32. Sure: As-Sajda (Die Niederwerfung)

15-03-2020

32. Sure: As-Sajda (Die Niederwerfung)
Offenbart in Mekka
30 Ayat (Verse)

 

Diese Sure beendet die Serie der vier Alif-Lam-Mim-Suren. Sie behandelt die Geheimnisse der Schöpfung, der Endzeit, so wie uns die Kenntnis durch Allahs Offenbarung gegeben wird. Sie wurde in der Mitte der mekkanischen Periode offenbart. Die Ungläubigen können niemals die Geheimnisse der Offenbarung erkennen, da sie glauben, es gehe um eine erfundene Sache. Sie können nicht das Geheimnis der Zeit in Bezug auf die Länge des Tages des Jüngsten Gerichts, auch nicht von Allahs Schöpfung und ihrer eigenen, deren Beschreibung im Koran gegeben wird, sehen. Das Gute und das Schlechte werden am Tage des Jüngsten Gerichts abgesondert, da diese beiden Dinge nicht gleich sein können. Allahs Schöpfung, die Geschichte vergangener Völker und die Botschaft der Propheten bezeugen die Wahrheit. Wenn die Ungläubigen jetzt nicht glauben, wird es zu spät sein.

 

 

بِسْمِ اللَّـهِ الرَّحْمَـٰنِ الرَّحِيمِ

Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen!

 

الم ﴿١﴾ تَنزِيلُ الْكِتَابِ لَا رَيْبَ فِيهِ مِن رَّبِّ الْعَالَمِينَ ﴿٢﴾ أَمْ يَقُولُونَ افْتَرَاهُ ۚ بَلْ هُوَ الْحَقُّ مِن رَّبِّكَ لِتُنذِرَ قَوْمًا مَّا أَتَاهُم مِّن نَّذِيرٍ مِّن قَبْلِكَ لَعَلَّهُمْ يَهْتَدُونَ ﴿٣﴾

„Alif-Lam-Mim. (1) Die Offenbarung des Buches, an dem es keinen Zweifel gibt, stammt vom Herrn der Welten. (2) Oder sagen sie: „Er hat es erdichtet“? Nein, es ist die Wahrheit von deinem Herrn, auf dass du ein Volk warnst, zu dem vor dir kein Warner gekommen ist, damit sie dem rechten Weg folgen mögen.“ (Der edle Koran 32:1-3)

32:1 - Über die Bedeutung dieser arabischen Buchstaben vgl. Erläuterung der Termini.[1]

32:2 - Zur Zeit unseres Propheten (صلى الله عليه و سلم) waren die früheren offenbarten Schriften durch menschliche Unwissenheit, Selbstsucht oder Betrug entstellt oder missinterpretiert worden oder überhaupt verlorengegangen. Es gab verschiedene Konfessionen, die sich gewaltsam über ihre wahre Bedeutung auseinandersetzten. Solche Zweifel mussten beseitigt werden, und dies geschah durch den Koran, der ohne Zweifel von Allah, Dem Herrn der Welten offenbart wurde.[2]

32:3 - Damit ist unser Prophet (صلى الله عليه و سلم) angesprochen. Die Araber, zu denen er geschickt worden war, hatten in ihrer Geschichte seit der Zeit ihres Stammvaters Abraham und seines Sohnes Ismael keinen eigenen Warner gehabt. Wenn so lange Zeit hindurch kein Prophet in Arabien gewirkt hat, tut sich vielleicht die Frage auf, auf welcher Grundlage die vorislamischen Araber überhaupt für ihr Verhalten verantwortlich gemacht werden können. Die Unterstellung, der Prophet habe die Schrift gefälscht, wird hier kategorisch zurückgewiesen, und zwar mit der Bekräftigung, "Nein, es ist die Wahrheit von deinem Herrn". Der Grund der Offenbarung ist also die Barmherzigkeit Allahs zu diesem Volk, zu dem Muhammed, Allahs Segen und Friede auf ihm, entsandt worden war; er war seinen Leuten, den Banu Kuraysch vor seiner Entsendung nicht unbekannt. Vielmehr genoss er einen guten Ruf als ehrlicher und aufrichtiger Mensch. Zu seinen Wundern gehört die Tatsache, dass er weder lesen noch schreiben konnte, und ein solches Buch hat die Fähigkeiten aller gebildeten Araber weit übertroffen.[3]

