الْفُلْكَ فِيهِ مَوَاخِرَ لِتَبْتَغُوا مِن فَضْلِهِ وَلَعَلَّكُمْ تَشْكُرُونَ ﴿١٢﴾

„Und die beiden Gewässer sind nicht gleich: dieses (ist) wohlschmeckend, süß und angenehm zu trinken, und das andere (ist) salzig, bitter. Und aus den beiden esst ihr zartes Fleisch und holt Schmucksachen, die ihr tragt. Und du siehst die Schiffe darauf fahren, auf dass ihr nach Seiner Huld trachten und vielleicht doch dankbar sein mögt.“ (Der edle Koran 35:12)

35:12 - Dieser Vers ist ein Einschub.[14] Es handelt sich hier um ein Wunder der Schöpfung: Der große salzige Ozean mit allen Meeren und Buchten bildet eine Einheit; ebenso bilden die süßen Gewässer in Flüssen, Seen, Teichen und unterirdischen Quellen eine Einheit. Jede davon ist mit der anderen durch einen beständigen Kreislauf verbunden, wobei Dämpfe aufsteigen, in Wolken von atmosphärischer Feuchtigkeit umhergetragen werden, wieder zu Wasser oder Schnee verdichtet werden, als Regen herabfallen und sich mit Flüssen und Bächen mischen, um wieder in den Ozean zu gelangen. Der Wille, dass beide Wasserqualitäten verschieden sein sollen ist klar - das eine ist süß und wie wir wissen - ein Bestandteil des Lebens; das andere ist salzig und bitter.[15] Gleichwohl aus dem Meer als auch aus Flüssen und Seen bekommen wir fische, die ein besonders frisches, zartes Fleisch haben. Der Ausdruck "zartes Fleisch" umfasst sowohl Fische als auch die verschiedenen Meerestiere. Die Schmucksachen daraus sind z.B. die Perlen, Korallen und so fein gefärbte Steine wie der Agat, der Goldstein oder verschiedene Arten von Quarzsteinen, die in Flussbetten gefunden und als Schmucksteine verwendet werden.[16] Der Sand am Flussufer enthält manchmal Gold. Die Schiffe sind unentbehrliche Mittel für Reisen, Handel, Fischfang, Warentransporte usw. Der erste Schiffbau entstand zum ersten Mal zu Noahs Zeiten unter der Anweisung Allahs[17], Der uns Menschen Mittel und Gründe zur Dankbarkeit leicht gemacht.[18]

 

يُولِجُ اللَّيْلَ فِي النَّهَارِ وَيُولِجُ النَّهَارَ فِي اللَّيْلِ وَسَخَّرَ الشَّمْسَ وَالْقَمَرَ كُلٌّ يَجْرِي لِأَجَلٍ مُّسَمًّى ۚ ذَٰلِكُمُ اللَّـهُ رَبُّكُمْ لَهُ الْمُلْكُ ۚ وَالَّذِينَ تَدْعُونَ مِن دُونِهِ مَا يَمْلِكُونَ مِن قِطْمِيرٍ ﴿١٣﴾ إِن تَدْعُوهُمْ لَا يَسْمَعُوا دُعَاءَكُمْ وَلَوْ سَمِعُوا مَا اسْتَجَابُوا لَكُمْ ۖ وَيَوْمَ الْقِيَامَةِ يَكْفُرُونَ بِشِرْكِكُمْ ۚ وَلَا يُنَبِّئُكَ مِثْلُ خَبِيرٍ ﴿١٤﴾

„Er lässt die Nacht in den Tag und den Tag in die Nacht übergehen. Und Er hat (euch) die Sonne und den Mond dienstbar gemacht; ein jedes (Gestirn) umläuft seine Bahn auf eine bestimmte Zeit. Dies ist Allah, euer Herr; Sein ist das Reich, und jenen, die ihr statt Ihm anruft, gehört nicht einmal Macht über das Häutchen eines Dattelkerns. (13) Wenn ihr sie bittet, hören sie eure Bitte nicht; und wenn sie diese auch hören würden, so würden sie euch nichts in Erfüllung bringen. Und am Tage der Auferstehung werden sie leugnen, dass ihr (sie) zu Göttern nahmt. Und niemand kann dich so unterrichten wie der Eine, Der Kundig ist.“ (Der edle Koran 35:13-14)

35:13 - Allah (t) ist der Erschaffer aller Dinge im Himmel und in der Erde. Er erschuf auch die Sonne und den Mond und hat die beiden für uns Menschen dienstbar gemacht. Durch die Präzision des Sonnensystems entstehen Tag und Nacht durch Erdumdrehungen.[19] Für den Menschen sind die beiden von großer Wichtigkeit; denn die Nacht ist die Zeit der Ruhe und Entspannung. Der Tag ist für Regsamkeit und Erwerb bestimmt.[20] Die Kommentatoren erklären, dass der Satz "ein jedes Gestirn umläuft seine Bahn auf eine bestimmte Zeit", auf die bestimmte, regelmäßige Zeit deren Umlaufs hinweist, wodurch Tag und Nacht entstehen. Andere Kommentatoren erklären, dass damit die Gesamtdauer bis zum Zeitpunkt des Weltuntergangs, an dem diese Funktion aufhört, gemeint ist. Dies ist Allah, euer Herr, Der dieses wunderbare Werk zu eurem Wohl gemacht hat.[21]

35:14 - Die Aussage in 35:13 entspringt der Barmherzigkeit des Erhabenen Schöpfers, Der dies alles für uns Menschen von Selbst - ohne Bitte und Aufforderung - gemacht hat. Was haben dann die falschen Götter gemacht, die nicht einmal Macht über das Häutchen eines Dattelkerns haben?[22] Sie können weder die Bitte hören, noch diese erfüllen, falls sie sie hören würden. Machtlos sind sie und ihre Verehrer. Die Vorhaltung, dass die Menschen Bilder, Statuen, Bäume, Sterne, Engel oder Jinn als Götter anbeten oder diese als Nebengötter oder Vermittler zum Allmächtigen erklären, gilt nicht nur für die Zeit der Götzendiener in Mekka, sondern für alle Orten und Zeiten.[23]

 

يَا أَيُّهَا النَّاسُ أَنتُمُ الْفُقَرَاءُ إِلَى اللَّـهِ ۖ وَاللَّـهُ هُوَ الْغَنِيُّ الْحَمِيدُ ﴿١٥﴾ إِن يَشَأْ يُذْهِبْكُمْ وَيَأْتِ بِخَلْقٍ جَدِيدٍ ﴿١٦﴾ وَمَا ذَٰلِكَ عَلَى اللَّـهِ بِعَزِيزٍ ﴿١٧﴾ وَلَا تَزِرُ وَازِرَةٌ وِزْرَ أُخْرَىٰ ۚ وَإِن تَدْعُ مُثْقَلَةٌ إِلَىٰ حِمْلِهَا لَا يُحْمَلْ مِنْهُ شَيْءٌ وَلَوْ كَانَ ذَا قُرْبَىٰ ۗ إِنَّمَا تُنذِرُ الَّذِينَ يَخْشَوْنَ رَبَّهُم بِالْغَيْبِ وَأَقَامُوا الصَّلَاةَ ۚ وَمَن تَزَكَّىٰ فَإِنَّمَا يَتَزَكَّىٰ لِنَفْسِهِ ۚ وَإِلَى اللَّـهِ الْمَصِيرُ ﴿١٨﴾

„Der Koran sagt an vielen Stellen, dass alle diese falschen Verehrungsobjekte Zeugnis am Tage des Jüngsten Gerichts ablegen müssen. O ihr Menschen, ihr seid arm und auf Allah angewiesen, Allah aber ist auf keinen angewiesen und ist des Lobes Würdig. (15) Wenn Er will, kann Er euch hinwegnehmen und eine neue Schöpfung hervorbringen. (16) Und das ist für Allah nicht schwer. (17) Und keine lasttragende (Seele) soll die Last einer anderen tragen; und wenn eine schwer beladene um ihrer Last willen ruft, soll nichts davon getragen werden, und handelte es sich auch um einen Verwandten. Du kannst die allein warnen, die ihren Herrn im geheimen fürchten und das Gebet verrichten. Und wer sich reinigt, der reinigt sich nur zu seinem eigenen Vorteil; und zu Allah ist die Heimkehr.“ (Der edle Koran 35:15-18)

35:15 - Dies ist eine Anrede an alle Menschen zu allen Orten und Zeiten, um sie auf eine wichtige Tatsache aufmerksam zu machen: sie sind nicht nur arm, sondern darüber hinaus auf Allah (t) angewiesen. Die derartige Armut und das Angewiesen sein ist nicht vorübergehend, sondern ein Dauerzustand, der bald oder später von jedem Individuum bemerkt werden muss, wenn es sich in der Not befindet und feststellt, dass es keine Flucht vor Allah gibt, es sei denn die Zuflucht zu Ihm.

35:16-17 - Nach der Erklärung in 35:15 erfolgt nunmehr noch eine gravierende Tatsache, dass wir Menschen voll und ganz im Griff Allahs Macht stehen, Der uns ganz verschwinden lässt und an unserer Stelle eine andere, neue Schöpfung hervorbringen kann.[24]

35:18 - Vor Allah (t) ist jeder Mensch für seine eigenen Taten verantwortlich. Verwandtschaftliche Beziehungen, die sonst zum gegenseitigen Abnehmen der Last mitwirken, können hier nicht vor Allah (t) helfen, um z.B. die Schuld von Familienmitgliedern ganz oder teilweise zu tragen. Eine barmherzige Mutter oder ein gütiger Vater können sich nicht bereit erklären, für das eigene Kind zu sterben, wenn seine Stunde kommt usw.[25]

 