 

اللَّـهُ الَّذِي خَلَقَ السَّمَاوَاتِ وَالْأَرْضَ وَمَا بَيْنَهُمَا فِي سِتَّةِ أَيَّامٍ ثُمَّ اسْتَوَىٰ عَلَى الْعَرْشِ ۖ مَا لَكُم مِّن دُونِهِ مِن وَلِيٍّ وَلَا شَفِيعٍ ۚ أَفَلَا تَتَذَكَّرُونَ ﴿٤﴾ يُدَبِّرُ الْأَمْرَ مِنَ السَّمَاءِ إِلَى الْأَرْضِ ثُمَّ يَعْرُجُ إِلَيْهِ فِي يَوْمٍ كَانَ مِقْدَارُهُ أَلْفَ سَنَةٍ مِّمَّا تَعُدُّونَ ﴿٥﴾ ذَٰلِكَ عَالِمُ الْغَيْبِ وَالشَّهَادَةِ الْعَزِيزُ الرَّحِيمُ ﴿٦﴾

„Allah ist es, Der die Himmel und die Erde und alles, was zwischen beiden ist, in sechs Tagen erschuf; dann wandte Er Sich hoheitsvoll Seinem Reich zu. Ihr habt außer Ihm weder einen wahren Freund noch einen Fürsprecher. Wollt ihr euch denn nicht ermahnen lassen? (4) Er verwaltet die Angelegenheiten von Himmel und Erde, (und) dann werden sie wieder zu Ihm emporsteigen in einem Tage, dessen Länge nach eurer Zeitrechnung tausend Jahre beträgt. (5) Er ist der Kenner des Verborgenen und des Sichtbaren, der Allmächtige, der Barmherzige“ (Der edle Koran 32:4-6)

32:4-6 - Die wirkliche Bedeutung dieser sechs Tage kennt Allah (t) allein, und es steht uns nicht zu, sie zu definieren oder ihre Länge zu bestimmen.[4] Ein Tag bedeutet hier nicht unbedingt die Länge eines Tages nach unserer Zeitrechnung. In 32:5 wird ein Tag mit tausend Jahren unserer Zeitrechnung verglichen und in 70:4 mit 50000 Jahren. Man kann davon ausgehen, dass Allah (t) die Himmel und die Erde in sechs Schöpfungsphasen nach Seinem Längenmaß erschuf.[5]

 

الَّذِي أَحْسَنَ كُلَّ شَيْءٍ خَلَقَهُ ۖ وَبَدَأَ خَلْقَ الْإِنسَانِ مِن طِينٍ ﴿٧﴾ ثُمَّ جَعَلَ نَسْلَهُ مِن سُلَالَةٍ مِّن مَّاءٍ مَّهِينٍ ﴿٨﴾ ثُمَّ سَوَّاهُ وَنَفَخَ فِيهِ مِن رُّوحِهِ ۖ وَجَعَلَ لَكُمُ السَّمْعَ وَالْأَبْصَارَ وَالْأَفْئِدَةَ ۚ قَلِيلًا مَّا تَشْكُرُونَ ﴿٩﴾

„Der alles gut gemacht hat, was Er erschuf. Und Er begann die Schöpfung des Menschen aus Ton. (7) Hierauf machte Er seine Nachkommenschaft aus einer unbedeutend erscheinenden Flüssigkeit. (8) Dann formte Er ihn und hauchte ihm von Seinem Geist ein. Und Er hat euch Gehör und Augenlicht und Herzen gegeben. Doch euer Dank ist recht gering.“ (Der edle Koran 32:7-9)