وَمَا يَسْتَوِي الْأَعْمَىٰ وَالْبَصِيرُ ﴿١٩﴾ وَلَا الظُّلُمَاتُ وَلَا النُّورُ ﴿٢٠﴾ وَلَا الظِّلُّ وَلَا الْحَرُورُ ﴿٢١﴾ وَمَا يَسْتَوِي الْأَحْيَاءُ وَلَا الْأَمْوَاتُ ۚ إِنَّ اللَّـهَ يُسْمِعُ مَن يَشَاءُ ۖ وَمَا أَنتَ بِمُسْمِعٍ مَّن فِي الْقُبُورِ ﴿٢٢﴾ إِنْ أَنتَ إِلَّا نَذِيرٌ ﴿٢٣﴾ إِنَّا أَرْسَلْنَاكَ بِالْحَقِّ بَشِيرًا وَنَذِيرًا ۚ وَإِن مِّنْ أُمَّةٍ إِلَّا خَلَا فِيهَا نَذِيرٌ ﴿٢٤﴾ وَإِن يُكَذِّبُوكَ فَقَدْ كَذَّبَ الَّذِينَ مِن قَبْلِهِمْ جَاءَتْهُمْ رُسُلُهُم بِالْبَيِّنَاتِ وَبِالزُّبُرِ وَبِالْكِتَابِ الْمُنِيرِ ﴿٢٥﴾ ثُمَّ أَخَذْتُ الَّذِينَ كَفَرُوا ۖ فَكَيْفَ كَانَ نَكِيرِ ﴿٢٦﴾

„Und wahrlich, der Blinde ist dem Sehenden nicht gleich (19), noch ist es die Finsternis dem Lichte (20), noch ist es der Schatten der Sonnenhitze (21), noch sind die Lebenden den Toten gleich. Wahrlich, Allah macht hörend, wen Er will; und du kannst diejenigen nicht hörend machen, die in den Gräbern sind. (22) Wahrlich, du bist nur ein Warner. (23) Wahrlich, Wir haben dich mit der Wahrheit als Bringer froher Botschaft und als Warner entsandt; und es gibt kein Volk, in dem es nicht einmal schon Warner gegeben hätte. (24) Und wenn sie dich der Lüge bezichtigen, so haben auch jene schon, die vor ihnen waren, (die Propheten) der Lüge bezichtigt. Ihre Gesandten kamen mit klaren Beweisen und mit den Büchern und mit der erleuchtenden Schrift zu ihnen. (25) Dann erfasste Ich jene, die ungläubig waren, und wie war es dann mit der Verleugnung!“ (Der edle Koran 35:19-26)

35:19-22 - Allah (t) macht uns Menschen aufmerksam auf die tatsächliche Ungleichheit in Seiner Schöpfung, indem Er uns einige Gegensätze nennt.[26]

35:23-26 - Diese beiden Verse nennen die Aufgabe eines jeden Propheten als Warner und Bringer froher Botschaft. Trotz der ablehnenden Haltung der Völker den Propheten gegenüber, hat ihre Warnung dennoch Gültigkeit, auch wenn sie der Lüge bezichtigt wurden.[27]

 

أَلَمْ تَرَ أَنَّ اللَّـهَ أَنزَلَ مِنَ السَّمَاءِ مَاءً فَأَخْرَجْنَا بِهِ ثَمَرَاتٍ مُّخْتَلِفًا أَلْوَانُهَا ۚ وَمِنَ الْجِبَالِ جُدَدٌ بِيضٌ وَحُمْرٌ مُّخْتَلِفٌ أَلْوَانُهَا وَغَرَابِيبُ سُودٌ ﴿٢٧﴾ وَمِنَ النَّاسِ وَالدَّوَابِّ وَالْأَنْعَامِ مُخْتَلِفٌ أَلْوَانُهُ كَذَٰلِكَ ۗ إِنَّمَا يَخْشَى اللَّـهَ مِنْ عِبَادِهِ الْعُلَمَاءُ ۗ إِنَّ اللَّـهَ عَزِيزٌ غَفُورٌ ﴿٢٨﴾

„Hast du nicht gesehen, dass Allah Wasser vom Himmel herniedersendet? Dann bringen Wir damit Früchte mit mannigfachen Farben hervor; und in den Bergen sind weiße und rote, verschiedenfarbige und rabenschwarze Schichten. (27) Und bei Mensch und Tier und Vieh (gibt es) auch verschiedene Farben. Wahrlich, nur die Wissenden unter Seinen Dienern fürchten Allah. Wahrlich, Allah ist Erhaben, Allverzeihend.“ (Der edle Koran 35:27-28)

35:27-28 - Hat der Mensch nicht gesehen, was in seinem Alltag geschieht? Der Regen, der vom Himmel niedergeht, ist ein Naturphänomen, das für uns Menschen als Selbstverständlichkeit nach bestimmter Gesetzmäßigkeit abläuft. Genauso ist es selbstverständlich, dass das Wasser die Erde belebt und Pflanzen und Früchte in verschiedenen Farben hervorbringt. Derjenige, Der all dies gemacht hat ist Allah. Er macht uns darauf aufmerksam, dass die Verschiedenheit der Farben nicht nur für die Pflanzenwelt bestimmt ist, sondern auch für Menschen, Tiere und tote Materie wie z.B. die Berge. Mit wenigen Worten verschaffen diese Verse einen Überblick über die belebte und die unbelebte Natur.[28] Die moderne Wissenschaft hat mittlerweile festgestellt, dass Farben nicht nur als kunstvolle Schau für die Augen dienen, sondern eine große Rolle in der Harmonie der Natur und bei allen Lebewesen spielen.