32:7 - "Der alles gut gemacht hat, was Er erschuf": Der jedes Ding zu etwas gut Erschaffenem gemacht hat: Es gibt nämlich nichts in Seiner Schöpfung, das nicht so eingerichtet wäre, wie es die Weisheit erfordert und das Wohlergehen verlangt. Alle Geschöpfe sind gut erschaffen, auch wenn sie hinsichtlich der Guten und Besseren Unterschiede aufweisen.[6] Wenn Allah in diesem Vers den Geist, den Er eingehaucht hat als Seinen eigenen darstellt, so zeigt das, dass es sich um eine wundersame Schöpfung handelt, deren Wesen außer Ihm niemand kennt.[7] Es ist also, als habe Allah gesagt: und Der ihm etwas eingehaucht hat, das Er Sich Selbst und Seinem Wissen vorbehalten ist.[8]

32:8 - Nach der Erschaffung des ersten Menschen aus Ton erfolgte die weitere Erschaffung durch natürliche Vermehrung. Dies geschieht durch eine Flüssigkeit, die die Wissenschaft "Sperma" nennt. In ihrer Zusammensetzung steckt ein wunderbares Werk unseres Schöpfers: Während die Gesamtmenge des Samenergusses nur 3,5 g beträgt, befinden sich darin etwa 300.000.000 Samenfäden. Der Mensch sieht diese Flüssigkeit als weißliche schleimig-klebrige Absonderung und misst ihr keine Bedeutung bei.[9]

32:9 - Aus dieser in 32:8 "unbedeutend erscheinenden Flüssigkeit" entsteht ein Mensch, der hört, sieht und ein Herz hat, das bis zu seinem Tod ständig schlägt. Wer hat das Unmögliche möglich gemacht? Es ist Allah, Der beste Schöpfer[10], Dem alles Lob und unendlicher Dank gebührt.

 

وَقَالُوا أَإِذَا ضَلَلْنَا فِي الْأَرْضِ أَإِنَّا لَفِي خَلْقٍ جَدِيدٍ ۚ بَلْ هُم بِلِقَاءِ رَبِّهِمْ كَافِرُونَ ﴿١٠﴾  قُلْ يَتَوَفَّاكُم مَّلَكُ الْمَوْتِ الَّذِي وُكِّلَ بِكُمْ ثُمَّ إِلَىٰ رَبِّكُمْ تُرْجَعُونَ ﴿١١﴾

„Und sie sagen: „Wie? Wenn wir in der Erde verschwunden sind, dann sollen wir in einer neuen Schöpfung sein?“ Nein, sie sind hinsichtlich der Begegnung mit ihrem Herrn ungläubig. (10) Sprich: „Der Engel des Todes, der über euch eingesetzt wurde, wird euch abberufen; dann werdet ihr zu eurem Herrn zurückgebracht.“ (Der edle Koran 32:10-11)

32:10 - Dies sagen die mekkanischen Götzendiener, die die Auferstehung deshalb leugneten, weil die Erde, in der die Toten verschwinden und zersetzt werden, sie nach einiger Zeit zu Staub und einem Bestandteil ihrer Substanz macht.[11] Diese irrige Meinung kann wie folgt widerlegt werden: Wenn Allah (t) anfangs eine so wunderbare Schöpfung hervorbringen konnte, warum sollte Er sie nicht neu hervorbringen können?

32:11 - Dieses "Sprich" richtet sich an den Propheten (صلى الله عليه و سلم). In einem Hadis berichtet Jafar Ibn Muhammed nach seinem Vater: „Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede auf ihm, sah den Todesengel bei einem Mann aus den Ansar. Er sprach zu ihm: „Sei sanft mit meinem Freund; denn er ist ein Gläubiger!“ Daraufhin entgegnete der Engel: „O, Muhammed! Sei beruhigt! Ich bin zu jedem Gläubigen gütig.“[12] Der Prophet (صلى الله عليه و سلم) forderte deshalb die sanfte Behandlung für den Gläubigen, weil er wusste, dass der Todesengel mit den Ungläubigen unsanft umgeht.