 

إِنَّ الَّذِينَ يَتْلُونَ كِتَابَ اللَّـهِ وَأَقَامُوا الصَّلَاةَ وَأَنفَقُوا مِمَّا رَزَقْنَاهُمْ سِرًّا وَعَلَانِيَةً يَرْجُونَ تِجَارَةً لَّن تَبُورَ ﴿٢٩﴾ لِيُوَفِّيَهُمْ أُجُورَهُمْ وَيَزِيدَهُم مِّن فَضْلِهِ ۚ إِنَّهُ غَفُورٌ شَكُورٌ ﴿٣٠﴾

„Wahrlich, diejenigen, die Allahs Buch verlesen und das Gebet verrichten und von dem, was Wir ihnen gegeben haben, insgeheim und offenkundig spenden, rechnen mit einem Handel, der nicht vergeblich sein wird. (29) Damit gibt Er ihnen ihren vollen Lohn und noch mehr aus Seiner Huld hinzu; Er ist wahrlich Allverzeihend, Dankbar.“ (Der edle Koran 35:29-30)

35:29-30 - Der Diener Allahs nimmt sich den Koran zu Herzen und versucht, mit guten Taten Allah (t) immer näher zu kommen, besonders durch das Gebet, das vom Propheten (صلى الله عليه و سلم) als die beste Tat erklärt wurde. Die derartige Verhaltensweise gleicht einem Kapital, dessen Investition mit Sicherheit ertragsreich sein wird. Abschließend nennt Allah im Vers 35:30 den Gewinn dieser Investition.[29] Dieser Versblock gehört zur frohen Botschaft, die das Buch Allahs verkündet.

 

وَالَّذِي أَوْحَيْنَا إِلَيْكَ مِنَ الْكِتَابِ هُوَ الْحَقُّ مُصَدِّقًا لِّمَا بَيْنَ يَدَيْهِ ۗ إِنَّ اللَّـهَ بِعِبَادِهِ لَخَبِيرٌ بَصِيرٌ ﴿٣١﴾

„Und das, was Wir dir in dem Buch offenbart haben, ist die Wahrheit, die das bestätigt, was ihm vorausging. Gewiss, Allah kennt und durchschaut Seine Diener recht wohl.“ (Der edle Koran 35:31)

35:31 - Der Inhalt dieser Schrift ist die Wahrheit, die mit dem Inhalt der Offenbarungen übereinstimmt, die ihr vorausgegangen sind. Diese werden im Koran erwähnt als die Tafeln Abrahams und Moses[30] und das Evangelium.[31] Alle diese Schriften bestätigen untereinander die Wahrheit, deren Kern so lautet: Kein Gott ist da außer Allah, Der keine Partner hat. Der Koran bestätigt diesen Kern, nimmt aus ihm das Glaubensbekenntnis und fügt hinzu, dass Muhammed der Gesandte Allahs ist.[32] Denn er ist der letzte aller Propheten und der Empfänger des Korans.

 

ثُمَّ أَوْرَثْنَا الْكِتَابَ الَّذِينَ اصْطَفَيْنَا مِنْ عِبَادِنَا ۖ فَمِنْهُمْ ظَالِمٌ لِّنَفْسِهِ وَمِنْهُم مُّقْتَصِدٌ وَمِنْهُمْ سَابِقٌ بِالْخَيْرَاتِ بِإِذْنِ اللَّـهِ ۚ ذَٰلِكَ هُوَ الْفَضْلُ الْكَبِيرُ ﴿٣٢﴾

„Vordem gaben Wir das Buch jenen von Unseren Dienern zum Erbe, die Wir erwählten. Und unter ihnen sind einige, die gegen sich selbst freveln, und unter ihnen sind einige, die den gemäßigten Standpunkt einnehmen, und unter ihnen sind einige, die nach den guten Dingen mit Allahs Erlaubnis wetteifern. Das ist die große Huld.“ (Der edle Koran 35:32)