 

وَلَوْ تَرَىٰ إِذِ الْمُجْرِمُونَ نَاكِسُو رُءُوسِهِمْ عِندَ رَبِّهِمْ رَبَّنَا أَبْصَرْنَا وَسَمِعْنَا فَارْجِعْنَا نَعْمَلْ صَالِحًا إِنَّا مُوقِنُونَ ﴿١٢﴾ وَلَوْ شِئْنَا لَآتَيْنَا كُلَّ نَفْسٍ هُدَاهَا وَلَـٰكِنْ حَقَّ الْقَوْلُ مِنِّي لَأَمْلَأَنَّ جَهَنَّمَ مِنَ الْجِنَّةِ وَالنَّاسِ أَجْمَعِينَ ﴿١٣﴾ فَذُوقُوا بِمَا نَسِيتُمْ لِقَاءَ يَوْمِكُمْ هَـٰذَا إِنَّا نَسِينَاكُمْ ۖ وَذُوقُوا عَذَابَ الْخُلْدِ بِمَا كُنتُمْ تَعْمَلُونَ ﴿١٤﴾

„Könntest du nur sehen, wie die Schuldigen ihre Köpfe vor ihrem Herrn hängen lassen werden: „Unser Herr, nun haben wir gesehen und gehört, so sende uns zurück, auf dass wir Gutes tun mögen; denn nun haben wir Gewissheit.“ (12) Und hätten Wir gewollt, hätten Wir jedem seinen Weg gezeigt; jedoch Mein Wort soll geschehen: „Füllen will Ich Jahannam mit den Jinn und mit den Menschen allzumal.“ (13) So kostet (die Strafe); denn ihr vergaßt das Eintreffen dieses eures Tages. (Auch) Wir haben euch vergessen. Kostet denn die Strafe der Ewigkeit um dessentwillen, was ihr getan habt.“ (Der edle Koran 32:12-14)

32:12 - Die Ansprache, die an den Propheten (صلى الله عليه و سلم) gerichtet ist, richtet sich auch an seine Gemeinde. Am Tage des Jüngsten Gerichts werden die Übeltäter mit gesenktem Haupt vor Allah in Scham und Reue stehen. Dies ist eine schmachvolle Szene, in der die Sünden bekannt werden. Sie ersuchen ihn um Rückkehr zur Erde, um das wieder in Ordnung zu bringen, was sie zuvor versäumt hatten.[13]

32:13 - Hätte Allah (t) es gewollt, dann hätte Er den Menschen nur einen einzigen Weg gewiesen, nämlich den der Rechtleitung. Der Wille des Erhabenen geschieht wie Er es für die Menschen und die Jinn geplant hat: Die Wohnstatt der Schuldigen von den beiden Gattungen wird Jahannam sein. Die Jinn sind aus Feuer erschaffenes Lebewesen, die mit freiem Willen und Entscheidungsfreiheit ausgestattet sind. Sie sind Mitbewohner unserer Erde und unter ihnen gibt es Gläubige und Ungläubige. Zu ihnen gehört auch Iblis, der verfluchte Satan. Die Jinn werden hier deshalb erwähnt, weil sie - wie die Menschen - für ihre Taten verantwortlich sind.[14]

32:14 - Vergesslichkeit ist das Produkt eines defekten Gedächtnisses. Diese Eigenschaft kann Allah (t) nicht zuteilwerden, weil Er alles in Seiner Schöpfung weder vergisst noch vernachlässigt.[15] Das Wort "vergessen" kann hier ein Ausdruck der Verachtung sein; denn es wird sprachlich im Sinne von "absichtlich ignorieren" gebraucht.[16]

 

إِنَّمَا يُؤْمِنُ بِآيَاتِنَا الَّذِينَ إِذَا ذُكِّرُوا بِهَا خَرُّوا سُجَّدًا وَسَبَّحُوا بِحَمْدِ رَبِّهِمْ وَهُمْ لَا يَسْتَكْبِرُونَ ۩ ﴿١٥﴾ تَتَجَافَىٰ جُنُوبُهُمْ عَنِ الْمَضَاجِعِ يَدْعُونَ رَبَّهُمْ خَوْفًا وَطَمَعًا وَمِمَّا رَزَقْنَاهُمْ يُنفِقُونَ ﴿١٦﴾ فَلَا تَعْلَمُ نَفْسٌ مَّا أُخْفِيَ لَهُم مِّن قُرَّةِ أَعْيُنٍ جَزَاءً بِمَا كَانُوا يَعْمَلُونَ ﴿١٧﴾

„Nur jene glauben an Unsere Zeichen, die sich, wenn sie an sie gemahnt werden, niederwerfen und das Lob ihres Herrn preisen; und sie sind nicht hochmütig. (15) Ihre Seiten halten sich fern von (ihren) Betten; sie rufen ihren Herrn in Furcht und Hoffnung an und spenden von dem, was Wir ihnen gegeben haben. (16) Doch niemand weiß, welche Augenweide für sie als Lohn für ihre Taten verborgen ist.“ (Der edle Koran 32:15-17)

32:15 - Die Niederwerfung ist das Schlüsselwort dieser Sure, die auch danach benannt ist. An dieser Stelle ist eine Niederwerfung für den Leser des arabischen Textes Pflicht.[17]

32:16 - Dies ist eine bildliche Darstellung der Lagerstätten in der Nacht, die den Körper zum Hinlegen zur Ruhe einladen und dazu, sich am Schlaf zu ergötzen. Doch in diesem Körper finden sie keinen Widerhall. Er widerstrebt dieser Einladung, wenn auch mit größter Anstrengung, um sich seinem Herrn zuzuwenden. Die Kommentatoren beziehen dies vor allem auf die Tahajjud-Gebete zwischen Mitternacht und den frühen Morgenstunden. Dies bedeutet nicht, dass sie auf den Schlaf verzichten, sondern dass sie einen Teil der Nacht im Gebet verbringen und ihre Freizeit Seiner Verherrlichung widmen. Der Prophet (صلى الله عليه و سلم) sagte einmal zu Ibn Jabal: „Soll ich dir nicht die Wege der Wohltätigkeit weisen? Es sind: Das Fasten, das ein Schutz ist, die Almosenspende; denn sie löscht die Sünde wie das Wasser das Feuer, und das Gebet inmitten der Nacht.“ Der Gläubige tut dies in Furcht vor der Bestrafung und in Hoffnung auf die Barmherzigkeit und das Wohlwollen des Gnädigen Herrn.[18]

32:17 - Kein Geschöpf kann sich die Herrlichkeit des göttlichen Lohnes für diejenigen vorstellen, die sich so wie in 32:16 verhalten haben. Unser Prophet (صلى الله عليه و سلم) sagte in einem Hadis: „Allah spricht: „Ich habe für Meine rechtschaffenen Diener Dinge bereitgehalten, die kein Auge je gesehen, kein Ohr je gehört und keinem Menschen in den Sinn gekommen sind.“ Dieses Hadis ist von den Prophetengefährten immer als Kommentar zu diesem Vers verstanden worden.[19]

 

أَمَّا الَّذِينَ آمَنُوا وَعَمِلُوا الصَّالِحَاتِ فَلَهُمْ جَنَّاتُ الْمَأْوَىٰ نُزُلًا بِمَا كَانُوا يَعْمَلُونَ ﴿١٩﴾ وَأَمَّا الَّذِينَ فَسَقُوا فَمَأْوَاهُمُ النَّارُ ۖ كُلَّمَا أَرَادُوا أَن يَخْرُجُوا مِنْهَا أُعِيدُوا فِيهَا وَقِيلَ لَهُمْ ذُوقُوا عَذَابَ النَّارِ الَّذِي كُنتُم بِهِ تُكَذِّبُونَ ﴿٢٠﴾وَلَنُذِيقَنَّهُم مِّنَ الْعَذَابِ الْأَدْنَىٰ دُونَ الْعَذَابِ الْأَكْبَرِ لَعَلَّهُمْ يَرْجِعُونَ ﴿٢١﴾ وَمَنْ أَظْلَمُ مِمَّن ذُكِّرَ بِآيَاتِ رَبِّهِ ثُمَّ أَعْرَضَ عَنْهَا ۚ إِنَّا مِنَ الْمُجْرِمِينَ مُنتَقِمُونَ ﴿٢٢﴾   