35:32 - Nach dem Ableben der Propheten sind die Gläubigen Erben der offenbarten Schriften. Die Muslime haben nunmehr den Koran, der Muhammed (صلى الله عليه و سلم) offenbart worden war; sie sind für diese Schrift als Träger und Hüter auserwählt und haben die Aufgabe, sie bis zum Weltende unversehrt und rein zu halten; denn sie gilt für alle Orten und Zeiten.[33] Das Vermächtnis des Korans ist die größte denkbare Ehre für die Menschen. Wenn sich dies auf den vorherigen Satz bezieht, dann bedeutet es, dass es Allahs größtes Gnadengeschenk ist, in guten Taten voranzustreben, und wer dies tut, gehört zu den Besten in der muslimischen Gemeinschaft.[34]

 

جَنَّاتُ عَدْنٍ يَدْخُلُونَهَا يُحَلَّوْنَ فِيهَا مِنْ أَسَاوِرَ مِن ذَهَبٍ وَلُؤْلُؤًا ۖ وَلِبَاسُهُمْ فِيهَا حَرِيرٌ ﴿٣٣﴾ وَقَالُوا الْحَمْدُ لِلَّـهِ الَّذِي أَذْهَبَ عَنَّا الْحَزَنَ ۖ إِنَّ رَبَّنَا لَغَفُورٌ شَكُورٌ ﴿٣٤﴾ الَّذِي أَحَلَّنَا دَارَ الْمُقَامَةِ مِن فَضْلِهِ لَا يَمَسُّنَا فِيهَا نَصَبٌ وَلَا يَمَسُّنَا فِيهَا لُغُوبٌ ﴿٣٥﴾

„Gärten von Eden! Sie werden sie betreten. Geschmückt werden sie darin sein mit Armspangen aus Gold und Perlen, und ihre Kleidung darin wird aus Seide sein. (33) Und sie werden sagen: „Alles Lob gebührt Allah, Der die Traurigkeit von uns genommen hat. Unser Herr ist wahrlich Allverzeihend, Dankbar (34), Der uns in Seiner Huld in der Wohnstatt der Ewigkeit ansässig machte. Keine Mühsal berührt uns darin, noch berührt uns darin Müdigkeit.“ (Der edle Koran 35:33-35)

35:33 - Dies zeigt, dass das Paradies letztendlich für alle bereitsteht, die an die Schrift geglaubt haben.[35] Die meisten Kommentatoren beziehen dies auf alle drei im vorigen Vers erwähnten Gruppen, und zwar mit oder ohne vorherige Läuterung. Dieses Verständnis wird vom Zusammenhang des Korans gestützt.[36]

35:34-35 - Traurigkeit gehört nur dem irdischen Dasein; im Paradies jedoch wird diese für immer weggenommen. Damit werden Sorgen, Kummer, Betrübt sein, Bedrückt sein und Trauer ein Ende haben.[37] Alle Hoffnungen haben sich dadurch erfüllt, dass Allah uns unsere Fehltritte vergeben und die guten Taten belohnt hat.

 

وَالَّذِينَ كَفَرُوا لَهُمْ نَارُ جَهَنَّمَ لَا يُقْضَىٰ عَلَيْهِمْ فَيَمُوتُوا وَلَا يُخَفَّفُ عَنْهُم مِّنْ عَذَابِهَا ۚ كَذَٰلِكَ نَجْزِي كُلَّ كَفُورٍ ﴿٣٦﴾ وَهُمْ يَصْطَرِخُونَ فِيهَا رَبَّنَا أَخْرِجْنَا نَعْمَلْ صَالِحًا غَيْرَ الَّذِي كُنَّا نَعْمَلُ ۚ أَوَلَمْ نُعَمِّرْكُم مَّا يَتَذَكَّرُ فِيهِ مَن تَذَكَّرَ وَجَاءَكُمُ النَّذِيرُ ۖ فَذُوقُوا فَمَا لِلظَّالِمِينَ مِن نَّصِيرٍ ﴿٣٧﴾

„Und für diejenigen, die ungläubig sind, ist das Feuer der Jahannem. Der Tod wird nicht über sie verhängt, so dass sie sterben könnten, noch wird ihnen etwas von ihrer Strafe erleichtert. So vergelten Wir es jedem Undankbaren. (36) Und sie werden darin schreien: „Unser Herr, bringe uns (aus der Hölle) heraus; wir wollen rechtschaffene Werke tun, anders als wir (zuvor) zu tun pflegten.“ „Gaben Wir euch nicht ein genügend langes Leben, so dass ein jeder, der sich besinnen wollte, sich darin hätte besinnen können? Und (überdies) kam der Warner zu euch. So kostet nun (die Strafe); denn Frevler haben keinen Helfer.“ (Der edle Koran 35:36-37)

35:36-37 - Dieser Versblock gehört zu der bekannten Parallelität des Korans. Man kann sie leicht erkennen, wenn man oben in 35:33 über die Belohnung der Gläubigen in den "Gärten von Eden" liest. Hier aber ist die Rede von der Bestrafung derjenigen, die sich geweigert haben, an die Schrift zu glauben, die Allah (t) dem Propheten Muhammed (صلى الله عليه و سلم) herabgesandt hat. Das "Feuer der Jahannam" ist ein Gegenstück zu den "Gärten von Eden".[38] Statt Schmuck mit Armspangen aus Gold und Perlen, und statt Kleidung aus Seide und Wegnehmen von Traurigkeit[39] wird ihnen (den Ungläubigen) Leid, Schmerz, Angst und jede Art von Erniedrigung gegeben. Im irdischen Leben hat der Tod gewöhnlich das Elend auf Erden beendet. Hier aber wird es keinen Tod mehr geben. Man bleibt auf ewig in einem Zustand, von dem ein Entrinnen nicht möglich ist.[40]

 

إِنَّ اللَّـهَ عَالِمُ غَيْبِ السَّمَاوَاتِ وَالْأَرْضِ ۚ إِنَّهُ عَلِيمٌ بِذَاتِ الصُّدُورِ ﴿٣٨﴾هُوَ الَّذِي جَعَلَكُمْ خَلَائِفَ فِي الْأَرْضِ ۚ فَمَن كَفَرَ فَعَلَيْهِ كُفْرُهُ ۖ وَلَا يَزِيدُ الْكَافِرِينَ كُفْرُهُمْ عِندَ رَبِّهِمْ إِلَّا مَقْتًا ۖ وَلَا يَزِيدُ الْكَافِرِينَ كُفْرُهُمْ إِلَّا خَسَارًا ﴿٣٩﴾ 

„Wahrlich, Allah kennt das Verborgene der Himmel und der Erde. Wahrlich, Er kennt alles, was in den Herzen ist. (38) Er ist es, Der euch zu Statthaltern auf Erden gemacht hat. Wer aber ungläubig ist - auf ihm (laste) sein Unglaube! Und den Ungläubigen kann ihr Unglaube nur den Widerwillen ihres Herrn mehren, und ihr Unglaube kann den Ungläubigen nur den Verlust vergrößern.“ (Der edle Koran 35:38-39)

35:38 - Wenn Allah (t) das Verborgene der Himmel und der Erde kennt, so kennt Er auch folgerichtig, was in den Herzen der Menschen verborgen ist. Somit sind Ihm gute wie schlechte Absichten, Geheimpläne und Vorsätze aller Art bekannt. Das heißt, wenn der Mensch nicht von den Mitmenschen beobachtet und gesehen wird, so sieht ihn Allah (t). Unser Prophet (صلى الله عليه و سلم) hat gesagt: „Der Glaube an Allah ist, dass du so handelst, als ob du Allah sähest, und wenn du Ihn nicht sehen kannst, so sieht Er dich doch.“

35:39 - Allah ist es, Der uns Menschen zu Statthaltern auf Erden gemacht hat[41]: Eine Generation stirbt und wird von einer anderen gefolgt. Eine Stadt entsteht und die andere vergeht; eine Flamme wird gelöscht und eine andere wird gezündet. Dieser ständige Zyklus des Entstehens und des Vergehens in der gesamten Schöpfungsgeschichte zwingt einen zum Nachdenken und Lehre daraus zu ziehen. Unter der Wirkung dieser eindrucksvollen Szenen, ermahnt der Koran zur Verantwortung, die jeder einzelne zu tragen hat. Keiner übernimmt die Last des anderen, und keiner kann dem anderen helfen.[42]

 

قُلْ أَرَأَيْتُمْ شُرَكَاءَكُمُ الَّذِينَ تَدْعُونَ مِن دُونِ اللَّـهِ أَرُونِي مَاذَا خَلَقُوا مِنَ الْأَرْضِ أَمْ لَهُمْ شِرْكٌ فِي السَّمَاوَاتِ أَمْ آتَيْنَاهُمْ كِتَابًا فَهُمْ عَلَىٰ بَيِّنَتٍ مِّنْهُ ۚ بَلْ إِن يَعِدُ الظَّالِمُونَ بَعْضُهُم بَعْضًا إِلَّا غُرُورًا ﴿٤٠﴾  إِنَّ اللَّـهَ يُمْسِكُ السَّمَاوَاتِ وَالْأَرْضَ أَن تَزُولَا ۚ وَلَئِن زَالَتَا إِنْ أَمْسَكَهُمَا مِنْ أَحَدٍ مِّن بَعْدِهِ ۚ إِنَّهُ كَانَ حَلِيمًا غَفُورًا ﴿٤١﴾

„Sprich: „Habt ihr die Götter gesehen, die ihr statt Allah anruft? Zeigt mir, was sie von der Erde erschufen. Oder haben sie einen Anteil (im Reich) der Himmel?“ Oder haben Wir ihnen ein Buch gegeben, woraus sie einen Beweis hätten (entnehmen können)? Nein, die Ungerechten verheißen einander nur Trug. (40) Wahrlich, Allah hält die Himmel und die Erde, damit sie nicht weichen. Und würden sie weichen, so gäbe es keinen außer Ihm, der sie halten könnte. Wahrlich, Er ist Nachsichtig, Allverzeihend.“ (Der edle Koran 35:40-41)

35:40 - Diese Worte sind ein Ausdruck der Verspottung und Herausforderung.[43]

35:41 - Das Universum, wie wir es kennen, zeigt nicht nur Anzeichen für eine bewusste Ordnung, sondern weist auch auf das Wirken eines Allmächtigen, Der es ständig erhält. Wenn wir uns vorstellen, dieses Wirken würde verschwinden, bliebe nur ein Chaos; was würde dann das Universum in Gang halten?