„Ist wohl jener, der gläubig ist, dem gleich, der frevelt? Sie sind nicht gleich. (18) Jene aber, die glauben und gute Werke tun, werden Gärten der Geborgenheit haben als einen Wohnsitz für das, was sie getan haben. (19) Jene aber, die ungehorsam sind - ihre Herberge wird das Feuer sein. Sooft sie (auch) daraus entfliehen wollen, sie werden wieder dahin zurückgetrieben, und es wird zu ihnen gesprochen: „Kostet nun die Strafe des Feuers, die ihr zu leugnen pflegtet!“ (20) Und wahrlich, Wir werden sie vor der größeren Strafe von der diesseitigen Strafe kosten lassen, damit sie sich vielleicht doch noch bekehren. (21) Und wer ist ungerechter als jener, der an die Zeichen seines Herrn gemahnt wird und sich dann doch von ihnen abwendet? Wahrlich, Wir werden Uns an den Sündern rächen.“ (Der edle Koran 32:18-22)

32:18 - Die beiden Arten von Menschen, die vor den weltlichen Gesetzen Gleichheit genießen, sind vor Allah (t) nicht gleich. Die derartige Ungleichheit wird an verschiedenen Stellen des Korans behandelt.[20]

32:19 - Eine wahre Geborgenheit auf Erden gibt es im wahren Sinne nicht. Überall lauern Gefahren und Unsicherheiten, gegen die sich der Mensch in Acht nehmen muss. In den Gärten der Wonne im Jenseits kann man sich darauf verlassen, dass ihm dort nichts von dem passiert, was auf Erden möglich war: kein Hitzeschlag von der Sonne, kein Erfrieren in der Kälte, kein verdursten bei Wasserknappheit, keine Verletzung von Tieren und Insekten, kein Ersticken und keine Verbrennung usw. Das Paradies als Lohn für die Gläubigen ist dann die wahre Herberge.

32:20-22 - Im Höllenfeuer gibt es dagegen keine Geborgenheit.[21] Denn dort gibt es nur Qual und Pein, vor denen kein Entrinnen möglich ist. Die Bestrafung derjenigen, die ungehorsam sind, hat schon in dieser diesseitigen Welt in der Form von Elend, Unglück und Krankheiten angefangen, um sie zum Nachdenken und zum rechten Weg zu bewegen. Dies stellt eine Barmherzigkeit Allahs dar, um sie durch diese letzte Ermahnung vor dem Höllenfeuer im Jenseits zu retten. Danach gibt es keine Entschuldigung mehr. Wer ist nun ungerechter als jener, der an die Zeichen seines Herrn gemahnt wird und sich dann doch von ihnen abwendet? Der Begriff "Zeichen" beinhaltet alle Arten von irdischen Prüfungen. Sie können u.a. auch in der Form von katastrophalen Schicksalsschlägen sein.[22]

 

وَلَقَدْ آتَيْنَا مُوسَى الْكِتَابَ فَلَا تَكُن فِي مِرْيَةٍ مِّن لِّقَائِهِ ۖ وَجَعَلْنَاهُ هُدًى لِّبَنِي إِسْرَائِيلَ ﴿٢٣﴾ وَجَعَلْنَا مِنْهُمْ أَئِمَّةً يَهْدُونَ بِأَمْرِنَا لَمَّا صَبَرُوا ۖ وَكَانُوا بِآيَاتِنَا يُوقِنُونَ ﴿٢٤﴾ إِنَّ رَبَّكَ هُوَ يَفْصِلُ بَيْنَهُمْ يَوْمَ الْقِيَامَةِ فِيمَا كَانُوا فِيهِ يَخْتَلِفُونَ ﴿٢٥﴾

„Und wahrlich, Wir gaben Moses das Buch - zweifle deshalb nicht daran, dass auch du es bekommst, und Wir machten es zu einer Führung für die Kinder Israels. (23) Und Wir erweckten Führer aus ihrer Mitte, die (das Volk) nach Unserem Gebot leiteten, weil sie geduldig waren und fest an Unsere Zeichen glaubten. (24) Wahrlich, dein Herr ist es, Der zwischen ihnen am Tage der Auferstehung über das richten wird, worüber sie uneinig waren.“ (Der edle Koran 32:23-25)