 

وَأَقْسَمُوا بِاللَّـهِ جَهْدَ أَيْمَانِهِمْ لَئِن جَاءَهُمْ نَذِيرٌ لَّيَكُونُنَّ أَهْدَىٰ مِنْ إِحْدَى الْأُمَمِ ۖ فَلَمَّا جَاءَهُمْ نَذِيرٌ مَّا زَادَهُمْ إِلَّا نُفُورًا ﴿٤٢﴾ اسْتِكْبَارًا فِي الْأَرْضِ وَمَكْرَ السَّيِّئِ ۚ وَلَا يَحِيقُ الْمَكْرُ السَّيِّئُ إِلَّا بِأَهْلِهِ ۚ فَهَلْ يَنظُرُونَ إِلَّا سُنَّتَ الْأَوَّلِينَ ۚ فَلَن تَجِدَ لِسُنَّتِ اللَّـهِ تَبْدِيلًا ۖ وَلَن تَجِدَ لِسُنَّتِ اللَّـهِ تَحْوِيلًا ﴿٤٣﴾

„Und sie schworen bei Allah ihre festen Eide: wenn ein Warner zu ihnen käme, würden sie der Führung besser folgen als eines der anderen Völker. Doch als dann in der Tat ein Warner zu ihnen kam, so bestärkte sie das nur in ihrer Abneigung. (42) (Sie sind) in Hochmut auf Erden und böse im Planen. Doch der böse Plan fängt nur seine Urheber ein. Erwarten sie denn etwas anderes als das Vorgehen gegenüber den Früheren? Aber in Allahs Vorgehen wirst du nie eine Änderung finden; und in Allahs Verfahrensweise wirst du nie einen Wechsel finden.“ (Der edle Koran 35:42-43)

35:42-43 - Dies bezieht sich in erster Linie auf die Banu Kuraysch in Mekka zur Zeit der Offenbarung.[44] Ihre Haltung den Anhängern früherer Schriftreligionen gegenüber war die eines Überlegenheitsgefühls oder unaufrichtiger Entschuldigungen. Sie warfen den Juden und Christen vor, dass diese vom Licht der eigenen Offenbarung abgewichen seien; und - auf sich selbst bezogen - sagten sie, sie hätten keine direkte Offenbarung von Allah (t) erhalten, sonst hätten sie sich besonders diszipliniert und besonders zum Gehorsam gegenüber Allahs Gesetz bereit gezeigt. So verhielt es sich, bevor der Prophet seinen Auftrag von Allah (t) erhalten hatte. Als er diesen jedoch erhielt und verkündete, wandten sie sich davon ab. Sie gingen ihm aus dem Weg und distanzierten sich immer weiter davon.[45]

 

أَوَلَمْ يَسِيرُوا فِي الْأَرْضِ فَيَنظُرُوا كَيْفَ كَانَ عَاقِبَةُ الَّذِينَ مِن قَبْلِهِمْ وَكَانُوا أَشَدَّ مِنْهُمْ قُوَّةً ۚ وَمَا كَانَ اللَّـهُ لِيُعْجِزَهُ مِن شَيْءٍ فِي السَّمَاوَاتِ وَلَا فِي الْأَرْضِ ۚ إِنَّهُ كَانَ عَلِيمًا قَدِيرًا ﴿٤٤﴾وَلَوْ يُؤَاخِذُ اللَّـهُ النَّاسَ بِمَا كَسَبُوا مَا تَرَكَ عَلَىٰ ظَهْرِهَا مِن دَابَّةٍ وَلَـٰكِن يُؤَخِّرُهُمْ إِلَىٰ أَجَلٍ مُّسَمًّى ۖ فَإِذَا جَاءَ أَجَلُهُمْ فَإِنَّ اللَّـهَ كَانَ بِعِبَادِهِ بَصِيرًا ﴿٤٥﴾ 

„Sind sie denn nicht im Lande umhergezogen, so dass sie schauen konnten, wie das Ende derer war, die vor ihnen lebten? Und jene hatten mehr Kraft als sie selber. Und nichts in den Himmeln oder auf Erden vermag, sich Allah zu entziehen; denn Er ist Allwissend, Allmächtig. (44) Und wollte Allah die Menschen für alles bestrafen, was sie tun, würde Er nicht ein Lebewesen auf der (Erd-)oberfläche übrig lassen; doch Er gewährt ihnen Aufschub bis zu einer bestimmten Frist; und wenn ihre Frist um ist, dann durchschaut Allah Seine Diener.“ (Der edle Koran 35:44-45)

35:44 - Die Götzendiener zu jener Zeit der Offenbarung waren bekannt als Reisevolk, das zwischen dem Süden und dem Norden mit Handelskarawanen umherwanderte, um Handel mit den benachbarten Völkern zu betreiben. Auf ihren Wegen haben sie Ruinen früherer Generationen gesehen, deren Untergang durch Allahs Bestrafung ihnen bekannt war.[46]

35:45 - Mit dieser letzten Ermahnung unseres Schöpfers endet diese eindrucksvolle Sure. Die folgende Erklärung mag uns Menschen dazu bewegen, dass wir nach ihrer Wahrnehmung uns sofort für den heilsamen Weg zu unserem Erhabenen Schöpfer entscheiden und uns mit Ihm versöhnen. Hier wird erklärt: Allah (t) bestraft nicht sofort, und wenn Er bestraft, so bestraft Er nicht für alle Fehler, die wir Menschen begangen haben. Leichte Vergehen bzw. "Lappalien" werden von der Rechenschaft bzw. von der Bestrafung ausgenommen.[47] So müssen wir Menschen davon ausgehen, dass Allah (t) uns mit allen Mitteln von der Strafe retten will. Er handelt aus Barmherzigkeit, Überlegenheit und Gerechtigkeit, um uns das Ziel der Vergebung zu ermöglichen. Würde Er sofort zornig und launig reagieren, und würde Er - wie unser Prophet (صلى الله عليه و سلم) dies geschildert hat - keine Rücksicht nehmen auf die Kleinkinder, die gestillt werden, die alten Menschen, die zu Ihm beten und die Tiere, die herumweiden, so würde Er nicht ein Lebewesen auf der Erdoberfläche übrig lassen.[48]


 

Alles Lob gebührt Allah, Dem Herrn der Welten.

 


[1] vgl. 43:1

 

[2] vgl. dazu 26:198; 79:1-3

 

[3] vgl. Übersetzung des BavariaVerlags, die in diesem Werk vorrangig vorkommt / vgl. 12:88 und die Anmerkung dazu

 

[4] vgl. 10:31

 

[5] vgl. Übersetzung des BavariaVerlags, die in diesem Werk vorrangig vorkommt

 

[6] s. die Anmerkung dazu

 

[7] vgl. 14:22; 15:17; 31:33 und die Anmerkung dazu

 

[8] vgl. 14:4

 

[9] vgl. Übersetzung des BavariaVerlags, die in diesem Werk vorrangig vorkommt

 

[10] vgl. 14:25-32

 

[11] vgl. 10:21; 34:33

 

[12] vgl. 18:37; 22:5; 30:20

 

[13] vgl. 3:49; 23:12; 31:34; 33:19, 30

 

[14] vgl. 25:53

 

[15] vgl. 16:14

 

[16] vgl. Übersetzung des BavariaVerlags, die in diesem Werk vorrangig vorkommt

 

[17] vgl. 11:37

 

[18] vgl. ferner 18:60; 21:30; 23:99100; 24:45; 25:53; 27:61; 35:12; 42:32-34; 55:19; 77:25-26 und die Anmerkungen dazu

 

[19] vgl. 22:61

 

[20] vgl. 13:2

 

[21] vgl. 4:53; 4:124

 

[22] vgl. 35:13

 

[23] vgl. 10:28; 34:40

 

[24] vgl. 14:19

 

[25] vgl. 29:13; ferner 6:164; 17:15 und die Anmerkung dazu

 

[26] vgl. 24:35-40; 57:12-14

 

[27] vgl. 3:184; 22:44 ; 34:45 und die Anmerkung dazu

 

[28] vgl. 16:13

 

[29] vgl. dazu den Titel: "Der Jihād - das Gesetz von Saat und Ernte", Islamische Bibliothek

 

[30] vgl. Ende der Sure 87

 

[31] vgl. 9:111

 

[32] vgl. ferner 3:3

 

[33] vgl. 7:46

 

[34] vgl. Übersetzung des BavariaVerlags, die in diesem Werk vorrangig vorkommt

 

[35] vgl. 22:23

 

[36] vgl. 18:30-31 und die Anmerkung dazu

 

[37] vgl. 35:30

 

[38] siehe 35:33

 

[39] vgl. 35:33

 

[40] vgl. 6:28; 7:53; 23:99-107 und die Anmerkung dazu

 

[41] vgl. 2:30

 

[42] vgl. 6:165

 

[43] vgl. 6:22; 30:35 und die Anmerkung dazu

 

[44] vgl. 6:157

 

[45] vgl. Übersetzung des BavariaVerlags, die in diesem Werk vorrangig vorkommt / vgl. 10:21; 34:33 und die Anmerkung dazu

 

[46] vgl. 30:9 und die Anmerkung dazu

 

[47] vgl. 53:32

 

[48] vgl. 16:61 und die Anmerkung dazu

 

 


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Hilafet-i İslamiyye
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