32:23 - Mit diesen Worten sollte die Botschaft unseres Propheten Muhammed (صلى الله عليه و سلم) bestätigt werden. Dies ist zwar an den Propheten gerichtet, aber angesprochen sind jedenfalls auch jene Leute, die an seinem Prophetentum zweifelten. Hier wendet sich der Text der Geschichte Moses (a.s.) zu, und zwar mit einem kurzen Hinweis auf das Buch Moses, die Thora, die Allah (t) zur Rechtleitung für die Kinder Israels machte, wie Er später auch den Koran zu einer Rechtleitung für die Gesamtheit aller Menschen gemacht hat. Mit diesem Abschnitt kehrt der Gedankengang zu dem am Anfang der Sure angeschnittenen Thema zurück - nämlich dem göttlichen Ursprung der zu Muhammed (صلى الله عليه و سلم) gesandten Offenbarung, die, wie hier betont wird, von derselben Quelle stammt wie die Offenbarung, die Moses (a.s.) seinerzeit erhalten hatte. Die volle Bedeutung dieses Verses kann nur verstanden werden, wenn wir den historischen Hintergrund im Auge behalten. Die Geschichte legt Zeugnis davon ab - und dessen waren sich die mekkanischen Götzendiener sehr wohl bewusst, dass die Kinder Israels jahrhundertelang in Ägypten ein elendes Leben geführt hatten. In dieser kritischen Zeit erweckte Allah (t) unter ihnen den Propheten Moses (a.s.) und befreite sie aus der Knechtschaft. Dann offenbarte Er ihnen die Schrift, die Thora, durch die das einstmals unterdrückte Volk Rechtleitung erhielt und eine geachtete Position in der Welt erringen konnte. Mit Rückblick auf diesen historischen Hintergrund wird den Arabern hier gesagt: so wie jene Schrift die Kinder Israels rechtleiten sollte, so soll diese Schrift euch rechtleiten.[23]

32:24 - Es war eine Reihe von Richtern, Propheten und Königen, die das Volk entsprechend dem göttlichen Gesetz führten. Dieser Text soll die Ungläubigen in Arabien darauf aufmerksam machen, dass diese Schrift - der Koran - ihr Schicksal entscheiden wird, so wie die Thora das Schicksal der Kinder Israels entschieden hat.

32:25 - Hier wird auf die Differenzen und Spaltungen unter den Kindern Israels hingewiesen, nachdem sie ihren Glauben verloren und den Gehorsam gegenüber ihren rechtgeleiteten Führern aufgegeben hatten.

 

أَوَلَمْ يَهْدِ لَهُمْ كَمْ أَهْلَكْنَا مِن قَبْلِهِم مِّنَ الْقُرُونِ يَمْشُونَ فِي مَسَاكِنِهِمْ ۚ إِنَّ فِي ذَٰلِكَ لَآيَاتٍ ۖ أَفَلَا يَسْمَعُونَ ﴿٢٦﴾ أَوَلَمْ يَرَوْا أَنَّا نَسُوقُ الْمَاءَ إِلَى الْأَرْضِ الْجُرُزِ فَنُخْرِجُ بِهِ زَرْعًا تَأْكُلُ مِنْهُ أَنْعَامُهُمْ وَأَنفُسُهُمْ ۖ أَفَلَا يُبْصِرُونَ ﴿٢٧﴾

„Ist ihnen nicht klar, wie viele Geschlechter Wir schon vor ihnen vernichtet haben, in deren Wohnstätten sie nun wandeln? Hierin liegen wahrlich Zeichen. Wollen sie also nicht hören? (26) Haben sie denn nicht gesehen, dass Wir das Wasser auf das dürre Land treiben und dadurch Gewächs hervorbringen, an dem ihr Vieh und auch sie selber sich laben? Wollen sie also nicht sehen?“ (Der edle Koran 32:26-27)

32:26-27 - Angesprochen sind hier die Götzendiener in Mekka, die auf die früheren Generationen aufmerksam gemacht werden, an deren Häusern und Städten sie bei ihren Handelsreisen vorbeiziehen und dabei die Spuren ihrer Vernichtung beobachten können. Darüber hinaus werden sie weit und breit Landstriche sehen, die einst öde und dürre waren und jetzt vor ihren Augen grün geworden sind. Von diesem Gewächs, das Allah hervorgebracht hat, haben sie und ihr Vieh eine köstliche Nahrung.[24]

 

وَيَقُولُونَ مَتَىٰ هَـٰذَا الْفَتْحُ إِن كُنتُمْ صَادِقِينَ ﴿٢٨﴾ قُلْ يَوْمَ الْفَتْحِ لَا يَنفَعُ الَّذِينَ كَفَرُوا إِيمَانُهُمْ وَلَا هُمْ يُنظَرُونَ ﴿٢٩﴾ فَأَعْرِضْ عَنْهُمْ وَانتَظِرْ إِنَّهُم مُّنتَظِرُونَ ﴿٣٠﴾

„Und sie sagen: „Wann wird dieser Sieg kommen, wenn ihr die Wahrheit redet?“ (28) Sprich: „Am Tage des Sieges wird den Ungläubigen ihr Glaube nichts nutzen, noch werden sie Aufschub erlangen.“ (29) So wende dich denn von ihnen ab und warte; auch sie warten.“ (Der edle Koran 32:28-30)

32:28-30 - Weil die Muslime stets davon sprachen, dass Allah (t) ihnen Erfolg über die Mekkaner verleihen würde, fragten diese Mekkaner sarkastisch: „Wann werdet ihr die Oberhand über uns gewinnen, falls eure Behauptung wahr ist?“ Die Antwort darauf lautet: „Am Tage des Sieges wird den Ungläubigen ihr Glaube nichts nutzen, noch werden sie Aufschub erlangen.“ Wenn Allahs Strafe kommt, habt ihr keine Zeit mehr zur Umkehr. So nutzt die Zeit auf bestmögliche Weise aus. Du, Muhammed, kümmere dich nicht um sie und um ihre Unverschämtheit und antworte ihnen nur mit dem, was dir geboten wurde.[25] Mit den Worten "warte; auch sie warten" endet diese wunderbare Sure, deren Erfüllung in der Zukunft liegt, als Wunder von den ewigen Wundern des Koran.


 

Alles Lob gebührt Allah, Dem Herrn der Welten.

 


[1] s.u. "Alif"

 

[2] vgl. dazu 1:1ff.; 2:1ff.

 

[3] vgl. 10:38; ferner den Titel: Muḥammad, Prophet der Barmherzigkeit, Islamische Bibliothek

 

[4] vgl. 7:54

 

[5] vgl. 2:255; 7:54; 10:3; 41:9-12; 70:1-7 und die Anmerkung dazu

 

[6] vgl. 95:4

 

[7] vgl. 17:85

 

[8] Tafsīr Az-Zamaḫšaryy / Gätje, Helmut: Koran und Koranexegese, Zürich, Stuttgart 1971 / vgl. 22:5-7 und die Anmerkung dazu

 

[9] vgl. 23:12 und die Anmerkung dazu

 

[10] vgl. 15:29; 38:72

 

[11] vgl. 13:5

 

[12] vgl. Übersetzung des BavariaVerlags, die in diesem Werk vorrangig vorkommt

 

[13] vgl. 6:27-28; 7:18, 51; 10:19; 11:119; 18:50; 23:99-100; 26:4 und die Anmerkung dazu

 

[14] vgl. 6:2728; 7:18, 51; 10:19; 11:119; 18:50; 23:99-100; 26:4 und die Anmerkung dazu

 

[15] vgl. 20:52

 

[16] vgl. 6:27-28; 7:18, 51; 10:19; 11:119; 18:50; 23:99-100; 26:4 und die Anmerkung dazu

 

[17] vgl. dazu den Titel: "Aṣ-Ṣalāh - das Gebet im Islam", Islamische Bibliothek

 

[18] vgl. 25:63-67 und die Anmerkung dazu

 

[19] vgl. Übersetzung des BavariaVerlags, die in diesem Werk vorrangig vorkommt

 

[20] vgl. 4:95; 5:100; 6:50; 13:16; 16:76; 35:19, 22; 39:9; 40:58; 57:10; 59:20

 

[21] vgl. 32:19 und die Anmerkung dazu

 

[22] vgl. 52:47 und die Anmerkung dazu

 

[23] vgl. Übersetzung des BavariaVerlags, die in diesem Werk vorrangig vorkommt

 

[24] vgl. 20:128 und die Anmerkung dazu

 

[25] vgl. 6:158, 7:71

 

 


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